Cinematrjoschka: Das Projekt „Kinozug“, Fragen und Antworten

Das russische Kino ist wie eine Matrjoschka: Gemäß der rekursiven Methode, die in der Kunstkritik als „Mise en abyme“ bezeichnet wird, spielt es mit den verschiedenen Bedeutungen. Dieser Video-Blog soll Ihnen helfen, einen Einblick in das zeitgenössische (und wie in diesem Fall nicht zeitgenössische, sondern zeitlose) russische Kino zu bekommen.

Heute werden wir weder über russische Filmregisseure noch über die russische Filmindustrie sprechen. In dieser Ausgabe steht Russland selbst im Mittelpunkt. Während des vergangenen Monats reiste eine Gruppe von Ausländern in einem so genannten Kinozug durch Russland. Letzte Woche wurden wir zu einer Präsentation dieses Projekts eingeladen.

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Unter der Leitung von Tatjana Petrik und Guillaume Protsenko vom „Mirumir Studio“ sowie des Dokumentarfilmzentrums DOC (in Zusammenarbeit mit der Nachrichtenagentur RIA Novosti) haben die Teilnehmer aus verschiedenen Ländern sieben Kurzfilme produziert – und zwar:

„Russian women“ – Regisseurin: Sandhja Sundaram (Indien), Kamera: Alexej Filippow (Russland), Tonproduzent: Marchin Knizyak (Polen)

„Russian vodka“ – Regisseur: Benny Jaberg (Schweiz), Kamera: Jona Petterson (Finnland), Tonproduzent: Xavier Tielen (Frankreich)

„Russian banya“ – Regisseur: Fjodor Druzin (Russland/USA), Kamera: Lucas Giberti (Italien), Tonproduzent: Tamash Jesensky (Rumänien)

„Russian winter“ – Regisseurin: Christina Pikki (Italien), Kamera: Saulus Lukoshevichus (Litauen), Tonproduzent: Henry D’Armancourt (Frankreich)

„Bears“ – Regisseur: Tristan Dowse (Großbritannien), Kamera: Stephan Bucas (Deutschland), Tonproduzent: Wladimir Rizun (Ukraine)

„Lada’s mystery“ – Regisseur: Dieter Deswarte (Belgien), Kamera: Annegrethe Zachse (Deutschland), Tonproduzentin: Julia Glukhowa (Russland)

„Russian soul“ – Regisseur: Robin Dimet (Frankreich), Kamera: John Crane (Großbritannien), Tonproduzentin: Bernadette Tousa–Ritter (Ungarn)

Auf die Frage, ob das Ziel des Projekts darin bestand, Stereotype zu zerstören oder zu bestätigen, antworteten die Produzenten, dass sie kein besonderes Ziel gehabt hätten; sie wollten diese Stereotype einfach aus einem anderen Blickwinkel beleuchten. Diese Aussage klingt ein wenig trivial, und vielleicht ist das der Grund, warum die Produzenten kein eindeutiges Feedback bekommen haben. So hat der russische, unabhängige Filmemacher Alexander Rastorguew beispielsweise für etwas Unmut gesorgt, indem er den Teilnehmern Unprofessionalität vorwarf. Doch im Allgemeinen war das Publikum angetan, und die Diskussionen waren lebhaft. Ein Zuschauer mit sibirischen Wurzeln sagte: „Mithilfe Ihres Projekts habe ich meine Heimat besucht und hatte die Gelegenheit (wenn auch nur virtuell) meine Mutter und meine Großmutter zu grüßen und die Orte meiner Heimat zu sehen. Danke!“

„Wir haben den Teilnehmern einige Stereotype angeboten und vorgeschlagen, sie sollten die drei auswählen, die ihnen am nächsten seien. Im Großen und Ganzen wollten alle Frauen filmen. Auf jeden Fall wird ein europäischer Mann eine Frau mit denselben Augen betrachten wie jeder andere Mann auch. Doch eine europäische Frau wird eine Russin wahrscheinlich mit einem leicht feministischen Aspekt ansehen. Wir hatten eine Teilnehmerin aus Indien; wir beschlossen, dass sie ihre eigene Perspektive haben sollte, und gaben ihr dieses Thema.“, erzählte Tatjana Petrik (Produzentin).

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