Nicht verwirklichte Bauprojekte im sowjetischen Moskau

Unter den weitreichenden Programmen des ersten stalinistischen Fünfjahresplans, der 1935 eingeführt wurde, überschattete der Generalplan für die Sanierung Moskaus hinsichtlich seines Umfangs alle anderen. Dem Plan zufolge sollte Moskau quasi über Nacht in die Vorzeigehauptstadt des weltweit ersten sozialistischen Staates verwandelt werden.
1934 erfolgte die Ausschreibung für das Gebäude des Volkskommissariats der Schwerindustrie auf dem Roten Platz. Dieses riesige Bauwerk mit einem Volumen von 110.000 Kubikmetern sollte sich über eine Fläche von vier Hektar erstrecken und hätte zu einer radikalen Umgestaltung des Roten Platzes geführt. Doch es wurde nie gebaut.
Die Ausschreibung für den Sowjetpalast in Moskau war eine der umfangreichsten und repräsentativsten Architekturwettbewerbe des vergangenen Jahrhunderts. Die Idee, als Symbol des übevorstehenden Triumphs des Kommunismus" ein Bauwerk in der Hauptstadt des weltweit ersten Arbeiter- und Bauernstaates zu errichten, kam erstmals in den 1920er Jahren auf.
1931 wurde die Ausschreibung für den Sowjetpalast veröffentlicht. Sie umfasste mehrere Phasen. Der Palast sollte das größte Gebäude der Welt werden. Mit seinen 415 Metern Höhe hätte es die beiden damals höchsten Gebäude in den Schatten gestellt: Den Eiffelturm und das Empire State Building. Doch auch dieses Bauwerk wurde nicht errichtet.
Im Jahr 1931 verabschiedete der Moskauer Stadtrat ein geschlossenes Ausschreibungsverfahren für den Bau eines Hotels mit 1000 Zimmern, welches das luxuriöseste seiner Zeit werden sollte. Von den sechs eingegangenen Angeboten wurde das Projekt des jungen Architektenduos L. Saweljew und O. Stapran ausgewählt. Das Moskwa Hotel, wie man es nannte, wurde 1934 fertig gestellt.
Eine Ausschreibung für den Technologiepalast wurde 1933 veröffentlicht. Man wählte ein Gebiet an den Ufern des Flusses Moskwa als Bauplatz aus. Allerdings wurde der Technologiepalast nie verwirklicht.
Die Gebäude des Architekten L. Rudnew gehören zu den bekanntesten in Moskau. Er leitete 1953 das Designteam des Bauprojekts für das Hochhaus der Moskauer Staatsuniversität auf den Sperlingsbergen (ehemals Leninbergen). Sein Designprojekt für den Arbat-Platz, das nur teilweise realisiert wurde, kennzeichnet architektonisch den Übergang von der schwermütigen Pracht der Bauwerke des Volkskommissariats für Verteidigung aus den 1930er Jahren zum heiteren Prunk der 1940er und frühen 1950er Jahre. // Gebäude des Volkskommissariats.
Das Aeroflot-Gebäude sollte in der Nähe der Station Belorussky entstehen und wurde von dem Architekten D. Tschetschulin als Monument des Heldentums der sowjetischen Luftfahrt entworfen. Das Projekt wurde nicht wie ursprünglich geplant verwirklicht.
Das Dom Knigi (Haus des Buches) ist ein typisches Beispiel des Konzepts der frühen 1930er Jahre eines Bauwerks als "architektonisches Monument". In den 1930er Jahren machte sich der Architekt I. Golosow im Bereich des Konstruktivismus einen Namen. Die Entwürfe, die er für den Sowjetpalast und die Projekte des Volkskommissariats einreichte, waren äußerst originell. Golosows charakteristische Besonderheiten werden als "symbolische Romantik" bezeichnet.
L. Pawlow, der Gestalter des Heldenbogens, wollte sein Monument auf dem Roten Platz errichten. Er wurde jedoch nie gebaut.
V. Oltarschewski tauchte in Architekturtheorie und die Methoden des Hochhausbaus ein. Besondere Aufmerksamkeit schenkte er den vielfältigen Techniken des Designs und der Konstruktion von Wolkenkratzern. Oltarschewskis Projekt wurde allerdings nicht realisiert.
Im Jahr 1947 erließ die sowjetische Regierung eine Verordnung über die Konstruktion von Hochhäusern in Moskau. Bis Anfang der 1950er Jahre waren Wolkenkratzer auf den Leninbergen, am Smolensk-Platz, am Lermontow-Platz, am Komsomolskaja-Platz, am Kutuzowsly-Prospekt, am Kotelnicheskaja-Ufer und am Vosstanija-Platz entstanden. Lediglich der Bau eines 32-stöckigen Verwaltungsgebäudes in Sarjadje, das zu einem der Wahrzeichen der Silhouette der Innenstadt werden sollte, war nicht vollendet.
So hätte Moskau aussehen können, wenn die Projekte von Stalins Architekten umgesetzt worden wären.

 

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