Frauen in Tadschikistan: Zwischen Bangen und Hoffen im Land ohne Männer

Leben als Frau / Adila ist verheiratet und hat zwei Söhne, die sie seit zwei Jahren nicht mehr gesehen hat. Sie arbeiten in der sibirischen Großstadt Omsk. Zurückkehren können sie nicht, weil ihr Arbeitgeber ihnen die Pässe abgenommen hat und sie nicht mehr zurücklässt.

Leben als Frau / Adila ist verheiratet und hat zwei Söhne, die sie seit zwei Jahren nicht mehr gesehen hat. Sie arbeiten in der sibirischen Großstadt Omsk. Zurückkehren können sie nicht, weil ihr Arbeitgeber ihnen die Pässe abgenommen hat und sie nicht mehr zurücklässt.

Katerina Savina
Diese Serie zeigt, wie Frauen in Tadschikistan leben, einer der ärmsten Republiken Zentralasiens. Bis zu zwei Millionen Tadschiken arbeiten in Russland, um ihre Familien zu ernähren – in ihrer Heimat herrscht Massenarbeitslosigkeit. Die meisten der rund zwei Millionen Menschen sind junge Männer. Sie verrichten in Russland harte und gefährliche Arbeiten, die die Russen nicht annehmen wollen. Deshalb verwandelte sich das zentralasiatische Land in den letzten Jahrzehnten in eine Frauenrepublik. Die Frauen kümmern sich um alles: Haus, Garten, Kinder, Alte, Probleme. Einsamkeit und Verzweiflung gepaart mit Hoffnung und Lebenswille – das ist wohl das, was ihr Leben ohne Männer ausmacht.
Warten / Farischta hat ihren Mann seit einem Jahr nicht mehr gesehen. Er verließ die Familie drei Wochen nach der Hochzeit, um in Russland zu arbeiten.
Stark sein / Ankurats Dorf ist acht Kilometer von der nächsten Straße entfernt. Ihren ganzen Hausstand muss sie selbst besorgen.
Hoffen / Gulnamo und ihr Ehemann sparen Geld für ein neues Haus. Ihr Mann arbeitet in Russland acht Monate im Jahr – in der Zeit muss Gulnamo Haus und Hof alleine schultern. Das junge Ehepaar hofft, in zwei Jahren, mit dem Bau zu beginnen.
Gehorchen / Sunam versteckt ihr Gesicht: Sie hat Angst, ihr Ehemann in Russland könnte rausfinden, dass sie vor einem Fremden posiert.
Aushalten / Die Eltern von Aschonas Ehemann behandeln sie schlecht. Sie muss die ganze Arbeit im Haus erledigen – dabei macht sie gerade eine Ausbildung zur Krankenschwester. Sie träumt davon, ihrem Mann nach Russland zu folgen.
Warm halten / Das Dorf Kara-Art, in dem Baiso lebt, ist im Pamir Gebirge gelegen- Die Temperaturen fallen dort schon mal auf minus 50 Grad.
Jung bleiben / Die 68-jährige Schukrona kümmert sich um ihre vier Enkelkinder. Deren Eltern gingen zum Arbeiten nach Russland als das jüngste der Kinder gerade mal sieben Monate alt war.
An Liebe glauben / Nur eine der vier Töchter von Sawera hat geheiratet: Alle jungen Männer sind zum Arbeiten nach Russland gezogen.
Die Pflicht erfüllen / Bachor kehrte nach sechs Jahren aus Russland nach Hause zurück, um sich um ihre pflegebedürftigen Eltern zu kümmern.
Träumen / Schachnosa lernt in einer Schule, in der es keinen Fremdsprachenunterricht gibt. Sie lernt Russisch, Englisch und Farsi auf eigene Faust, aus den Büchern. Ihr Traum ist es, Journalistin zu werden.
Leben, was auch passiert / Die kleine Dulchus wird von ihren Großeltern großgezogen. Ihre Eltern hat sie noch nie gesehen.