Rhythmus im Blut: Wie Politiker an die Spitze der Musikcharts klettern

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Jeder weiß, dass Präsident Wladimir Putin gut mit einem Klavier umzugehen kann; doch andere Staatsmänner und -frauen sind ihm in der Hitliste der musikalischsten Politiker auf den Fersen. Die Stilblüten der Ausflüge russischer Politiker in die Welt der Musik sind spektakulär – und meist amüsant.

Maria Sacharowa tanzt Kalinka beim Russland-ASEAN-Treffen in Sotschi, 19. Mai 2016.  / APMaria Sacharowa tanzt Kalinka beim Russland-ASEAN-Treffen in Sotschi, 19. Mai 2016. / AP

Maria Sacharowa, Pressesprecherin des russischen Außenministeriums, ist oft in den Schlagzeilen. Aber kaum jemand weiß, dass sie Songs schreibt, die dann von bekannten Sängerinnen und Sängern aufgeführt werden.

Ein Lied Sacharowas, das den russischen Soldaten im Syrieneinsatz gewidmet ist, wurde erst kürzlich beim Internationalen Filmfestival in Moskau 2017 vorgetragen. Während die Zuhörer gebannt lauschten, konnte die Urheberin ihre Tränen kaum zurückhalten.

Dennoch ist Sacharowa eher eine Ausnahme. Die Lust aufs Liederschreiben ereilt russische Bürokraten sonst meist erst, wenn sie verhaftet werden oder zumindest ins Scheinwerferlicht der Staatsanwaltschaft geraten.

Staatseigentum, 6 Milliarden US-Dollar, rote Hausschuhe

Im Jahr 2012 wurde das russische Verteidigungsministerium von einem Korruptionsskandal erschüttert. Besonders im Fokus stand dabei Jewgenia Wasiljewa, die der Abteilung für Staatseigentum im Ministerium vorstand. Während die Ermittlungen gegen sie liefen, stand sie von 2012 bis 2015 unter Hausarrest. Völlig unerwartet, rund zwei Jahre nachdem man sie ans eigene Haus gebunden hatte, erschien Wasiljewas Musikvideo „Rote Hausschuhe“, das sofort zu einem Internethit wurde.

Trotz des eher einfach gehaltenen Textes wurde das Video bislang 2,7 Millionen Mal angeschaut.

„Kleine Rose, pinker Sonnenuntergang / Rote Hausschuhe schauen mich an / Aah, was für Hausschuhe! Oh, was ein Outfit! / Oh, wie süß du doch bist! Oh, was ein Sonnenuntergang.“ Dies sang die Beschuldigte, die später zu einer fünfjährigen Haftstrafe verurteilt wurde – dies übrigens für die begangene Korruption, nicht den Song.

Aber auch diese Geschichte konnte andere russische Staatsvertreter nicht davon abhalten, ebenfalls musikalische Projekte anzugehen.

Der gefallene Minister und “Blatnyak”-Barde

Die Zeilen von Alexey Uljakow, dem ersten Staatsminister, der wegen der Annahme von angeblich zwei Millionen US-Dollar in Bestechungsgeldern verhaftet worden war, wurden berühmt, als die Staatsanwaltschaft den Fall öffentlich machte.

Oleg Smirnow, Frontsänger einer russischen Chansonband, die vor allem für ihre Romantisierung der kriminellen Unterwelt bekannt ist, stellte in Aussicht, dass er die Worte Uljukajews aufgreifen und zu einem Lied umarbeiten wolle.

Smirnow zweifelte nicht an der Qualität in des Ministers Worten, obwohl sich dieser noch nicht mit einer tatsächlichen Gefängnisstrafe die Hörner abgestoßen hatte. „Wenn jemand ins Gefängnis geschickt wird, dann bedeutet das nicht, dass seine Gedichte gut sind. Und es gibt auch solche, die nie im Gefängnis waren und dennoch gute Lyrik schreiben. All jene aber, die tatsächlich eine Strafe verbüßt haben, müssen nichts erfinden, denn sie kennen alles aus eigener Erfahrung“, sagt Smirnow über die Gefängnis-Dichtung.

Während gegen den Minister noch immer ermittelt wird, hat die Band ihr Versprechen bislang nicht gehalten – und begeistert ihre Fans schlicht weiter mit dem alten Repertoire.

Die Freiheit, zu schaffen

Ein weiteres Beispiel für eine kreative Persönlichkeit in hohem Amte ist Tschokan Polljewa, der bereits für drei russische Präsidenten, darunter auch Wladimir Putin, Reden schrieb. In diesem Video führt der berühmte Sänger Alexander Bujnow die Werke Polljewas zur Melodie von Adriano Celentanos Confessa auf.

 

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