Terror in Brüssel: Warum Belgien, warum jetzt?

Dmitry Divin
Mit den Anschlägen am Flughafen und in der Metro der belgischen Hauptstadt wollen Islamisten Zeichen setzen.

Symbol der Übermacht

„Ihr könnt uns weder enthaupten noch besiegen“, lautet die Botschaft. Erst vor kurzem haben belgische Sicherheitskräfte Salah Abdeslam verhaftet, einen der Organisatoren der Pariser Anschläge vom letzten November. In Europa galt der Mann als das Symbol der neuen Terrorwelle. Es schien, als sei der islamistische Untergrund doch wenigstens für die nächste Zeit ausgeschaltet worden. Es schien, als werde es für die Terroristen kein Einfaches sein, sich von einem derart schweren Schlag zu erholen. Ein trügerischer Schein, wie sich nun herausstellt. Die neutralisierte Terrorzelle ist offenkundig nicht die einzige. Folglich: Andere sind aktiv, weitere Anschläge werden folgen.

Einschüchterungsversuch

Die Terroristen wollen Europäern demonstrieren, dass alle von den Regierungen getroffenen Sicherheitsmaßnahmen vergeblich sind: Die Krieger des Dschihads sind stärker und den Sicherheitsbehörden immer mindestens einen Schritt voraus. Nach der Verhaftung Abdeslams im Brüsseler Vorort Molenbeek war klar, dass im Land erhöhte, außergewöhnliche Sicherheitsstandrads gelten. Doch sie blieben wirkungslos. Nichts und niemand kann helfen. „Man kann euch jederzeit töten: am Flughafen, am Bahnhof, im Café, im Theater, bei einem Fußballspiel. Ihr seid in einen Krieg hineingetreten, den ihr nicht gewinnen könnt. Siegen werden wir. Weil ihr den Tod fürchtet und wir nicht“, so die Message der Terroristen an die Europäer.

Kapitulation aussichtslos

Die Erfolge internationaler Kräfte im Kampf gegen den IS in Syrien und dem Irak haben keinen Einfluss auf die Attraktivität des Dschihads und auf die Schlagkraft der in Europa aktiven Gruppierungen. Sie haben genug Kräfte, Mittel, Geld und Entschlossenheit, um ihren Kampf fortzusetzen.

Wie soll, wie kann Europa und überhaupt die zivilisierte Welt einschließlich Russlands damit umgehen? Die einzigmögliche Reaktion – so leben wie bisher: Ins Flugzeug steigen, ins Café gehen, im Fußball-Stadion feiern. Denn die einzige Alternative wäre die bedingungslose Kapitulation vor mittelalterlichen Fanatikern, die weiterhin Forderungen stellen und vor nichts Halt machen würden.

Kapitulieren können wir nicht und werden wir nicht. Wir werden uns allmählich an die neue Welt gewöhnen – eine Welt, in der der Terror längst zur Alltagsrealität geworden ist. Nicht nur in den Konfliktregionen, sondern überall. Selbst in Ländern wie Belgien, die doch scheinbar so ruhig und beschaulich sind, wo per se nichts Schlimmes passieren kann. Solche Orte gibt es auf dem Planeten nicht mehr.

Ein Grund zur Panik ist dies jedoch. Auch nicht, um den Kampf gegen den Feind, der uns allen den Krieg erklärt hat, aufzugeben. Der Feind ist stark, erbarmungs- und prinzipienlos. Doch den Kampf gewinnen wird er nicht. 

Dieser Beitrag erschien zuerst in der Wirtschaftszeitung Kommersant.

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