Baikalsee in seiner Reinheit erleben? Vielleicht ist das die letzte Chance!

„Baigal nuur“ – der „Natursee“. So nennen die Mongolen den Baikal. Der weltgrößte Süßwassersee ist im Süden Sibiriens gelegen – von Irkutsk oder Ulan-Ude aus bequem zu erreichen.

„Baigal nuur“ – der „Natursee“. So nennen die Mongolen den Baikal. Der weltgrößte Süßwassersee ist im Süden Sibiriens gelegen – von Irkutsk oder Ulan-Ude aus bequem zu erreichen.

Ekaterina Turysheva
Industrie und Massentourismus bedrohen das Ökosystem des Süßwassersees.
Der See und seine Umgebung beheimaten Tierarten, die sonst nirgends auf der Welt vorkommen. Seit 1996 gehört das Ökosystem des Baikals zum UNESCO-Weltkulturerbe.
Der Ölproduzent „Tatneft“ plante den Bau einer Pipeline in Küstennähe. Auf Anweisung der Regierung in 2006 ist die Ölleitung jedoch um 40 Kilometer von der Küste weg verschoben worden.
Die schöne, einzigartige Landschaft des Baikalsees lockt natürlich auch Touristen. Der Baikal-Eismarathon ist das Ereignis des Jahres: Jeden Frühling laufen die Teilnehmer des Sportevents die standardmäßigen 42 Kilometer 195 Meter auf dem gefrorenen Wasser des Sees.
Der See enthält rund 20 Prozent aller ungefrorenen Süßwasserreserven, die auf der Oberfläche unseres Planeten zu finden sind. Er gilt als eines der reinsten Wasserreservoire der Welt. Und das weckt Begehrlichkeiten: Immer wieder wird der Export des Baikal-Wassers diskutiert.
Heute bedroht das intensive Algenwachstum – verursacht durch Flüssigabfälle aus der Industrie und den Hotelressorts – das fragile Ökosystem.
Doch auch die Industrie nutzt den Baikal, wodurch die empfindliche Öko-Balance des Süßwassersees gestört wird. Trotz der Proteste Einheimischer leitete die hiesige Zellulose- und Papierfabrik ihre Abfälle ungefiltert fast 50 Jahre lang in den See – von 1966 bis 2013.
Wie aus einem mit Hilfe des UN-Entwicklungsprogramms veröffentlichten Bericht hervorgeht, arbeiten rund 40 Nicht-Regierungsorganisationen in der Region daran, das Bewusstsein für die Probleme des Baikals wachzuhalten und das Naturerbe zu bewahren. Schließlich gehört es nicht nur Russland, sondern der ganzen Welt.
Dafür hat Russlands Regierung noch im selben Jahr den Bau einer Fabrik zur Urananreicherung in der Region angekündigt – 95 Kilometer vom See entfernt. Das Vorhaben hat wiedermal die Umweltaktivisten auf den Plan gerufen.