Kann man Russland tatsächlich von Alaska aus sehen?

Sergey Frolov/Global Look Press
Es gibt einen Ort auf der Erde, an dem die USA und Russland buchstäblich einen Kanonenschuss voneinander entfernt sind.

„Es gibt einen Ort (heute das Kap Deschnjow), der ins Meer ragt und von Tschuktschen bewohnt wird. Gegenüber liegen Inseln, auf denen Menschen leben, die man als „zähnetragend“ bezeichnet, weil sie zwei große Knochenzähne durch ihre Lippen fädeln ... “ 

So beschrieb Semjon Deschnew die Beringstraße, die er 1648 auf seiner Expedition in den Fernen Osten Russlands ausfindig machte, 80 Jahre bevor Vitus Bering, ein russischer Seefahrer dänischer Herkunft, sie „offiziell“ entdeckte.

Semjon Deschnew (1605-1673)

Die Beringstraße ist weniger als 90 Kilometer breit und genau in ihrer Mitte befindet sich  die Inselgruppe, die Vitus Bering nach dem heiligen Diomedes benannt hat. Die große Diomedes-Insel (10 km² groß), auch als Ratmanow-Insel bekannt, gehört zu Russland und die kleine (ungefähr 5 km²), die Krusenstern-Insel, zum Territorium von Alaska. 

Die Entfernung zwischen den Inseln beträgt 4.160 Meter. Also ja, Sie können von einer Insel auf die andere, von einem Land ins andere blicken!

Die Beringstraße

Die „Insel von morgen“ und die „Insel von gestern“

Seit 1867, als Russland Alaska an die USA verkaufte, haben die Länder eine gemeinsame Wassergrenze, die zwischen den beiden Diomedes-Inseln liegt. Interessanterweise ist das Reisen zwischen den beiden Inseln für die einheimischen Völker - Tschuktschen und Eskimos - seit 1989 visumfrei. Aber der größte Teil der Bevölkerung der Ratmanow-Insel ist auf den Kontinent umgezogen und nur ein russischer Grenzposten ist übrig geblieben. Auf der Krusenstern-Insel leben etwas mehr als 100 Eskimos.

Die Ratmanow-Insel

Erstaunlicherweise überquert man an diesem Ort nicht nur die staatliche Grenze, sondern auch die Internationale Datumsgrenze. Die große Diomedes-Insel ist der kleinen Insel 21 Stunden (20 Stunden im Sommer) voraus! Wenn es auf der kleinen Insel (in der USA) Samstag um 9.00 Uhr ist, ist es auf der großen Insel (in Russland) schon Sonntag um 6.00 Uhr. Aus diesem Grund werden die Diomedes-Inseln im Volksmund die „Insel von morgen“ und die „Insel von gestern“ genannt .

Ein Dorf auf der kleinen Diomedes-Insel

Gegen den Kalten Krieg schwimmen

Für die Menschen vom Kontinent ist das Reisen zwischen den Inseln verboten. Aber 1987 schwamm die bekannte 30-jährige Extremschwimmerin Lynne Cox 1987 trotz des Verbots über die Beringstraße. 1975, im Alter von 18 Jahren, schwamm sie die 23 Kilometer lange Cookstraße in Neuseeland in etwas mehr als 12 Stunden.

Lynne Cox

An der Beringstraße herrschten jedoch völlig andere Bedingungen: Die Wassertemperatur lag bei etwa sechs bis sieben Grad Celsius, aber ihr Körperfett schützte sie in diesem Fall, wie es auch bei Seehunden funktioniert, vor einer Erkältung. Cox hatte ungefähr 36% Körperfett (im Vergleich zu 18-25% bei durchschnittlichen Frauen). So konnte sie die 4.160 Meter Distanz in zwei Stunden und sechs Minuten zurücklegen!

Nach dem Schwimmen erzählte Cox, wie begeistert sie von der Hilfe sei, die sie von der UdSSR erhalten habe. „Es ist das Beste, es ist mehr, als ich mir jemals vorgestellt habe - sie haben […] uns an ihrem Ufer ankommen lassen. Die Unterstützung der Sowjets und ihre Hilfe, ans Festland zu gelangen und uns zu treffen, war wunderbar“, sagte sie. 

Lynne Cox (in der Mitte) in Moskau am 30. August 1988

In der UdSSR wurde Cox für kurze Zeit zu einer Art Berühmtheit. Sie wurde sogar von Präsident Michail Gorbatschow gelobt - in diesem Moment neigte sich der Kalte Krieg dem Ende zu. Bei der Unterzeichnung eines Atomwaffenvertrages in Washington DC erwähnte Gorbatschow: „Sie hat durch ihren Mut bewiesen, wie nah zueinander unsere Völker leben.“  

>>> Die Diomedes-Inseln: Leben zwischen Tschukotka und Alaska

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