Mit Schneeschippe zum Instagram-Star

Ein russischer Hausmeister vollbringt wahre Wunder auf frischem Schnee.

Um sechs Uhr morgens beginnt der Arbeitstag dieses auf den ersten Blick ganz gewöhnlichen Hausmeisters. Solange die Schüler noch schlaffen oder sich gerade auf den Schulweg machen, räumt Semjon Bucharin (54) den Schulhof vom Schnee frei. Sobald aber der Gong die erste Unterrichtsstunde eingeläutet hat, nimmt er seinen Besen und zeichnet im frischen Schnee das Portrait des russischen Dichters und Schriftstellers Alexander Puschkin. Zwei Stunden lang schmückt das Bildnis den Schulhof, bis es unter den Fußspuren der Schüler verschwindet.

Ein Naturtalent...

Zwar war Semjon nicht immer ein Hausmeister, wohl aber immer ein Lebenskünstler: Mit 17 nahm er ein Studium an der Kunsthochschule der russischen Stadt Tschajkowskij auf, schmiss aber hin: Die Familie war groß, er musste seine Eltern unterstützen. Einige Jahre später brach Bucharin in Russlands fernen Osten auf. Dort schlug er sich erst als Fischer auf Kamtschatka, später als Angestellter beim Katastrophenschutzministerium der Halbinsel durch.

 

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Vor fünf Jahren fing er als Hausmeister in einem Lyzeum der Stadt Ischewsk – 1215 Kilometer östlich von Moskau – an. Kleinere Reparaturen und eben der Hofdienst gehören seitdem zu seinen Aufgaben. Am Schulleben beteiligt er sich auch: An Festen und Feiertagen schmückt er gemeinsam mit Lehrern und Schülern das Schulgebäude.

…wird zum Instagram-Star

Von dem Talent des Hausmeisters erfuhr das Schulkollegium erst vor wenigen Jahren – als er mit seinem Besen vor den Schulfenstern wilde Tiere im frischen Schnee zeichnete. Die Schüler waren von seinen Werken auf Anhieb begeistert und eröffneten ein Instagramm-Account, wo sie die handgezeichneten Hofbilder des Hausmeisters präsentierten. Die Zahl der Follower wuchs beständig – irgendwann ist auch die regionale Presse auf Semjon aufmerksam geworden ist.

 

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Russische Schriftsteller, Komponisten und Märchenhelden stehen dem Hofkünstler Modell. Seiner Leidenschaft frönt er aber nur bei frischem Schnee – auf festgetretener Schneedecke zeichne es sich nicht gut. Abends seien die Bilder am schönsten, wenn die Halbschatten zu sehen seien. Schade nur, dass um diese Uhrzeit niemand in der Schule ist, der die Meisterwerke bewundern könne, sagt Semjon.

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