Putin-Scheidung: Lob für Offenheit

Ein starker Politiker sollte im Stande sein, wie ein Mann zu handeln und seine Ehefrau und seine Kinder auf eine zivilisierte, seriöse und offene Weise zu verlassen, ohne sie zu verletzen, meint der Politologe Dmitri Absalow. Foto: AP

Ein starker Politiker sollte im Stande sein, wie ein Mann zu handeln und seine Ehefrau und seine Kinder auf eine zivilisierte, seriöse und offene Weise zu verlassen, ohne sie zu verletzen, meint der Politologe Dmitri Absalow. Foto: AP

Die Entscheidung Wladimir Putins und seiner Frau Ljudmila, sich nach fast dreißig Jahren Ehe scheiden zu lassen, wird von russischen Experten und den Medien größtenteils als edler und ehrenhafter Schritt gewertet.

"Die Nachricht über die Scheidung Putins und seiner Frau gleicht einem Paukenschlag. Alles andere tritt im Vergleich dazu in den Hintergrund. Vielleicht ist das nicht der letzte Akt dieses Dramas, und es ist zweifellos ein Drama", erklärte der renommierte Kreml-Berichterstatter und Autor einer Reihe von Putin-Büchern Andrej Kolesnikow gegenüber dem Radiosender Business FM.

Viktor Loschak, ehemals Chefredakteur der politischen Zeitschrift Ogonjok, sieht die Nachricht nüchterner und meinte gegenüber dem Radiosender Kommersant FM, dass Putin in letzter Zeit häufig, sogar zu Anlässen, bei denen man entsprechend dem Protokoll die Anwesenheit seiner Frau erwartet hätte, allein erschienen sei. Natürlich habe das die Gerüchteküche nur noch mehr angeheizt. Jetzt bleibe kaum noch – wenn überhaupt – Platz für Spekulationen. „Viele sollten erleichtert sein, dass der Präsident so handelte, anstatt ein Doppelleben zu führen, um die Anforderungen des Protokolls formal zu erfüllen", resümierte Loschak.

Der Politikwissenschaftler Wladimir Slatinow sympathisiert ebenfalls mit Putin. Es sei sicher eine sehr schwere Entscheidung gewesen, weil er zu der Art Politiker gehöre, für die ihr Privatleben ein Tabuthema ist", sagte Slatinow. Er erwarte nicht, dass diese Trennung einen nennenswerten Einfluss auf die Umfragewerte des Präsidenten haben wird. „Einige werden wahrscheinlich enttäuscht sein, während andere seine Aufrichtigkeit und Würde schätzen werden", so Slatinow.

Für den Leiter des Zentrums für politische Information, Alexej Muchin, war es wichtig, dass die Trennung zivilisiert über die Bühne ging. Frauen, so analysierte er, könnten jetzt möglicherweise ein größeres Interesse an Putin als Politiker zeigen. Dies sei gut für seine Umfragewerte.

Muchin zog im Gespräch mit RIA Novosti sogar Parallelen zum ehemaligen Präsidentschaftskandidaten Michail Prochorow. Dieser hätte den Umstand, einer der vermögendsten russischen Single-Männer zu sein, ganz gezielt in seinem Wahlkampf ausgenutzt. Der Milliardär Michail Prochorow, 48, ist einer der reichsten Junggesellen des Landes, dessen Vermögen von Forbes auf 13 Milliarden US-Dollar geschätzt wird. Im März 2012 belegte Prochorow bei den Präsidentenwahlen hinter Putin und dem Führer der kommunistischen Partei Gennadij Sjuganow den dritten Platz.

Dmitrij Absalow, Vizepräsident des Zentrums für strategische Kommunikation, bemerkte, dass die Wähler Offenheit deutlich besser zu schätzen wüssten als früher. Ein starker Politiker sollte im Stande sein, wie ein Mann zu handeln und seine Ehefrau und seine Kinder auf eine zivilisierte, seriöse und offene Weise zu verlassen, ohne sie zu verletzen, sagte Absalow.

Die Putins waren standesamtlich, nicht jedoch kirchlich, getraut. Der Leiter

der Vereinigung der orthodoxen Experten Kyrill Frolow äußerte, dass sich Patriarch Kyrill, das Oberhaupt der Kirche, jedoch in die Entscheidung des Paares „einfühlen werde".

Putins Pressesprecher Dmitrij Peskow wies Medienspekulationen zurück, nach denen Putin seine Frau verlassen habe, um für eine neue Verbindung frei zu sein. Gegenüber dem Radiosender Echo Moskwy, erklärte er, dass die Trennung eine einvernehmliche Entscheidung beider Partner gewesen sei. Alles andere sei „schlichtweg Klatsch". „Sehen Sie sich Putins Terminkalender an und Sie werden sehen, dass sich sein Leben – möglicherweise leider – nahezu ausschließlich um seine Verpflichtungen als Staatsoberhaupt dreht", schloss der Pressesprecher.

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