Suizid eines Oppositionellen: Anwälte erheben Klage in Straßburg

Der russische Oppositionsaktivist Alexander Dolmatow hat am 17. Januar in den Niederlanden Selbstmord begangen. Am Vortag hatten die niederländischen Behörden seinen Asylantrag abgelehnt. Foto: vk.com

Der russische Oppositionsaktivist Alexander Dolmatow hat am 17. Januar in den Niederlanden Selbstmord begangen. Am Vortag hatten die niederländischen Behörden seinen Asylantrag abgelehnt. Foto: vk.com

Nach dem Freitod des russischen Oppositionsaktivisten Alexander Dolmatow in niederländischer Abschiebehaft wollen dessen Anwälte mit einer Klage vor den Europäischen Menschenrechtsgerichtshof ziehen

Dolmatows Anwälte gehen nach Straßburg, um das Gericht klären zu lassen, ob Moskau und Den Haag am Tod ihres Mandanten schuld sind. Nach ihrer Auffassung haben die russischen Behörden Dolmatow unter Druck gesetzt, während in Europa nicht ausreichend für seine Sicherheit gesorgt wurde.

In den russischen Medien wurde am 29. Januar Dolmatows angeblicher Abschiedsbrief veröffentlicht. Zuvor waren bereits seine Notizen an die

Öffentlichkeit gelangt, in denen er sich verabschiedete, „um nicht als Verräter zu gelten". Der Oppositionsaktivist soll angeblich ein Drogenproblem gehabt haben. Dolmatows Verwandte und Bekannte sind allerdings überzeugt, dass Drogen nicht der Grund für seinen Selbstmord gewesen sind, schließen aber nicht aus, dass die ihm in der Abschiebehaft in Rotterdam verabreichten Betäubungsmittel einen negativen Effekt gehabt haben. Alexander Awerin von der Oppositionsbewegung „Anderes Russland" ist auch der Meinung, dass Dolmatow nicht drogenabhängig war. „In diesem Moment gingen ihm die Gefühle durch, er erinnerte sich an alles, was mit ihm geschehen war, und hat sich möglicherweise Vorwürfe gemacht", räumte er ein.

Menschenrechtler sind sich einig, dass der Tod des russischen Oppositionellen negative Folgen für das Image der Niederlande in Europa und in Russland haben wird. „Alexanders Asylantrag wurde abgelehnt. Er wurde im Stich gelassen – das ist offensichtlich", sagte Rechtsanwalt Jewgeni Archipow, der dem Oppositionellen früher geholfen hatte. „Niemand interessierte sich dafür, ob er Hilfe brauchte." Die Schuld für den tragischen Zwischenfall liege aber nicht nur bei den niederländischen und russischen Behörden, sondern auch bei den russischen Oppositionellen, die Dolmatow im Ausland kaum unterstützt hätten, ergänzte Archipow.

Karina Moskalenko vom Internationalen Menschenrechtszentrum sagte der  Zeitung „Nesawissimaja Gaseta", dass sie von Aktivisten angesprochen worden sei, die sich mit den Ermittlungen zum Tod Dolmatows befassen. Unter anderem sei sie über die Perspektive einer Klage gegen die russischen und niederländischen Behörden befragt worden, präzisierte die Menschenrechtlerin. Ohne jegliche offizielle Unterlagen könne sie jedoch keine Stellungnahme zu dem Fall abgeben. „Es muss festgestellt werden, inwieweit Dolmatow in Russland verfolgt wurde."

Zu den Niederlanden sagte Moskalenko: „Wenn keine Schuldigen an seinem Tod gefunden werden, dann trägt der Staat, auf dessen Territorium Dolmatow ums Leben gekommen ist, die Verantwortung für diese Situation. Da er sich im Moment seines Todes vollständig unter deren Kontrolle befand, hatten die Beamten allen Grund, um sein Leben zu bangen."

 

Dieser Beitrag erschien zuerst bei RIA Novosti. 

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