Wladimir Lenin war eine widersprüchliche Person. Obwohl sein Vater ein erblicher Adliger war, wandte er sich gegen das blaue Blut. Obwohl er Atheist war, heiratete er Nadeschda Krupskaja in einer Kirche. Und obwohl er unter spartanischen Bedingungen lebte, verzichtete er nur ungern auf kulinarische Leckereien.

Als Kind hatte sich Lenin einfach, aber gut ernährt. Traditionelle russische Gerichte wie Schtschi, eine Kohlsuppe, und Schwarzbrot galten der Familie unwürdig und wurden selten serviert. In seinem Exil im sibirischen Dorf Schuschenskoje, 4 500 Kilometer östlich von Moskau, wo er von 1898 bis 1900 lebte, ernährte sich Lenin von einfachen Lebensmitteln aus der Region, wie Wild, Lamm- und Rindfleisch, Gemüse, Milchprodukten und Brot.

In den Jahren im Ausland bevorzugte Lenin gesundes und schmackhaftes Essen – frisches Fleisch, frischen Fisch, Wild, Gemüse, Pilze, Beeren sowie Gurken und Honig. Lenins Verwandte aus seiner Heimatstadt Simbirsk, dem heutigen Uljanowsk, 890 Kilometer südöstlich von Moskau, schickten ihm Leckereien von der Wolga. So landeten auch Balyk, Kaviar und Lachs auf dem Esstisch des Ehepaares Lenin-Krupskaja.

Parteifunktionäre sollten immer gut speisen

Lenin war weder abstinent noch ein Alkoholiker. An Feiertagen trank er gerne Glühwein und Punsch. Er wusste auch ein gutes Bier zu schätzen – Bayerisches Bier im Ausland und Schiguljowskoje zu Hause. Dazu gab es eingelegte Forelle und Stint.

Nach der Revolution waren alle Bolschewiki unterernährt. Bis Mitte der 1920er-Jahre musste Lenin seine alten Gewohnheiten deshalb aufgeben. Angesichts der Hungersnot im Land schuf er eine besondere Versorgung mit Nahrungsmitteln für Parteifunktionäre – Steaks, Räucherwaren und Würstchen, Kaviar, Kaffee, Gebäck, Süßigkeiten, die besten süßen Weine und Cognac.

Milchsuppe war Lenins Liebling

Die Köstlichkeiten wurden dabei aber nie von Lenins Ehefrau Nadeschda Krupskaja zubereitet. Sie war stolz darauf, nicht kochen zu können. Die Familie beschäftigte deshalb eine eigene Köchin. Oft veränderte diese die Zubereitungsweise mancher Gerichte, doch es gab einige, ohne die Lenin nicht leben konnte. Eine solche Speise war Milchsuppe mit Klößen. Sie war Lenins Lieblingsgericht. Die Zubereitung ist sehr einfach und erfordert nur wenige Zutaten.

Es ist unbekannt, wo Lenin die Suppe zum ersten Mal probiert hatte. Seine Vorliebe für das deutsche Gericht könnte in der Familie liegen. Lenins Mutter war eine Nachkommin deutscher Protestanten und brachte die Traditionen der deutschen Küche mit in die Familie. Lenins Großvater, der als Leibeigener auf die Welt gekommen war, mochte ebenfalls einfaches Essen.

Möglicherweise probierte Lenin die Suppe erstmals in der Schweiz, wo er von 1908 bis 1917 lebte. Dort verbrachten Lenin und Krupskaja sechs Wochen zur Gesundheitskur in den Alpen. Bestandteil der Kur war eine Milch-Diät, bei der ausschließlich Milchprodukte verzehrt werden durften. Die Milchsuppe war in dieser Zeit ein alltägliches Abendessen.

Zutaten der Suppe:

  • 10 Tassen Milch
  • Salz, Zucker nach Geschmack

Zutaten für die Klöße:

  • 5 Eier
  • 1 Teelöffel Mehl

Zubereitung:

1. Schlagen Sie die Eier auf und trennen Sie das Eigelb vom Eiweiß. Rühren Sie beide bis das Eiweiß zähflüssig und das Eigelb schaumig wird.

2. Mischen Sie das Eiweiß vorsichtig mit dem Eigelb und fügen Sie Mehl hinzu.

3. Erhitzen Sie 5 Tassen Milch.

4. Gießen Sie die Ei-Mehl-Masse in die kochende Milch und decken Sie den Topf zu. Lassen Sie diesen geschlossen 5 bis 7 Minuten stehen.

5. Der Teig sollte über die Milchoberfläche steigen. Drehen Sie die Hitze wieder auf und decken Sie die Suppe wieder zu. Lassen Sie diese 10 Minuten köcheln.

6. Entfernen Sie den Teig aus der Milch und schneiden Sie ihn in kleine Stücke.

7. Gießen Sie die restliche Milch in den gleichen Topf und bringen Sie diese zum Kochen. Legen Sie die Klöße in die Milch und lassen Sie diese erneut aufkochen. Fügen Sie zuletzt Salz und Zucker hinzu. Die Suppe sollte heiß serviert werden.