Überlebenskunst: 10 Bilder aus der Leningrader Blockade

Fast 900 Tage lang belagerten deutsche Truppen Leningrad. Jelena Marttila, Jahrgang 1923, war 18, als die Blockade begann. Sie hat den allgegenwärtigen Tod und das Leid im damaligen Leningrad in ihren Bildern eingefangen. // Tanja allein

Fast 900 Tage lang belagerten deutsche Truppen Leningrad. Jelena Marttila, Jahrgang 1923, war 18, als die Blockade begann. Sie hat den allgegenwärtigen Tod und das Leid im damaligen Leningrad in ihren Bildern eingefangen. // Tanja allein

Elena Marttila
Werke von Jelena Marttila, einer der letzten Augenzeuginnen der Blockade.
Die Stadt war von Nazi-Truppen umgeben: Kontakte zur Außenwelt unmöglich, Versorgung unterbrochen – die Menschen in Leningrad sollten zu Tode gehungert werden. Die Bilder von Jelena Marttila erzählen darüber, was sie gesehen und erlebt hat. // Leben in Blockade
Sie hat ein Portrait von Olga Bergholz gemalt, einer Dichterin der Blockade-Zeit, die gemeinsam mit Anna Achmatowa Gedichte im Rundfunk vorlas. Diese Lesungen waren über Lautsprecher in der ganzen Stadt zu hören. Kunst und Dichtung schweißten die Menschen zusammen, inspirierten sie, nicht aufzugeben, weiterzumachen. // Leningrad ruft: Olga Bergholz
Eine weitere Portraitarbeit von Mattila: Der russische Komponist Dmitrij Schostakowitsch, skizziert während der Vorführung seiner Leningrader Symphonie 1944 // Schostakowitsch
Während der Blockade arbeitete Mattila als Sanitäterin in einem Kinderkrankenhaus und half dabei, Kinder zu evakuieren. Sie notierte alles, was sie sah, auf jedem Stück Papier, das sie in die Hände kriegte. Diese Skizzen sind bis heute lebendige Augenzeugen einer düsteren Zeit. Im Winter 1942 wurde Mattila gemeinsam mit ihrer Mutter über das Eis des Ladoga-Sees evakuiert. // Auf dem Ladoga
Der Winter von 1942 war ungewöhnlich kalt. Allein im Januar und Februar starben in Leningrad 200.000 Menschen an Kälte und Hunger. // Kristallwiege
„Jelenas Sicht der Leningrader Blockade wich sehr stark von der offiziellen, heroisierenden Propaganda ab. Nach dem Krieg wurde die Künstlerin aufgefordert, ihre Arbeiten zu vernichten“, sagt Xenia Afonina, Ausstellungskuratorin und Historikerin. // An der Leningrader Kunstschule
„Doch sie war entschlossen, ihre Bilder als Zeitzeugen für die künftigen Generationen zu erhalten. Also verwandelte sie ihre Skizzen in vollwertige Bilder. Ihre Arbeiten ermöglichen uns heute, das damalige Leningrad durch die Augen jener zu sehen, die die Blockade durchleben mussten“, erklärt die Kuratorin.
Jelena Marttila hat gemeinsam mit ihrer Co-Autorin Swetlana Magajewa ein Buch über die Menschen veröffentlicht, die unter den schrecklichen Bedingungen von damals überlebten: „Die Märtyrer der Leningrader Blockade“, heißt das Werk. // Leningrader Madonna (1942)
In diesem Jahr wird Jelena Marttila 94. Sie ist eine der letzten noch lebenden Augenzeuginnen der Blockade. „Solange meine Hand noch einen Bleistift halten kann, werde ich die Geschichte meiner Leningrader Leidensgenossen weitererzählen, die ich in mein Herz geschlossen habe“, sagt die Künstlerin. // Jelena Marttila (1942)