Kanonendonner vor Moskau: Noch einmal schlagen Russen Napoleon

September 2016: Mitglieder von Geschichtsvereinen schlüpfen in die Uniformen russischer und französischer Soldaten des 19. Jahrhunderts, um das damalige Geschehen detailgetreu nachzustellen.

September 2016: Mitglieder von Geschichtsvereinen schlüpfen in die Uniformen russischer und französischer Soldaten des 19. Jahrhunderts, um das damalige Geschehen detailgetreu nachzustellen.

Andrey Stekachev
Die Schlacht bei Borodino vor den Toren Moskaus hat für die Russen bis heute eine sakrale Bedeutung. Jüngst haben Amateure die Schlacht nachgestellt. Anfang September haben sie ihre Kleidung gegen Uniformen, Autos gegen Pferde, die Wohnzimmer-Couch gegen das Feldbett und das 21. Jahrhundert gegen das Jahr 1812 eingetauscht.
Am 7. September 1812 schlugen bei Borodino die Trommeln zum Angriff: Die Russen verteidigten ihre Heimat gegen Napoleons Grande Armée. Später verewigte der russische Schriftsteller Leo Tolstoi die Schlacht vor den Toren Moskaus in seinem Epos „Krieg und Frieden“.
Rund zwölf Stunden dauerte die Bataille damals: 45.000 russische und 30.000 französische Soldaten fielen.
Napoleon bezeichnete die Schlacht als Kampf der Giganten: „Die Franzosen haben gezeigt, eines Sieges würdig zu sein. Die Russen haben es verdient, unbesiegt zu bleiben“, so das berühmte Zitat des französischen Feldherrn.
Drei Tage lang klirren die Schwerter und donnern die Kanonen, hunderte von Pferden rennen übers Schlachtfeld – pures Vergnügen für die Zuschauer.  Die Kavallerie, die Infanterie und die Artillerie sehen genauso aus, wie sie in den Chroniken über die berühmte Schlacht gegen die französischen Invasoren beschrieben sind.
Die Schlacht bei Borodino war eine der blutigsten des 19. Jahrhunderts.
Die französischen Geschichtsschreiber bezeichnen die Schlacht bei Borodino als die Schlacht an der Moskwa, obwohl der Fluss an dieser Stelle sehr eng und flach ist – eigentlich ein Bach, der sich zwischen Weiden windet.
Am Anfang des Krieges vermieden die russischen Kampfverbände – den Napoleon-Truppen zahlenmäßig unterlegen – große Schlachten und zogen sich ins Landesinnere zurück. Sie vereinten sich bei Smolensk, wo der Feldmarschall Kutusow das Oberkommando übernahm.
Die Historiker diskutieren bis heute die Bedeutung der Schlacht bei Borodino. Einerseits ordnete der Oberfeldherr der Russen, Michail Kutusow, nach der Schlacht den Rückzug an und machte den Invasoren den Weg nach Moskau frei. Andererseits war die Schlacht ein Wendepunkt im Kriegsgeschehen, weil die Unbesiegbarkeit der Grande Armée zum ersten Mal in Frage gestellt wurde.
Die Russen sahen die Schlacht als ihren Sieg an, obwohl sie den Rückzug antreten mussten.