Bykowo bei Moskau: Sehr vornehm und very british

Inzwischen steht die Villa leer. Das Sanatorium ist in die umliegenden Gebäude gezogen. Seit vielen Jahren stehen die Gelder für die Restauration aus.

Inzwischen steht die Villa leer. Das Sanatorium ist in die umliegenden Gebäude gezogen. Seit vielen Jahren stehen die Gelder für die Restauration aus.

Vadim Razumov
Foto-Strecke durch die barocke Villa ganz nach britischer Art.
Das Bykowo-Anwesen – rund eine halbe Autostunde von Moskau entfernt – ist solch ein Schmuckstück.
Inzwischen ist ein Sanatorium auf dem Landgut untergebracht – der Park aber steht allen offen.
Das ganze Interieur ist von britischem Stil geprägt: Wendetreppen führen aus dem Saal in die oberen Stockwerke, die Wände und die Decke tragen barocke Züge.
Im Saal, wo sich bei Empfängen die Gäste versammelten, sorgten zwei Kamine für behagliche Wärme.
Nach dem Zweiten Weltkrieg beherbergte die Villa lange Zeit ein Waisenhaus. Die prächtigen Teppiche, die großzügige Einrichtung, die traumhaften Gemälde – alles verschwand nach und nach. So auch die Rosen-Allee und die Orangerie.
Später wurde das Anwesen zu einem Sanatorium für Tuberkulosekranke: Bald darauf musste der östliche Teil des Gartens Dienstgebäuden und Garagen weichen.
Die ursprüngliche Villa blieb nicht erhalten.
Das Hauptgebäude des Anwesens gleicht einem britischen Schloss. Das hölzerne Wand- und Deckendekor sind ganz besonders einen Blick wert.
Auch auf dem Landgut: Die Kirche der Gottesmutterikone von Wladimir. Der Kirchenbau ist ein für Russland seltener Mix aus pseudo- und neugotischem Stil. Die Treppe sieht aus, als ob sie zu einer Villa, nicht zu einem Gotteshaus hinaufführt.
Gegründet wurde die hiesige Siedlung im 14. Jahrhundert. Zar Peter I verschenkte das Landgut an die Woronzow-Familie. Nach einem Staatsstreich schenkte Katharina II das Anwesen einem ihrer Förderer – dem Fürsten Ismailow.
Wie kleine Inseln europäischer Kultur sind alte ehrwürdige Anwesen weit über Russland verstreut. Reisende finden darunter häufig wahre architektonische Perlen.