Der Koch der russischen Botschaft in Berlin: "Ich kaufe selbst ein!"

Foto: Olga Schtyrkina

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RBTH hat dem Koch der russischen Botschaft in Berlin in die Töpfe geschaut. Jewgenij Tjutjunikow erzählt über seinen Traumberuf, ein typisches Menü für deutsche Gäste, seine Beziehung zur deutschen Küche und die Lieblingsgerichte des Botschafters.

RBTH: Seit wann sind Sie Koch in der russischen Botschaft in Berlin?

Jewgenij Tjutjunikow: Seit vier Jahren arbeite ich hier, seit Wladimir Grinin russischer Botschafter in Berlin ist. Davor habe ich bereits in den russischen Botschaften in Polen und Finnland gearbeitet. Deutschland ist meine dritte Auslandsstation.

Gibt es ein Land, in dem sie gerne einmal arbeiten möchten?

Ja, in Italien. Ich mag das Land und die italienische Küche. Weniger Interesse habe ich an exotischen Ländern. Ich habe einfach einen europäischen Geschmack.

Mögen Sie auch die deutsche Küche? Essen Sie auch in deutschen Restaurants?

Ich halte viel von der deutschen Küche. Besonders mag ich deutsche Würstchen und deutsches Bier. Aber in deutsche Restaurants gehe ich meist nur, wenn ich auf Reisen bin. In Deutschland esse ich oft in italienischen und russischen Restaurants.

Ist Koch ihr Traumberuf?

Ja, das kann man so sagen. Ich habe schon immer gerne gekocht und gebacken. Ich komme aus Selenograd, bei Moskau. Das Kochen gelernt habe ich aber in Nowosibirsk, in der Militärakademie für Köche. Nach meiner Militärzeit habe ich angefangen, als professioneller Koch zu arbeiten.

Foto: Eduard Osechkin

Wo haben Sie gearbeitet, bevor Sie Koch in diplomatischen Diensten wurden?

Ich arbeitete bereits seit 1991 in Hotels und Restaurants. Im Moscow Marriott Royal Aurora Hotel hatte ich eine leitende Stellung als Chef de Partie. Der Chef de Partie leitet einen Arbeitsbereich einer Küchenbrigade. Im Moscow Marriott habe ich fast vier Jahre gearbeitet. Dann habe ich das Angebot bekommen, Botschafts-Koch zu werden.

Welche Gerichte dürfen in einem typischen Menü der russischen Botschaft nicht fehlen?

Natürlich bildet die russische Küche in all ihrer Vielfalt die Basis für jedes Menü. Besonders beliebt, auch bei unseren Gästen, sind Garnelen und mit Zirbelnüssen gefüllter Lachs oder Heringe in Mayonnaise, eingelegte Gemüsesorten und Salat Olivier. Auch Pelmeni und Piroggen mit Fleisch und Kohl dürfen nicht fehlen. In Polen und Finnland war das ähnlich.

Erfüllen Sie auch Sonderwünsche der Gäste, zum Beispiel für Vegetarier?

Ja, für diejenigen, die nicht so gerne Fleisch essen, bieten wir auch Fischgerichte an und für Vegetarier zum Beispiel Mozzarella-Salat. Wir haben auch schon auf besonderen Wunsch asiatisch gekocht, da gab es dann Zitronengrassuppe oder Wok-Gerichte.

Foto: Eduard Osechkin

Wie wird das Menü zusammengestellt? Gibt es dafür ein eigenes Protokoll?

Nein, im Grunde genommen stelle ich den Speiseplan selbst auf. Ich variiere dabei die einzelnen Gerichte, biete zum Beispiel verschiedene Salate an. Ein Menü unterscheidet sich natürlich in Abhängigkeit von der Jahreszeit. Vor dem Neujahrsfest bereite ich oft Pute zu. Zu Weihnachten haben wir auch einmal Karpfen serviert, ein traditionelles europäisches Weihnachtsessen. Unsere deutschen Gäste waren begeistert. Dann gibt es auch besondere Anlässe, zu denen wir dann auch besondere Gerichte kochen. Einmal richtete die Botschaft eine Jubiläumsfeier für einen Vertreter des Deutschen Episkopats der Russisch-Orthodoxen Kirche aus. Den Wunsch nach einem Lamm am Spieß konnten wir leider nicht erfüllen, aber ich habe Ferkel mit Buchweizen zubereitet. Das war ein voller Erfolg.

Was ist das Leibgericht des russischen Botschafters in Deutschland?

Er liebt im Grunde alles, was die russische Küche zu bieten hat. Sehr gerne isst er Lammrücken oder Schweinskaree.

Bekommen Sie in Deutschland problemlos alle Zutaten, die Sie zur Zubereitung von  Speisen der russischen Küche brauchen?

Ja, hier gibt es alles. Ich kaufe selbst ein. Wenn wir eine größere Zahl Gäste haben, wende ich mich meist an die Lieferanten russischer Geschäfte. Über die bekomme ich dann auch Lebensmittel wie Heringe oder Sprotten, die in so großer Menge nicht immer leicht zu besorgen sind.

"Besonders beliebt sind Garnelen und mit Zirbelnüssen gefüllter Lachs oder Heringe in Mayonnaise, eingelegte Gemüsesorten und Salat Olivier", sagt der Koch.  Foto: Eduard Osechkin

Wie viele Personen arbeiten in der Botschaftsküche?

Im Grunde arbeite ich in meiner Küche meist alleine. Bei einem großen Empfang helfen die  Mitarbeiterinnen der Botschaft. Sie schneiden zum Beispiel Gemüse und arrangieren die Speisen. Bisher bin ich in meiner Küche mit maximal sechs Gehilfen ausgekommen. Die brauche ich aber zum

Beispiel unbedingt bei der Zubereitung von Piroggen. Das kostet viel Zeit. Wir essen hier aber seltener Piroggen, als es in Russland üblich ist.

Können Sie sich daran erinnern, schon einmal ein besonders großes oder außergewöhnliches Lob bekommen zu haben?

Das ist schwer zu sagen. Üblicherweise wird einem nur der Dank ausgerichtet, dass das Essen köstlich und sehr gut war. Das größte Lob, das ein Koch bekommen kann, ist ohnehin, wenn von den Gästen alles aufgegessen wurde.

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