Russische Eventbranche steckt noch in den Kinderschuhen

Die Olympiastadt Sotschi soll von Großevents wie dem Investitionsforum im September profitieren. Foto: ITAR-TASS

Die Olympiastadt Sotschi soll von Großevents wie dem Investitionsforum im September profitieren. Foto: ITAR-TASS

Russland setzt auf Großereignisse, auch, um die regionale Wirtschaft anzukurbeln. Bei deren Organisation aber ist man noch immer auf ausländsiche Spezialisten angewiesen.

Russland liebt Großereignisse. Eine der Strategien der Regierung ist es, diese zu nutzen, um die Entwicklung regionaler Zentren voranzutreiben, so wie die großen Messestädte Leipzig, Hannover oder Frankfurt am Main. Das zeigen auch vergangene Großereignisse wie die Universiade in Kasan oder das Treffen der Organisation für Asiatisch-pazifische wirtschaftliche Zusammenarbeit (APEC) in Wladiwostok.

Gleichzeitig fehlt es der Branche, die sich erst vor 15 bis 20 Jahren etablierte, an notwendiger Erfahrung. So waren auch bei der Winterolympiade in Sotschi im Frühjahr ausländische Eventagenturen, die über entsprechende Expertise verfügen, sehr gefragt. Darunter etwa die italienische Agentur Filmmaster Events, die bereits die Eröffnungs- und Abschlussfeier bei der Winterolympiade in Turin im Jahr 2006 mitorganisiert hat.

Wladimir Proschko von der Agentur „We can Group" hat bereits in Deutschland gearbeitet. 2012 baute er einen Messestand auf der Hannover Messe auf und kann so die unterschiedliche Herangehensweise von Russen und Deutschen vergleichen. „In Deutschland läuft alles einfacher, leichter und cooler ab", meint Proschko. Wenn man deutschen Subunternehmen einen Auftrag gibt, könne man sicher sein, dass dieser fristgerecht erfüllt werde. In Russland müsse man dagegen ständig alles unter Kontrolle behalten und sollte immer auf der Hut sein.

Egor Dobrogorskij, Managing Partner bei Communicator Creative Events, war von seiner Teilnahme an der Tourismusmesse IMEX in Frankfurt am

Main überrascht. „Alle 45 Sekunden fuhren Busse vor, doch nirgendwo gab es Staus. Ein strikter Zeitplan, eine gute Navigation – alles wurde bis ins Detail geplant. Russlands größte Messegelände, Crocus Expo und Expozentrum in Moskau, könnten hier viel lernen."

Dafür, dass der Markt noch in den Kinderschuhen steckt, sprechen auch die eklatanten Preisunterschiede, so Dobrogorskij. Als seine Agentur kürzlich den Aufbau eine Messestandes für den Ölförderer Rosneft ausgeschrieben hatte, unterschieden sich die Angebote – trotz genauer Vorgaben – um das Zwei- bis Zweieinhalbfache. „Das zeigt definitiv, dass der Markt noch recht unzivilisiert ist", so Dobrogorskij.

Dafür übersteigen die Ausgaben für Betriebsfeiern in Russland oft die Vorstellungskraft ausländischer Kollegen. Kosten in Höhe von einer bis zwei Millionen Euro für ein Firmen-Fest sind keine Seltenheit.

Alle Rechte vorbehalten. Rossijskaja Gaseta, Moskau, Russland