Leninskije Gorki, die Geburtsstätte der Sowjetunion

Das Anwesen Gorki Leninskije ist bald 200 Jahre alt und hat in seinem Leben viele Besitzer gehabt. Es ist nach Wladimir Lenin benannt, der hier zwei Jahre lang lebte.

 

Fast 100 Jahre lang war die Geschichte dieses Landguts in der Nähe von Moskau mit dem Namen Wladimir Lenin verknüpft. Er verbrachte die letzten zweieinhalb Jahre seines Lebens in Gorki, nur noch eingeschränkt arbeitsfähig bis zu seinem Tod im Jahr 1924. Damals war er 54 Jahre alt. Hier arbeitete Lenin an seinen Plänen zur Erschaffung der Sowjetunion. Und ebenfalls hier wurde vier Jahre vor dem Kollapse seines Projekts im Jahr 1987 das letzte Leningedenkmuseum der UdSSR gebaut.

Das Herrenhaus wurde Mitte des 19. Jahrhunderts gebaut. Sein erster Bewohner war General Pisarew, der gegen Napoleon gekämpft hatte, später bezogen es verschiedene Kaufleute. Während der Revolution von 1917 entging der Herrensitz dem Schicksal von Plünderung und Zerstörung. Die letzte Eigentümerin Sinaida Morosova-Reinboth, Witwe des berühmten russischen Industriellen und Unternehmers Sawwa Morosow, konnte die Arbeiter überzeugen, diesen Ort vor Plünderern zu bewahren. Seine Enteignung jedoch ließ sich nicht abwenden, bald nach der Revolution wählte Lenin es zu seinem Landsitz. Dieser Tatsache ist zu verdanken, dass Gorki in der Sowjetära nicht in Vergessenheit geriet, und seine Kunstsammlung nicht geplündert wurde.

Im August 1918 wurde Lenin Opfer eines Attentats. Trotz zweier Schusswunden, überlebte er wie durch ein Wunder. Seine Ärzte rieten ihm zu einer ruhigeren Lebensweise und mehr Zeit an der

frischen Luft, so wählte er Gorki für seine Genesung. In dieser Zeit war das Anwesen in einem makellosen Zustand. Es war eines der wenigen Herrensitze außerhalb Moskaus und mit modernster Technik ausgestattet: mit elektrischem Licht, Zentralheizung und sogar Telefon.

Lenin liebte diese Gegend und das Haus selbst, vor allem seine Lage auf einem Hügel. Vor seinen Fenstern erstreckte sich der großzügige umliegende Park, von hier hatte man einen freien Blick in den Horizont.

Nach der Eröffnung in Jahr 1947 verwandelte sich das Museum in Gorki zu einer ideologischen Pilgerstätte. Die Touristen kamen busseweise aus dem ganzen Land. Rund 800.000 Besucher im Jahr unternahmen diese Reise, um durch den Park zu schlendern, durch den einst der sterbenskranke Führer des Weltproletariats Wladimir Lenin spazierte.

Heute sind die Besucher hier weniger von dem Wunsch angezogen, des sowjetischen Führers zu gedenken, als von der ruhigen Umgebung, weit weg von der Hektik der Großstadt, und der Möglichkeit, in die Atmosphäre des Lebens in einem alten Herrenhaus einzutauchen.

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