Die 9 ungewöhnlichsten Häuser von Moskau

Das „Schiffshaus“, Bolschaja Tulskaja 2. Es wurde 1981 von den Architekten des Ministeriums für Atomenergie der UdSSR gebaut und ist eines von wenigen Häusern in Moskau, das einer Atomexplosion standhalten kann. Der Bauleiter dieses Gebäudes baute sein ganzes Leben lang nur Atomreaktoren, was sich auch an diesem Gebäude zeigt. Es ist erdbebensicher und damit das Haus im Fall einer Explosion nicht „zusammenklappt“, sind sämtliche Winkel nicht 90 Grad, sondern 87 oder 93 Grad, und die Fensterscheiben sind einzigartige 0,23 Zoll dick. „Schiff“ heißt es wegen seiner riesigen Ausmaße (400 meter lang und 50 meter hoch) und wegen der umlaufenden Balkone, die an Bordwände erinnern..
Das „Ei-Haus“, Maschkow-Straße 1/11. Moskau war schon immer berühmt für seine Marotten und große Gesten, dabei eben auch in der Architektur. Eines der auffälligsten und skandalösesten Beispiele ist das „Ei-Haus“. Es sollte zuerst in Bethlehem als Entbindungsheim gebaut werden, doch dann wurde es in Moskau gebaut. Von außen erinnert es an eine gigantische Kopie eines Produkts aus der Fabergé-Fabrikation. Es ist das einzige Wohnhaus der Welt mit einer solchen Form.
Die Villa des Arseni Morosow (Gästehaus der russischen Regierung), Wosdwischenka 16. Dieses Haus ließ 1899 der junge Millionär und Dandy Arseni Morosow, Spross einer reichen Kaufmannsfamilie, auf einem Grundstück bauen, das ihm seine Mutter zum 25. Geburtstag geschenkt hatte. Noch während der Bauphase löste das Haus im maurischen Stil - bis dahin in Moskau noch nicht gesehen - eine Menge Spott und Kritik aus, und als es fertig war, sagte einer Legende nach die verstimmte Mutter zu ihrem Sohn: „Früher wusste nur ich, dass du ein Dummkopf bist, aber jetzt wird es ganz Moskau wissen!“
Die Shopping Mall „Nautilus“, Nikolskaja-Straße 25. Anfang 2000 wurde dieses Einkaufszentrum für Moskau die neue „Morosow-Villa“ - buchstäblich alle schimpften darüber und hielten es für eine Geschmacklosigkeit. Die überladene, postmoderne Architektur sticht geradezu aus der Bebauung einer der ältesten Straßen Moskaus heraus, standen doch an dieser Stelle einst das Wladimir-Tor der Stadtmauer von Kitai-Gorod und die Kapelle des Hl. Panteleimon - Bauwerke, die gleichzeitig reich an geschmacklosen architektonischen Details waren. Noch dazu wurde an diesem Ort schon immer lebhafter Handel getrieben - und ein Einkaufszentrum kam hier gerade zur rechten Zeit. Wer weiß, vielleicht wird „Nautilus“, wie heute das Haus von Morosow, zukünftig einmal ein Klassiker der Moskauer Architekur werden.
Der Wohnblock Copper House, Butikowski-Gasse 3. Errichtet auf dem Gebiet der „Goldenen Meile“, der historisch teuersten Wohngegend Moskaus, wurde dieses dreistöckige Wohngebäude mit 20 Wohnungen vom Moskauer Architekturmuseum in die Sammlung der besten Gebäude 2003-2004 aufgenommen. Es ist mit zuvor patinierten Kupferplatten verkleidet und ist eines der teuersten Häuser in Moskau.
Das „Stolnik-Gebäude“, Malyj-Lewschinski-Gasse 5. Das „Stolnik“ steht in den altehrwürdigen Gassen des Arbat, wo Häuser erhalten sind, die sich noch an Puschkin erinnern. Dieses Wohnhaus aus Glas und Metall sprengt förmlich die architektonische Umgebung. Dennoch hat es irgendetwas undefinierbar Klassisches an sich. Und zwar durch den dreiteiligen symmetrischen Grundriss und das Motiv der „korinthischen Säule“.
Das Business Center „Kitesch“, Kiewskaja Straße 3-7. Dieses Business Center trägt wegen seiner Ähnlichkeit zum Meereskreuzer den Beinamen „Titanic“. Die einzigartige Form bedingte die Kompliziertheit der inneren Konstruktion: viele Kommunikationsgänge und Treppen sind abfallend und gekrümmt. Einem solchen Projekt ist nicht jeder Architekt gewachsen: der Architekt des „Kitesch“ Dmitri Busch baut schon viele Jahre in Russland Stadions und Eispaläste.
Das „Melnikow-Haus“, Kriwoarbatski-Gasse 10. Das Einfamilienhaus, das der berühmte sowjetische Architekt der Avantgarde Konstantin Melnikow für seine Familie bauen ließ, ist heute ein Architekturdenkmal von föderaler Bedeutung. Es ist einzigartig durch seine Form mit zwei zylindrischen Türmen und seinen sechseckigen Fensterlaibungen, die ums ganze Gebäude angeordnet sind. Es gibt insgesamt 60 Fenster, aber insgesamt mehr als 130 Öffnungen in den Wänden. Sie sind mit Ziegelstein und Bauschutt verschlossen (beim Bau wurde keine einzige Schubkarre Schutt weggeschafft!), aber sie können jederzeit wieder geöffnet werden, um neue Fenster einzurichten. Melnikow hat diese Fenster so konstruiert, damit in seiner Werkstatt niemals der Schatten seiner Hand auf die Entwürfe fallen konnte. Die Wohnfläche des Hauses ist sehr bescheiden, gerade mal 250 qm. Die Nachkommen Melnikows leben hier noch heute.
Die Abteilung für Hirnforschung am Wissenschaftszentrum für Neurologie, Obucha-Gasse 5-7. Das Gebäude des Evangelischen Armenhospitals wurde 1914 gebaut, zur Zeit des Jugendstils. Zu Sowjetzeiten befand sich hier das Institut für Hirnforschung, das sich insbesondere mit der Erforschung der Gehirne von verstorbenen herausragenden Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens befasste – Lenin, Majakowski, Landau, Sacharow, Mitschurin, Gorki und andere. Von allen Häusern in Moskau ähnelt dieses Gebäude am meisten einem düsteren Schloss aus einem Schauer- oder Vampirroman, vor allem bei schlechtem Wetter.

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