Die Kinder der Geheimstadt

Die Stadt Saretschnyj (auch bekannt unter dem Namen Pensa-19, gelegen im Gebiet Pensa, 660 km von Moskau entfernt) hat eine Bevölkerung von ungefähr sechzigtausend Menschen und ist eine für Außenstehende offiziell geschlossene Stadt. Die Unzugänglichkeit der Stadt verschaffte ihr den Ruf eines mysteriösen Orts. Nichtsdestotrotz hatte unser Fotograf die Möglichkeit, die Stadt zu besuchen und konnte sich davon überzeugen, dass es Leben auf diesem „Planeten“ gibt. Es gelang ihm sogar, einige Fotos zu schießen.

Die Stadt Saretschnyj (auch bekannt unter dem Namen Pensa-19, gelegen im Gebiet Pensa, 660 km von Moskau entfernt) hat eine Bevölkerung von ungefähr sechzigtausend Menschen und ist eine für Außenstehende offiziell geschlossene Stadt. Die Unzugänglichkeit der Stadt verschaffte ihr den Ruf eines mysteriösen Orts. Nichtsdestotrotz hatte unser Fotograf die Möglichkeit, die Stadt zu besuchen und konnte sich davon überzeugen, dass es Leben auf diesem „Planeten“ gibt. Es gelang ihm sogar, einige Fotos zu schießen.

Sergey Poteryaev
Das Unternehmen Start ist nach M. W. Prozenko, dem „Vater“ der geschlossenen Stadt Pensa-19, benannt und ist eines der größten Produktionszentren von Rosatom, das sich auf die Entwicklung hochtechnologischer Erzeugnisse zur Verteidigung des Landes spezialisiert hat.
Man vermutet, dass das Lebensniveau in geschlossenen Städten sehr hoch ist. Aufgrund der eingeschränkten Bewegungsfreiheit der Bürgern zeichnen sich geschlossene Städte auch durch eine recht niedrige Kriminalitätsrate aus. Aufgrund der beschränkten Ressourcen (vor allem an Arbeitskräften) ist es allerdings schwierig, ein qualitativ hochwertiges Kulturleben und ein gutes Bildungssystem zu organisieren, da die Bürger mehr oder weniger ausschließlich für das in der Stadt ansässige Unternehmen arbeiten und leben.
Die Stadt verfügt über mehrere Einrichtungen für außerschulische Aktivitäten der Kinder. Hier verbringen die ihre Freizeit während ihre Eltern auf der Arbeit sind. Eine der Einrichtungen ist die Kinderkunstschule, die etwa 800 Kinder besuchen. Für die meisten dieser Kinder ist es die einzige Möglichkeit, etwas Spaß in der abgeriegelten Stadt zu haben. // Die Lehrer der Schule
Eine geschlossene Stadt ist eine unabhängige Stadt, in der Industrieunternehmen angesiedelt sind. Diese beschäftigen sich mit der Entwicklung, der Vorbereitung, der Lagerung und der Verwendung von Massenvernichtungswaffen, der Verarbeitung radioaktiver und anderer Materialien und beherbergen Militär- und andere Einrichtungen, für die spezielle Sicherheitsprotokolle zur Bewahrung von Staatsgeheimnissen gelten – einschließlich besonderer Lebensbedingungen für die Einwohner. // Alexej, zehn Jahre, lernt seit zwei Jahren das Spielen auf der Bassbalalaika
Während der Sowjetzeit wurden geschlossene Städte konsequent geheim gehalten: Informationen über die Existenz und die Lage dieser Städte waren sowjetischen Bürgern ohne vorherige Sicherheitsüberprüfung verwehrt. Bei der Aufstellung der Bevölkerungsstatistik wurden die Einwohner der geschlossenen Städte anderen Bevölkerungszentren oder Großstädten, wie zum Beispiel den Regionalhauptstädten, „zugeschlagen“. // Nastja und Lisa, beide acht Jahre, lernen seit mehreren Jahren das Klavierspielen
Geschlossene Städte tragen häufig eine Bezeichnung, die einem Stadtbezirk ähnelt: Tscheljabinsk-40, Tomsk-7, Krasnojarsk-26, Salsk-7 und so weiter. Um die Geheimhaltung perfekt werden zu lassen, beginnt die Nummerierung der Hausnummern in geschlossenen Städten bei einer großen Zahl, als ob sie die Straßen der „Hauptstadt“ fortsetzten. Das Gleiche gilt für die Nummerierung von Schulen, die Linien des öffentlichen Personennahverkehrs usw. // Polina, neun Jahre, nimmt seit zwei Jahren am Ballettunterricht teil
Der Zugang zu dem Gelände war nur Personen erlaubt, die in den ansässigen Unternehmen arbeiteten, sowie deren Verwandten, die ihren Wohnsitz (eine so genannte Propiska) in der Stadt hatten, während alle anderen nur mithilfe eines Dienstreiseauftrages oder einer einmaligen Genehmigung die Stadt betreten durften. Alle erwachsenen Bewohner geschlossener Städte hatten eine Geheimhaltungsverpflichtung bezüglich ihres tatsächlichen Wohnsitzes und der Informationen über die Stadt zu unterzeichnen. // Dima, neun Jahre, hat mit sechs Jahren mit dem Klavierspielen begonnen
Wenn die Einwohner eine Urlaubsreise unternehmen wollten oder ein Studium in einer anderen Stadt aufnahmen, sollten sie auf Fragen über ihren Wohnort mit einer entsprechend vorbereiteten Lüge antworten: Wenn eine Person zum Beispiel in Tscheljabinsk-70 lebte (dem heutigen Sneschinsk), sollte sie antworten, dass sie aus Tscheljabinsk stamme. // Vika und Mascha, 12 Jahre alt, nehmen seit sieben Jahren am Ballettunterricht teil
Eine Person konnte dafür belangt werden, wenn sie Informationen über das Leben in einer geschlossenen Stadt, deren Lage und die Art der Produktion bekannt gab. Sie riskierte unter Umständen sogar eine Haftstrafe. // Andrej, elf Jahre alt, lernt seit zwei Jahren das Spielen auf dem Baritonhorn
Zu Sowjetzeiten durften die Einwohner als Entschädigung für die mit dem Leben in den geschlossenen Städten verbundenen Schwierigkeiten frei Waren kaufen, die im offiziellen Handel meist nur unter dem Ladentisch gehandelt wurden. In den meisten dieser Städte erhielt die Bevölkerung eine Gehaltszulage, um die Unannehmlichkeiten zu kompensieren. // Dascha und Jana, zehn Jahre, nehmen seit fünf Jahren am Ballettunterricht teil
Heutzutage ist die Liste der geschlossenen Städte öffentlich zugänglich. Im Jahre 2013 gibt es noch 44 geschlossene Städte, in denen 1.252.200 Menschen wohnen. Das bedeutet, dass im Durchschnitt einer von 115 russischen Bürgern in einer geschlossenen Stadt lebt. Die geschlossenen Städte sind mit Mauern und Stacheldraht umzäunt und werden von Sicherheitskräften bewacht. // Kinder aus der Klavier-Klasse