Russischer Norden: Verlassene Klöster, unheimliche Höhlen

Auf unserer Entdeckungstour durch Russlands Norden steuern wir das 200 Kilometer von Archangelsk entfernte Naturreservat Pinega an. Die Bestimmung dieses Naturreservts war es, typische Naturphänomene der nördlichen Taiga in ihrer ursprünglichen Gestalt zu bewahren und zu erforschen.
Märchenlandschaften, saubere Luft, kristallklares Wasser und geheimnisvolle Höhlen. Dieses kleine Paradies (das sich über eine Gesamtfläche von 51.890 Hektar erstreckt) wurde 1974 geschaffen.
Mitte der 1960er Jahre wurde mit Arbeiten an einer umfassenden Studie des Rajons Pinega, in dem sich das Naturreservat befindet, begonnen. Im Gebiet Archengelsk entdeckte man 476 Höhlen, ein Viertel von ihnen innerhalb des Pinega-Naturreservats.
Die Höhlen erstrecken sich über insgesamt 43,5 Kilometer. Jedes Jahr werden neue Höhlen entdeckt, die hinsichtlich ihrer Länge und besonderen Merkmale von wissenschaftlichem Interesse sind.
Die Höhle Golubinski-Prowal am rechten Ufer des Pinega ist 16,5 Kilometer vom Dorf Pinega entfernt. Ihre Gesamtlänge beträgt 1.622 Meter, sie durchzieht ein Gebiet von 5.267 Quadratmetern, hat ein Volumen von 8.255 Kubikmetern und ist 17 Meter breit.
Golubinski-Prowal ist derzeit die bekannteste und meistbesuchte Höhle im Gebiet Archangelsk. Trotz ihrer Nähe zum Fluss und zur Straße wussten selbst viele Einheimische bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts nichts von ihr. Sie wurde auch nicht in der Literatur erwähnt.
Das Mikroklima der Höhlen ist mit seiner niedrigen Lufttemperatur, hohen Luftfeuchtigkeit und langsamen Luftströmung   einzigartig.
Eisformationen und Ablagerungen sind typisch für die Höhle Golubinski-Prowal. Das Eis bildet sich in sehr kalten Teilen des Höhleneingangs. Neue Eiskristalle, Frost und Eis-Sinter entstehen das ganze Jahr über.
Viele Touristen, die anreisen, um die Höhle Golubinski-Prowal zu besichtigen, übernachten im Hotel Krasnaja Gorka. Es ist in den Ruinen des Krasnogorski-Klosters auf der Spitze eines hohen Berges (über 200 Meter oberhalb von Pinega) untergebracht.
Es ist das älteste von drei Klöstern im Rajon Pinega, Gebiet Archangelsk. Ein Mönch mit dem Namen Makari gründete es im Jahr 1605. Vor dem 17. Jahrhundert hieß dieser Ort Tschornaja Gora (schwarzer Berg).
Im Jahr 1629 wurde das Kloster mit einem Heiligenbild beschenkt – eine georgische Ikone der Jungfrau Maria. Der Kaufmann Iwan Lytkin hatte sie aus von Muslimen eroberten Teilen Georgiens nach Russland gebracht.
Die Bolschewiki ließen das Kloster nach der Revolution schließen. Nur Teile von Fresken sind heute noch auf den Wänden des Krasnogorski-Klosters zu sehen.
In der Sowjetära wurden die Klosterräume als Gemeinschaftswohnung genutzt. Später widmete man das Kloster in ein Pionierlager um, bis es schließlich vollkommen leer stand. Die Kirche ist bis heute verlassen, obwohl der Wohnbereich des Klosters touristisch genutzt wird.

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