Survival Guide: Wie Sie als Gast bei Russen überleben

Bereiten Sie sich darauf vor, dass sich nicht nur Freunde und Kollegen bei Ihren Gastgebern versammeln, sondern auch Eltern, Großeltern, Brüder, Schwestern und überhaupt Verwandte aller Art.

Bereiten Sie sich darauf vor, dass sich nicht nur Freunde und Kollegen bei Ihren Gastgebern versammeln, sondern auch Eltern, Großeltern, Brüder, Schwestern und überhaupt Verwandte aller Art.

Valery Morev / TASS
Man munkelt, die Russen sind unfreundlich, grimmig und introvertiert. Haben sie aber jemanden ins Herz geschlossen, sind sie offen und großzügig – dann laden die Russen ihre Freunde nach Hause ein. Haben auch Sie eine Einladung bekommen? Keine Sorge, mit dieser kurzen Anleitung machen Sie auf Ihren russischen Gastgeber ganz bestimmt einen guten Eindruck.

1. Ein Gastbesuch baut in Russland, wie vieles andere auch, auf persönlichen Beziehungen zum Gastgeber auf. Die ersten zwei, drei Besuche sollten schon den gängigen Regeln folgen, das heißt frühzeitige Absprachen über das Datum, die Zeit und so fort. Haben Sie diese Hürde einmal genommen, wird alles wesentlich einfacher. Zum guten Ton gehört dann eine Ankündigung 15 Minuten vor Besuch. Lassen dies die Umstände nicht zu, sagen Sie Ihrem Gastgeber wenigstens fünf Minuten, bevor Sie kommen, Bescheid. Ist auch das eine unzumutbare Härte, klingeln Sie einfach an der Haustür.

2. Häufig bieten die Gastgeber ihren Gästen an, die Straßenschuhe anzubehalten. Nehmen Sie das nicht allzu ernst: Der Hausherr möchte nur höflich sein. Jede russische Familie hat neben der Eingangstür einen Schrank mit Hausschuhen stehen. Diese werden großzügig an alle Gäste verteilt. Bleiben Sie höflich und wechseln Sie das Schuhwerk – auch wenn Sie rosarote Fellpantoffeln Größe 45 bekommen.

 

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3. Wenn Sie plötzlich aus irgendeinem Grund in Russland leben und eine Party bei sich zu Hause veranstalten wollen, sollten Sie diesen Punkt besonders beachten. Bereiten Sie Ihre Nachbarn rechtzeitig darauf vor, dass es bei Ihnen etwas lauter werden könnte als sonst. Sonst wird es irgendwann bei Ihnen an der Haustür laut: Das sind dann nicht die Nachbarn, sondern Menschen in Uniform.

4. Zieht sich die Party hin, doch sie wollen nicht nach Hause oder die U-Bahn fährt noch nicht und das Geld fürs Taxi ist Ihnen zu schade, bleiben Sie einfach bei Ihren Gastgebern – diese werden ganz bestimmt nichts dagegen haben. In Russland hängt die Anzahl der Gäste, die bei ihren Gastgebern übernachten, nicht etwa von der Wohnfläche und den Schlafplätzen ab, sondern allein von der Menge konsumierten Alkohols. Wundern auch Sie sich nicht, wenn Sie nach Ihrer Party einen Ihrer Freunde auf Ihrem Sofa schlafend auffinden.

 

5. Bereiten Sie sich darauf vor, dass sich nicht nur Freunde und Kollegen bei Ihren Gastgebern versammeln, sondern auch Eltern, Großeltern, Brüder, Schwestern und überhaupt Verwandte aller Art. Die Wohnungsnot bleibt in Russland nahezu ungelöst. Deswegen leben die Russen alle unter einem Dach. Die Wohnungsgröße ist dabei nicht entscheidend.

6. Russen sind schon sehr gastfreundlich. Manchmal übertreiben sie es damit aber ein bisschen. Kommen Sie daher so hungrig, wie Sie nur können. Am besten, Sie essen vor dem Besuch den ganzen Tag lang gar nichts. Denn: Ob Sie es wollen oder nicht, Sie werden essen müssen. Und wenn Sie schon alles aufgegessen haben, gibt der Kühlschrank sicherlich noch etwas her – Kochen auf Vorrat ist eine Besonderheit der russischen Hauswirtschaft. Weigern Sie sich, sind die Gastgeber beleidigt. Und dann müssen Sie trinken: Wodka.

 

7. Ein wichtiger Tipp zum Schluss: Mit leeren Händen besucht man Freunde in Russland nicht. Ob eine Flasche Wein, ein Obstkorb, eine gute Käseauswahl – das liegt ganz an Ihnen. Und seien Sie unbedingt wählerisch: Das alles kommt augenblicklich auf den Tisch, Sie werden es essen müssen – so will es der Brauch.

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