Winterpromenade in der Romanow-Residenz Zarskoje Selo

Zarskoje Selo (Zarendorf) ist 25 Kilometer von Sankt Petersburg entfernt. Die Ursprünge des Palast- und Parkensembles von Zarskoje Selo sind eng mit der Befreiung der Ländereien Nowgorods vom Königreich Schweden und der Gründung Sankt Petersburgs verbunden. Der Bau der Zarenresidenz auf dem Gut erstreckte sich über eine ganze Dekade (1710 bis 1720er Jahre).
Im 18. und 19. Jahrhundert war Zarskoje Selo die offizielle Sommerresidenz der Zarenfamilie. Der Palast von Zarskoje Selo und die Parkanlage galten vom 18. bis zum frühen 20. Jahrhundert als Denkmal der Weltarchitektur und Landschaftskunst.
Über hundert Denkmäler sind auf einem 300 Hektar großen Areal konzentriert: Paläste und Pavillons, Brücken und marmorne Monumente, exotische Bauwerke in gotischem, türkischem und chinesischem Stil.
„Die Wälder, in denen ich liebte, meine Gefühle sich entfalteten, sich die ersten zarten Triebe der Jugend ankündigten und ich satt von Natur und Träumen die Poesie, Freude und Stille entdeckte …", schrieb Alexander Puschkin, der seine Jugend im Kaiserlichen Lyzeum Zarskoje Selo verbrachte.
Nach der Oktoberrevolution von 1917 wurde das Ensemble in ein Museum verwandelt. Die neuen Behörden widmeten die herrschaftlichen Gebäude um in Erziehungs- und Gesundheitseinrichtungen für Kinder. 1918 erhielt die Anlage den Namen Detskoje Selo (Kinderdorf).
Im Januar 1983 wurden die Paläste und Parks zum Landschaftsschutzgebiet ernannt. Heute zählt das Areal zu den beliebtesten Ausflugszielen ausländischer Touristen und der Bewohner von Sankt Petersburg.
Zwei Hauptpaläste prägen das Gelände: Der neoklassische Alexanderpalast und der Katharinenpalast im Rokokostil. Der große Saal des Katharinenpalastes ist über 800 Quadratmeter groß. Er diente ursprünglich offiziellen Empfängen und Feierlichkeiten, Banketts, Bällen und Maskeraden.
Vom Porträtsaal gelangt man in das Bernsteinzimmer, dem Juwel des Katharinenpalastes. Wegen seiner überwältigenden Schönheit wurde es zu Recht als achtes Weltwunder bezeichnet. Die deutsche Wehrmacht plünderte diesen einzigartigen Raum  während des Zweiten Weltkriegs. Seine Originalwände sind seitdem nicht wieder aufgetaucht.
Es ist kaum vorzustellen, welche Wirkung das Bernsteinzimmer in seiner ursprünglichen Gestalt gehabt haben mochte, wenn seine Schönheit selbst heute, wo man es rekonstruiert hat, große Bewunderung hervorruft. Die gesamte Anlage wurde während des Großen Vaterländischen Kriegs schwer zerstört.
Die Petersburger reagieren übrigens beleidigt, wenn der Standort von Zarskoje Selo mit Leningrader Gebiet beschrieben wird. Offiziell nämlich ist das Zarendorf Eigentum der Stadt. Reisenden jedoch erscheint es weit entfernt von Petersburg, vor allem wenn sie die Strecke mit der Vorortbahn zurücklegen.
Zarskoje Selo sollte man früh morgens aufsuchen, wenn es geht, noch vor Tagesanbruch. Um diese Zeit gelangt man problemlos durch die unbeaufsichtigten Tore. Der Vorteil ist nicht, ein paar Hundert Rubel zu sparen. Man kommt vielmehr in den unvergleichlichen Genuss der Parkanlage in Stille und Einsamkeit. Die ersten Busladungen von Touristen erreichen das Gelände zwischen 9.00 und 10.00. Ab dann quillt der Park buchstäblich über vor lärmenden Besuchern.
Die letzten Winter waren in Russlands gemäßigten Klimazonen verhältnismäßig schneearm. Wenn Schnee fällt, sollte man sich von seiner Trägheit oder morgendlichen Schläfrigkeit nicht abhalten lassen, eine Thermoskanne mit heißem Tee einzupacken und auf Skiern den Park mit seiner wunderschönen Architektur zu erkunden.