Putins Eishockey-Nächte: Der Traum vom Talent

Am 6. Januar 2016 nahm der russische Präsident Wladimir Putin am Training der Night Hockey League in Krasnaja Poljana in Sotschi teil.

Am 6. Januar 2016 nahm der russische Präsident Wladimir Putin am Training der Night Hockey League in Krasnaja Poljana in Sotschi teil.

Aleksey Nikolskiy/RIA Novosti
Die Night Hockey League, die Putin einst initiierte, ist noch immer vor allem eines: die Inszenierung seines Könnens. Welch ein Glück, dass der russische Präsident seine Fähigkeiten nicht nur für sich nutzt.

Der russische Präsident Wladimir Putin ist ständig auf der Suche nach neuen Hobbys. Trotz seines anstrengenden Terminkalenders scheint er jeden Moment zu nutzen, um sein Leben noch facettenreicher zu gestalten. Viele von uns können von seinen Freizeitbeschäftigungen gar nicht genug bekommen – sei es Kampfsport, Jagd, Tauchen oder Vogelkunde. Jede Zurschaustellung von Putins neuen Fertigkeiten ist für die Journalisten ein Geschenk des Himmels. Wer sagt schon Nein zu einer kuriosen Schlagzeile mit einem Foto, das vor viralem Potenzial nur so strotzt?

Der Eiskönig

Wjatscheslaw Fetsisow (l.), Wladimir Putin, Pawel Bure (r.) in der Night Hockey League in Sotschi. Source: Aleksey Nikolskiy/RIA NovostiWjatscheslaw Fetsisow (l.), Wladimir Putin, Pawel Bure (r.) in der Night Hockey League in Sotschi. Source: Aleksey Nikolskiy/RIA Novosti

In Russland aber bleibt es nicht beim Klatsch im Internet. Im Februar 2011 versprach Putin, dass er eines Tages lernen würde, Eishockey zu spielen. Natürlich wurde dieses Ziel in nur zehn Monaten erreicht. Oder hat jemand tatsächlich geglaubt, dass der Judo-Meister und Alpinski-Virtuose diese Herausforderung nicht bestehen würde? Dutzende von schlaflosen Nächten wurden geopfert, um dieses Ziel zu erreichen. Im Dezember schließlich konnte der Präsident mit Eishockey-Legenden wie Fetissow, Kasatonow, Kamenski und Bure auflaufen.

Wladimir Putin und Dmitrij Medwedew fahren Ski in Sotschi. Foto: Dmitry Astakhov/TassWladimir Putin und Dmitrij Medwedew fahren Ski in Sotschi. Foto: Dmitry Astakhov/Tass

Das Eis mit ehemaligen NHL-Legenden zu teilen, war wohl zu verführerisch, um es bei einer einmaligen Erfahrung zu belassen. Die Würfel fielen und die Night Hockey League war geboren. Die neue Amateur-Liga, die die stolze Abkürzung NHL erhielt, bringt seither Profi-Veteranen mit sportbegeisterten Personen der Öffentlichkeit und „Forbes“-Milliardären zusammen.

Als die jüngste – die fünfte – Saison Anfang Mai triumphal endete, schwärmten die Beobachter, dass das politische Schwergewicht einmal mehr der Star der Eisarena gewesen sei. Die gegnerischen Verteidiger hatten schlicht nicht immer den Mut, den Präsidenten beim Lauf aufs Tor richtig anzugreifen.

Gut für Ihre Karriere!

Der Torwart Alexei Djumin stieg als Mitglied von Putins Security-Team zum stellvertretenden Verteidigungsminister und amtierenden Gouverneur auf. Foto: Mikhail Klimentyev/TASS Der Torwart Alexei Djumin stieg als Mitglied von Putins Security-Team zum stellvertretenden Verteidigungsminister und amtierenden Gouverneur auf. Foto: Mikhail Klimentyev/TASS

Auch wenn diese Liga umstrittener ist als die echte NHL, so hat sie doch erstaunliche Erfolgsgeschichten ihrer Debütanten hervorgebracht. Der Torwart Alexei Djumin stieg als Mitglied von Putins Security-Team zum stellvertretenden Verteidigungsminister und amtierenden Gouverneur auf. Mit dem Präsidenten Sport zu machen, ist also nicht nur gut für Ihre Gesundheit, sondern auch für Ihre Karriere.

Foto: Kremlin.ruDank der gemeinsamen Fitness-Sitzung mit Putin konnte der wenig populäre Medwedjew einige Karmapunkte gewinnen. Die perfekte PR-Aktion! Foto: Kremlin.ru

Und für die des Ministerpräsidenten: Im August des Jahres 2015 begrüßte Putin an einem sonnigen Morgen seinen langjährigen Kollegen Dmitrij Medwedjew auf eine Tasse Tee in seiner Residenz am Schwarzmeer-Resort in Sotschi. Die darauffolgende Fitness-Sitzung war aus PR-Sicht von großer Bedeutung: Da Medwedjew nicht so populär ist wie Putin, konnte er sicherlich allein durch Putins Charisma einige Karmapunkte gewinnen.

Foto: Alexey Nikolsky/RIA NovostiKarate-Style à la Putin. Foto: Alexey Nikolsky/RIA Novosti

Und wenn es Medwedjew tut, warum sollten wir Normalsterbliche es nicht auch tun? Putins Fitnesskur ist nicht länger ein Mysterium. Im Oktober vergangenen Jahres enthüllte der russische Crossfit-Trainer Alexei Nemzow Putins Fitness-Geheimnisse, nämlich wie er mit über 60 Jahren in Form bleiben kann, ohne Muskeln abzubauen. Er veröffentlichte einen Trainingskurs mit dem passenden Titel: „Wladimir Putin. Mit nur 15 Minuten am Tag spüren Sie die Kraft von einem der einflussreichsten Politiker der Welt“. Ist das nicht großartig?

Alle Rechte vorbehalten. Rossijskaja Gaseta, Moskau, Russland