Das Niederlande-Russland-Jahr: Impulse für die Zukunft

Sowohl die Niederlande als auch die Russische Föderation versprechen sich vom Niederlande-Russland-Jahr Impulse für die Zukunft beider Länder. Dieses soll aus einem wirtschaftlichen, einem kulturellen und einem gesellschaftlichen Block bestehen.

Der Botschafter der Niederlande in

Russland Ronald Keller Foto: PhotoXPress

Mehr als 20 Millionen Euro soll das Niederlande-Russland-Jahr, das offiziell am 8. April eröffnet wurde, kosten. Dies teilte der außerordentliche Vertreter des Präsidenten der Russischen Föderation in Fragen der internationalen kulturellen Zusammenarbeit, Michail Schwydkoj, auf einer Pressekonferenz in Moskau mit.

„Das ist ein Näherungswert", sagte Schwydkoj und merkte an, dass die exakte Summe noch nicht genau feststehe. Seinen Worten nach stamme „in Russland der Großteil der Mittel aus dem Staatshaushalt, in den Niederlanden dagegen von Privatunternehmen". Das Ganze sei den Aufwand allerdings wert, meint er. „Es geht bei solchen Ereignissen nicht ums Geldausgeben. Solche Veranstaltungen sind wie Pflanzen: Man sät etwas aus und kann erst nach einer gewissen Zeit etwas ernten. Ich bin sicher, dass solche bilateralen Jahre Impulse für die Zukunft bringen."

Insgesamt werden beide Seiten während des Niederlande-Russland-Jahres rund 400 Veranstaltungen durchführen, ungefähr 200 davon in Russland und nahezu ebenso viele in den Niederlanden. „Die Zahl der Veranstaltungen wird noch zunehmen", merkte der Botschafter der Niederlande in Russland, Ronald Keller, an. Als Zeichen dafür sah er die rasche Zunahme an Veranstaltungen zwischen Montag, den 8. April, bis zur Pressekonferenz am Freitag, den 12. April. In dieser Zeit stieg die Zahl der Veranstaltungen von 300 auf 400. „Das unterstreicht das Interesse, das sowohl die russische als auch die niederländische Seite diesem Jahr beimessen", so der Botschafter.

 

Fokus auf wirtschaftlicher Zusammenarbeit

Das Programm des Niederlande-Russland-Jahres besteht aus drei Blöcken: einem wirtschaftlichen, einem kulturellen und einem gesellschaftlichen. Der Schwerpunkt liegt Keller zufolge bei der Wirtschaft: Innerhalb des Jahres werden eine ganze Reihe an Wirtschaftsveranstaltungen durchgeführt. Die wichtigste von diesen wird das Petersburger Wirtschaftsforum im Juni sein, an dem der Ministerpräsident der Niederlande, Mark Rutte, teilnehmen soll.

Vom 14. bis zum 17. Mai werden in Rotterdam die Russischen Geschäftstage und bereits einige Wochen später das Energieforum in Groningen, der Erdgashauptstadt nicht nur der Niederlande, sondern der gesamten Region, stattfinden. Außerdem sind eine Agrarausstellung in Moskau und eine Bauausstellung in Sankt Petersburg geplant.

„Indem wir den Schwerpunkt auf die wirtschaftliche Zusammenarbeit legen, können wir einen Beitrag zur Entwicklung der russischen Wirtschaft leisten", erklärte Keller. „Wir peilen ein Handelsvolumen von 77 Milliarden Euro an", ergänzte Schwydkoj. 2012 betrug das Handelsvolumen zwischen Russland und den Niederlanden 63,4 Milliarden Euro.

 

Austausch kultureller Werte

Auch der Kulturteil wird sehr umfangreich sein. Schon jetzt können die Besucher des Drents Museum im niederländischen Assen die Ausstellung Sowjetischer Mythos sehen, in der Gemälde aus der Sammlung des Staatlichen Russischen Museums aus der Zeit des sozialistischen Realismus zwischen 1932 und 1960 gezeigt werden. Darunter befinden sich Werke der Maler Kasimir Malewitschs und Alexander Deinekas.

Am 25. Juni wird in Amsterdam die Aufführung von Circo Ambulante des Moskauer Theaters der Nationen stattfinden, eine freie Bearbeitung des Don Quixote durch den Avantgarde-Regisseur Andrej Mogutschij. Vom 29. Juni bis zum 1. September werden in Groningen Comics und Karikaturen zu den bekanntesten russischen Politikern, darunter zu Josef Stalin, Wladimir Lenin, Boris Jelzin, Dmitri Medwedjew und Wladimir Putin, vorgestellt.

Außerdem bekommen die Niederländer allmonatlich die Gelegenheit, sich mit russischen Kinoklassikern vertraut zu machen. So werden zum Beispiel im April in Rotterdam Fjodor Bondartschuks Krieg und Frieden und Andrej Tarkowskijs Stalker vorgeführt. Im September werden dann in Groningen Andrej Swjaginzews "Verbannung" und Nikita Michalkows "Zwölf" zu sehen sein.

In Russland gehören die Ausstellung einer Sammlung niederländischer Gruppenporträts vom 2. September bis zum 13. Januar sowie Konzerte des Rotterdamer Philharmonieorchesters und des Königlichen Orchesters Concertgebouw, das in diesem Jahr sein 125-jähriges Jubiläum feiert, zu den wichtigsten kulturellen Ereignissen.

„Wir glauben, dass wir mithilfe der Kunst und Kultur sowie über den Austausch von Kulturwerten unsere Beziehungen ausbauen und einen Beitrag zur Modernisierung unserer Gesellschaften leisten können", sagte Botschafter Keller.

 

Zivilgesellschaftliches Forum

Im Rahmen des dritten Blocks, des gesellschaftlichen, ist unter anderem eine Zusammenarbeit auf dem Gebiet von Recht und Wissenschaft vorgesehen. Auch soll der Dialog zwischen Vertretern von zivilgesellschaftlichen Organisationen der beiden Länder stimuliert werden. „Wir wollen im September in den Niederlanden ein Forum für die niederländisch-russische Zivilgesellschaft veranstalten. Wir glauben, dass das eine wichtige Veranstaltung wird, an der zivilgesellschaftliche Organisationen aus beiden Ländern teilnehmen. Das bietet uns die Möglichkeit, Erfahrungen auszutauschen und grundlegende Fragen zu diskutieren", teilte Keller mit.

„Unsere Partnerschaft hat bereits eine lange Tradition, doch die für das Jahr 2013 geplanten Veranstaltungen werden ihr einen neuen Impuls verleihen. Wir müssen erkennen, dass eine enge Zusammenarbeit notwendig ist, um den Anforderungen der Zukunft gewachsen sein zu können", fügte Keller hinzu.