Warum verschlechtert sich das Image Russlands?

Eine Umfrage zeigt, dass weite Teile der westlichen Welt eine negative Haltung zu Russland haben. Experten vermuten einen Zusammenhang mit der Syrien-Frage. Foto: Reuters

Eine Umfrage zeigt, dass weite Teile der westlichen Welt eine negative Haltung zu Russland haben. Experten vermuten einen Zusammenhang mit der Syrien-Frage. Foto: Reuters

Russland stehen Europäer, Amerikaner und insbesondere Staaten des Nahen Ostens sehr kritisch gegenüber. Russische Experten glauben, dass dies größtenteils in Russlands Position zur Syrien-Frage begründet liegt.

Vor dem Beginn des G-20-Gipfeltreffens führte das Meinungsforschungsinstitut Pew Research Center eine soziologische Studie durch, bei der sich herausstellte, dass das Ansehen Russlands im Ausland größtenteils negativ ist. Die meisten negativen Bewertungen gab es in Israel (77 Prozent), Jordanien (70 Prozent), der Türkei (66 Prozent), Frankreich, Japan und Ägypten (je 64 Prozent).

Bei der Umfrage bewerteten überraschenderweise die Einwohner der Länder, die von russischen Touristen traditionell gerne bereist werden, Russland am negativsten: Israel, Türkei, Jordanien und Ägypten. Die Experten erklären diese Haltung damit, dass die Teilnehmer der Umfrage in erster Linie nicht das Land und seine Bewohner beurteilten, sondern die Position der Regierung zur syrischen Frage.

Von großer Zustimmung und klarer Ablehnung ist alles dabei

Laut Umfrageergebnis haben insgesamt 39 Prozent der Befragten eine negative Wahrnehmung Russlands während 36 Prozent das Land positiv bewerten. Besonders beliebt ist Russland vor allem in Griechenland (63 Prozent) und Südkorea (53 Prozent). Positive Reaktionen überwiegen auch in den afrikanischen Ländern, mit Ausnahme von Südafrika. Außerdem äußerten sich Kanadier, Australier, Malayen und die Einwohner von Indonesien insgesamt positiv. Im sonst loyal zu Russland stehenden Venezuela verteilte sich die Meinung der Bürger praktisch zu gleichen Teilen, eine ähnliche Situation ergab sich für Chile.

In den USA zogen Gegner und Verteidiger praktisch gleich mit 43 beziehungsweise 37 Prozent. Die Länder Europas erwiesen sich Russland gegenüber ebenfalls nicht sehr wohlwollend: Mehr als die Hälfte der deutschen, italienischen und polnischen Bevölkerung hat der Umfrage zufolge eine negative Haltung gegenüber Russland.

Ist die Syrien-Frage das Zünglein an der Waage?

Konstantin Kossatschow, Chef der staatlichen Rossotrudnitschestwo (Föderalagentur für Angelegenheiten der GUS, für Fragen der im Ausland lebenden Mitbürger und für internationale humanitäre Zusammenarbeit), erklärt gegenüber Russland HEUTE, was die Umfragewerte bedeuten.

Kossatschow betont, dass die Ergebnisse einer solchen Umfrage stark von den Fragestellungen abhingen. Der Experte glaubt, dass im Westen die „Schuldvermutung" Russlands sowie eine grundlegende negative Erwartungshaltung stark verbreitet seien. „Formal geht es um die Beziehung zu Russland, allerdings tauchen an der Negativ-Spitze plötzlich Israel, die Türkei und Ägypten auf, das heißt Länder, in die Millionen Russen reisen und wo sie von der dortigen Bevölkerung herzlich und mit großem Interesse an der Wahrung der guten Beziehungen in Empfang genommen werden", erklärt der Beamte.

„Wenn wir uns allerdings ansehen, worüber in der letzten Zeit in der Welt allgemein und in diesen Ländern insbesondere geredet wird, wird alles klar: Syrien. Alles dreht sich darum und um Russlands Position in dieser Frage", so Kossatschow, der weiter ausführt: „Äußerst aufschlussreich dazu sind die ermittelten Angaben für den Libanon mit insgesamt 53 Prozent

negativer Haltung zu Russland, wobei uns innerhalb der libanesischen Sunniten 86 Prozent negativ gegenüberstehen, innerhalb der Schiiten aber nur neun Prozent."

