Hilfe für den Kreislauf der russischen Wirtschaft

Bild: Konstantin Maler

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Die Unterstützung des Bankensystems auf staatlicher Ebene während der Krise ist unumgänglich, meint der Ökonom Konstantin Korischenko.

Vor dem Hintergrund der Wirtschaftskrise beschloss die russische Regierung, etwa 13 Milliarden Euro zur Kapitalerhöhung der größten russischen Banken zur Verfügung zu stellen. Dieser Betrag soll in erster Linie die Kreditvergabepolitik im Lande stimulieren, die hohen Zinssätze allerdings schränken die Chancen, einen Kredit zu erhalten, deutlich ein.

Die aktive Unterstützung des Bankensystems auf staatlicher Ebene während der Krise ist unumgänglich, da die Banken den „Blutkreislauf" der Wirtschaft darstellen und eine „Verstopfung der Blutgefäße" zu äußerst unangenehmen Folgen führen kann. So war auch das Erste, was die USA nach Ausbruch der Krise von 2007 unternahmen, eine umgehende Unterstützung der Banken. Die Regierung stellte zusätzliches Kapital zur Verfügung und setzte ein groß angelegtes Programm zum Aufkauf von Aktiva, vor allem von Pfandbriefen, um. Eine ähnliche Maßnahme führten später die 
Europäische Union während der Krise 2011 und Japan während der Krisenphase der Neunzigerjahre durch.

 

Stimulierung des Wirtschaftswachstums

Wenn man den Abfluss von Einlagen aus dem Bankensystem als Hauptkriterium für eine Krise 
betrachtet, zeigt sich, dass es im russischen Bankensystem eigentlich gar keine Krise gibt. Das Volumen der Geldmittel, die von Unternehmen und Privatpersonen im Bankensystem eingelegt wurden, stieg innerhalb eines Jahres um 25 Prozent auf 44 Billionen Rubel (586 Milliarden Euro). Unter anderem wirkte die Entwertung des Rubels sich 2014 auf dieses Wachstum aus. Warum stellt also der Staat den Finanzinstituten eine solche Summe zur Verfügung?

Das hängt vor allem mit der Notwendigkeit zusammen, das Wirtschaftswachstum zu stimulieren, das sich ohne eine Verbesserung der Kreditvergabebedingungen für die Unternehmen nicht erholen kann. Während des vergangenen Jahres nahm die Menge des sich im Umlauf befindlichen Geldes gerade einmal um zwei Prozent zu, was zur Gewährleistung des BIP-Wachstums viel zu wenig ist und, ganz allgemein gesprochen, das Anzeichen einer restriktiven Geldpolitik darstellt. Im starken Maße liegt das Problem der zunehmenden Kreditversorgung an dem Anstieg fauler Darlehen im System: 2014 nahm deren Volumen um 50 Prozent zu. Die Wirtschaft braucht dennoch Geld, und hierfür ist der bereitgestellte Betrag durchaus sinnvoll.

 

Umfangreicher Anti-Krisen-Plan

Auf die Banken, die an dem neuen Staatsprogramm teilnehmen, entfallen 85 Prozent aller Aktiva des russischen Bankensystems. Neben der „Kapitalerhöhung" gibt es noch ein ganze Reihe anderer Vorschläge, die in den Anti-Krisen-Plan der Regierung aufgenommen wurden. Dazu gehört auch die Gründung einer „Bad Bank" für faule Kredite und die Erteilung von Staatsgarantien für Investitionsprojekte.

Fairerweise muss angemerkt werden, dass nicht nur die Regierung, sondern auch die russische Zentral
bank und das russische Parlament die Bedeutung des Bankensystems für die Wiederbelebung der russischen Wirtschaft gut

verstehen, was an den Maßnahmen zu erkennen ist, die in jeder Hinsicht eingeleitet wurden.

Sämtliche Banken, die Geld vom Staat bekommen möchten, müssen strikte Voraussetzungen erfüllen. Diese sind durchaus marktkonform: ein obligatorisches Kreditwachstum von einem Prozent pro Monat, die Erhöhung des Eigenkapitals und ein eingeschränkter Anstieg der Lohnkosten. Allerdings lässt die gegenwärtige Konjunktur kaum darauf hoffen, dass sich sowohl in der Bevölkerung als auch bei den Klein- und mittelständischen Unternehmen ausreichend viele qualifizierte Kreditnehmer finden werden, die in der Lage wären, Milliarden von Ru
bel pro Monat zu den gegenwärtig hohen Zinssätzen aufzunehmen. Die Stabilisierung der Inflation und des Rubelkurses stellt des
halb einewichtige Bedingung für den Erfolg des Programms zur Kapitalerhöhung der Banken dar.

Nicht ganz so publikumswirksam, aber nicht minder wichtig war auch die Entscheidung der russischen Zentralbank über die Erleichterung einiger Vergabekriterien während der Krise. Zum einen dürfen die Banken bis zum

1. Juli 2015 die Bewertung ihres Wertpapierportfolios nicht revidieren. Zum anderen wurden die Anforderungen zur Bildung von Anleihereserven herabgesetzt. Diese Änderungen erleichtern ungeachtet ihres zeitlich begrenzten Charakters die Überwindung der wahrscheinlich kritischsten Periode – der Neubewertung der Aktiva für die Zeit nach der Entwertung. Die aktuellen Zahlen zum Zustand des Bankensystems legen nahe, dass dieses Jahr kein leichtes werden wird. Das Volumen der überfälligen Verbindlichkeiten nimmt zu, ebenso wie die Rücklagen der Banken für mögliche Verluste. Unterm Strich musste das Bankensystem Ende Januar einen, wenn auch kleinen, aber immerhin spürbaren Verlust verzeichnen. Umso wichtiger ist es, alle vorgeschlagenen Maßnahmen schnellstmöglich um-
zusetzen.

 

Konstantin Korischenko ist Leiter des Lehrstuhls für Fondsmärkte und Finanzinstrumente an der Russischen Akademie für Volkswirtschaft und Öffentlichen Dienst.

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