Pompöse Armut: Russland im Objektiv eines deutschen Fotografen

„In den Schulbüchern meines älteren Bruders gab es immer große Traktoren auf den Kolchosen und stolze Pioniere vor Mahnmälern zu sehen.“ Doch das habe sein Interesse damals noch nicht geweckt, meint er.

„In den Schulbüchern meines älteren Bruders gab es immer große Traktoren auf den Kolchosen und stolze Pioniere vor Mahnmälern zu sehen.“ Doch das habe sein Interesse damals noch nicht geweckt, meint er.

Frank Herfort
Vier Jahre lang reiste der deutsche Fotograf Frank Herfort durch Russland und die ehemaligen Sowjetrepubliken und fotografierte Gebäude, die nach dem Zusammenbruch der UdSSR gebaut wurden.
Die meisten seinen Werke widmet Herfort der postsowjetischen Architektur, die nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion entstanden ist.
Herfort entschied sich erst im Erwachsenenalter für die Fotografie. 2013 veröffentlichte er seine Werke in dem Bildband „Imperial Pomp – Post Soviet Highrise“.
„In meiner Kindheit hat meine Mutter mir öfter von ihren deutsch-sowjetischen Freundschaftsreisen zum Baikalsee und nach Moskau erzählt“, sagt er im Gespräch mit RBTH.
„Minimalismus und Reduktion sind in Russland eher selten anzutreffen, vor 200 Jahren nicht und auch nicht heute. Alles, was schön und teuer ist, muss halt glänzen, vergoldet sein und irgendwie nach etwas aussehen.“
Nur Moskau sei anders. „Dort sind die Menschen schon aggressiver, schneller und abgeklärter. Die Leute aus den Regionen mögen ja auch keine Moskauer. Ich mag beide.“
Frank Herfort wurde in Leipzig in der ehemaligen DDR geboren.
„Diese Architektur nach dem Zerfall der Sowjetunion orientierte sich an vergangenen Epochen, griff die Stille wieder auf und vermischte alles noch mal. Die Phase dieser Architektur ist aber schon wieder vorbei. Alle neuen Projekte in Russland sehen ganz anders aus, nicht unbedingt besser, sondern wie überall auf der Welt. Was ja auch irgendwie langweilig ist.“
Während seiner Reise besuchte Herfort mehrere Städte. „Moskau war für mich sehr inspirierend, doch am schönsten ist schon Sankt Petersburg. Doch dort fehlt ein Hauch Energie und Drive. Die anderen Städte sind für mich irgendwie alle gleich, auch wenn das die Jekaterinburger sicherlich nicht gerne hören.“
„Unterschiede zwischen den Regionen gibt es gar nicht so viele. Russen sind meistens nett, haben immer Zeit, sind aufgeschlossen, interessiert und sehr gastfreundlich“, berichtet er.