Der Experte konstatiert, dass die betreffende Umfrage nicht das Verhältnis zum Land selber widerspiegle, sondern zu dessen Position hinsichtlich einer konkreten außenpolitischen Frage. „Oder, um ganz genau zu sein, zu dessen Beurteilung oder Interpretation in den ansässigen Medien", betonte er.

Kossatschow erläutert, dass diese Umfrage ein Verständnis davon geben könne, wie die Medien in den an der Umfrage beteiligten Ländern über Russland berichten. „Allem Anschein nach wird in Griechenland und Südkorea über uns nichts Schlechtes geschrieben, die Menschen beurteilen uns ohne Vorbehalte", sagt er.

„Würde man etwa die Ausländer fragen, wie sie zum Beispiel Tschaikowski, die russische Küche oder den Baikalsee finden, dann sähen die Zahlen vermutlich etwas anders aus. Aber man erzählt den Leuten nicht vom Baikal und Tschaikowski, sondern davon, dass Russland ‚die guten Länder' daran hindert, ein deren Meinung nach ‚böses Land' anzugreifen", meint Kossatschow.

Der Beamte sieht den Einfluss von solchen Umfragen kritisch: „Im Grunde genommen dienen solche Ratings und Umfragen ganz von allein als ein effektives Instrument der gesellschaftlichen Meinungsbildung. Sie erscheinen ja gerade dann, wenn es überaus wichtig ist, die Öffentlichkeit von der ‚Abseitsposition' Russlands und der Unpopularität seiner Positionen, auf die gar nicht weiter eingegangen wird, zu überzeugen."

Russlands Ansehen bei jungen Menschen steigt

Der Leiter der Behörde weist aber auch auf die positive Seite der Umfrage hin. Es zeige sich, dass die Jugend ihre eigene Meinung habe: „Die Statistik zeigt, dass die jungen Leute zwischen 18 und 29 auf unser Land weitaus besser zu sprechen sind als die ältere Generation. In den USA, Japan und Deutschland äußerte sich ungefähr die Hälfte der jungen Leute positiv über uns, was um 20 bis 25 Prozent mehr ist als bei älteren Menschen. Was auch immer dahinterstecken mag – eine skeptische Haltung gegenüber den einheimischen Medien, die fehlende Verbindung zu den Zeiten des Kalten Kriegs oder die persönliche Erfahrung aus dem direkten Umgang mit russischen Altersgenossen – es ist nicht so wichtig. Wichtig ist, dass die Jugend in den anderen Ländern bereit ist, unser Land besser zu verstehen und zu akzeptieren, und das bedeutet, dass Russland keine schlechten Zukunftsperspektiven hat, wenn die Veteranen des Kalten ‚Informations-Kriegs' endgültig von der Weltbühne abgetreten sind", glaubt er.

Sergei Karaganow, stellvertretender Direktor des Europainstituts an der Russischen Akademie der Wissenschaften, stimmt Kossatschow zu, dass die Menschen in erster Linie die russische Position zur syrischen Frage

beurteilten: „In der Türkei dominiert eine antisyrische Haltung, in Israel haben wir die gleiche Situation, in Jordanien gibt es schon jetzt einen großen Flüchtlingsstrom aus Syrien, und das wird der Bevölkerung kaum gefallen. Und die Information darüber, dass wir angeblich den Präsidenten eines Konfliktstaats unterstützen, kann nicht unbeachtet bleiben", sagte der Experte.

Er betonte, dass es jetzt wichtiger sei, sich zu fragen, warum so wenige Länder eine positive Meinung von Russland haben. „Südkorea glaubt wahrscheinlich, dass wir ihm mit Nordkorea helfen können. Griechenland ist traditionellerweise auf Russlands Seite. Interessant wäre noch herauszufinden, was dieselben Leute wohl auf Fragen über andere Länder antworten würden", so Karaganow abschließend.