Pissoires im Speisesaal, Steak am Galgen, Abendessen in Handschellen

Statt aus einer Schüssel muss man aus einem Mini-Klo im Crazy-Toilet-Café essen.

Statt aus einer Schüssel muss man aus einem Mini-Klo im Crazy-Toilet-Café essen.

Sergei Bobylev/TASS
Wie jede Metropole ist auch Moskau ständig im Wandel. Der neueste Schrei: ganz besondere Restaurants. Geboten wird den Besuchern alles Erdenkliche, vom Toiletten-Ambiente bis zur Knetbar ist alles vertreten. RBTH stellt Ihnen einige der ausgefallensten Restaurants vor.

Essen vom Klo

Es ist eine neue Sehenswürdigkeit im Staryj Arbat, der berühmtesten Moskauer Boheme-Meile: das Crazy-Toilet-Café. Das Toiletten-Motiv bestimmt das Etablissement von Grund auf. Statt auf einem Stuhl nimmt man auf der Schüssel Platz. Statt aus einer Schüssel muss man aus einem Mini-Klo die Suppe löffeln. Guten Appetit! Hat man sich sattgegessen, kann man einen kräftigen Schluck aus einem Urinröhrchen nehmen. Die ersetzen hier die Gläser. Das Klopapier anstelle der Servietten wirkt da fast schon banal. Ganz konsequent aber bekommt der Gast die Rechnung fürs Vergnügen in einem Nachttopf serviert. Die Wände des Cafés zieren uminterpretierte Disney-Figuren. So einer wie Winnie Pooh darf da natürlich nicht fehlen. Der hat schließlich auch einen vollen Topf…

Auch das Menü ist nicht ganz frei von Anspielungen: Geboten werden Salate, Salzhering mit roter Bete – ein typisch russisches Wintergericht, das sich bestens mit Hochprozentigem verträgt – und natürlich Borschtsch, Boeuf-Stroganoff und andere schmackhafte Klassiker. Das i-Tüpfelchen ist das Dessert: kleine, runde Windbeutel mit Schokosauce. Also nur keine Hemmungen!

Crazy-Toilet ul. Arbat, 4, + 7 495 966 15 36

Wie wäre es mit Eingemachtem?

Foto: Pressebild

Nomen est omen – im Café Banka (zu Deutsch: Einweckglas) wird nahezu alles in kleinen Gläsern gereicht. Nicht in solchen wie bei Oma, die Gläser sehen normalem Geschirr eigentlich ganz ähnlich. Und das ist auch schon der ganze Witz. Das Café bietet nur 35 Menschen Platz. Größer müsste es auch gar nicht sein, ist es doch weit weg von Menschenmassen gelegen und alle Gerichte gibt es auch zum Mitnehmen. Das Menü ist übrigens interessant: Tschebureki mit Kartoffeln und Lammfleisch, Risotto mit Kürbis, Entenkeule und Preiselbeeren, überbackene Seezunge mit Spinat, Birnen und rosa Pfeffer, Linguine mit Trüffelsauce. Ein fader Nachgeschmack bleibt dennoch: Auf freiem Teller sähe die ganze Pracht doch deutlich besser aus als eingequetscht im Einmachglas. Zumal sie dann mit einer Gabel auch bequemer zu verzehren wäre.

Banka Nastawnitschenskij per. 15, Geb. 1, + 7 495 287 08 28

Tierleichen am Strick

Foto: Pressebild

Sie kommen in das Restaurant, bestellen ein Marmorsteak und kriegen es elegant an einem Galgen baumelnd serviert. Dazu reicht man Ihnen eine chirurgische Schere, um es herunterzuschneiden. So geht es im Restaurant Kusotschki (zu Deutsch: Die Stückchen) zu. Am Eingang bekommen die Gäste einen Ärztekittel umgehängt und trinken ein Schlückchen Spezialmedizin aus einem Tropf. Eigentlich aber ist die Gaststätte in mehrere Themenbereiche aufgeteilt: Zugabteil, Stadion, Kreml, italienischer Garten, Krankenhaus und Gefängnis. Im letzteren etwa kann man an ein Gitter geschnallt dinieren. Ist das für einen netten Abend zu wenig, dann rufen Sie nach dem Shishamann im Superman-Kostüm. Selbst das Menü in diesem Lokal ist so bunt wie das Ambiente: Lachstatar mit Avocadocreme, kaukasischer Käse am Strick, Angus-Burger, Erbsensuppe mit Kichererbsen, Farmersalat mit Farnblättern, russische Fischsuppe mit Safran und Wodka, Lammfleisch mit Kartoffelpuffer… für jeden ist etwas dabei.

Kusotschki Ul. Schabolowka, 63, + 7 495 114 55 25

Weich in der Birne

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Das Café Didu: Hier müssen Sie selber Hand anlegen und kneten. Was dabei rauskommt, klatschen Sie auf die Möbel und an die Wand. So sollen die Gäste bei einem kurzen Gang durch den Laden die Gedanken anderer Besucher lesen können, hofft der Besitzer. Die eigentliche Erkenntnis aber ist, dass nicht alle geborene Michelangelos sind. Weitaus häufiger als ausdrucksstarke Plastiken kleben unzensierte Ausdrücke an den Wänden. Das Interieur ist eine Plastikhölle: Es ist stickig und riecht nach Kunststoff. Das Menü ist typisch für Moskau: Burger, Pasta, Risotto und vegetarische Gerichte. Schön ist, dass die Kellner einem nicht anbieten, etwas aus dem Kartoffelbrei zu kneten.

Didu Ul. Mjasnickaja, 24, +7 495 624 13 20

Feierabendbier in der U-Bahn

Foto: PressebildFoto: Pressebild

Die innere Aufmachung des Restaurants Metro Diner erinnert gleichzeitig an einen Speisewagen und einen U-Bahn-Wagon. Den Eingang ziert die Aufschrift „Zu den Bieren“, anstatt eines „Reserviert“-Schildes werden belegte Plätze mit „Nicht einsteigen“ gekennzeichnet. Das Menü sieht aus wie ein U-Bahn-Streckenplan, die Gerichte sind Haltestellen: Grünen Salat gibt es im „Botanischen Garten“, für Entenkeule bitte in „China Town“ aussteigen. Und dann ist da noch der Metro-Bürger. Verlockend sind die Getränke: Einmal Sex in der Metro gefällig? Es ist ein netter Ort, für Touristen bestimmt einen Besuch wert – genauso wie für all jene, die sich mit dem Bierverbot in der U-Bahn nicht abfinden wollen.

Metro Diner Ul. Sadowaja-Triumfalnaja, 10/13, +7 495 966 15 56

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