Gibt es ein normales Leben für die Snowdens?

Lon Snowden kam nach Moskau am 10. Oktober.  Foto: Getty Images/Fotobank

Lon Snowden kam nach Moskau am 10. Oktober. Foto: Getty Images/Fotobank

Die Snowdens versuchen, trotz der immensen Medienaufmerksamkeit ein normales Leben zu führen. Im Rahmen des kürzlichen Besuchs seines Vaters enthüllte Edward Snowdens Anwalt nun, dass es mehrere lukrative Jobangebote in Russland gebe.

Die Geschichte könnte aus einem Spionage-Thriller stammen: Lon Snowden, Vater des ehemaligen Geheimdienstmitarbeiters Edward Snowden, sah sich direkt nach seiner Ankunft in Moskau großer Aufmerksamkeit ausgesetzt.

Auf dem Weg vom Flughafen seien Snowden und er von mehreren Autos verfolgt worden, berichtete Snowdens Anwalt Anatoli Kutscherena: „Es fuhren vier bis fünf Autos hinter uns her, also nicht gerade unauffällig. Wir wussten nicht, wer uns da verfolgte. Jedes Mal, wenn wir auf dem Weg zum Flughafen anhalten wollten, tat man es uns gleich", erzählte der Rechtsanwalt.

Später stellte sich heraus, dass es ein Konvoi aus Journalisten war. Kutscherena appellierte daher an die Medien, sich zurückzuhalten: „Ich verstehe das große Interesse, bitte aber auch zu berücksichtigen, dass Edwards Sicherheit auf dem Spiel steht."

 

Snowdens Vater meidet die Öffentlichkeit

„Am Flughafen konnte ich ihn zuerst nicht finden", erinnert sich Marina Romanowa, eine Journalistin von Life News. „Auf einmal entdeckte ich einen Mann, der ganz offensichtlich nicht erkannt werden wollte: Er trug eine Schirmmütze und Sonnenbrille, schaute auf den Boden und hatte auch keine Locken, wie ich es erwartet hätte."

Den Berichten der Journalistin zufolge habe der Vater des Ex-Geheimdienstmitarbeiters versucht, mögliche Verfolger zu verwirren, und sich nahe einer Gruppe von Passagieren aufgehalten, die auf einen Flug nach China warteten. Die Life-News-Korrespondentin jedoch ließ sich nicht abschütteln und ging mit ihm gemeinsam an Bord.

„Im Flugzeug waren nur wenige Passagiere, fast alle waren Russen. Snowden versuchte weiterhin, möglichst unbemerkt zu bleiben. Sein Platz lag im hinteren Bereich des Flugzeugs und auch das Licht über seinem Sitz blieb ausgeschaltet, obwohl es dunkel war", erzählte Romanowa. „Er wirkte dennoch sichtlich entspannt nach dem Versteckspiel auf dem Flughafen. Es musste eine Erlösung sein, als das Flugzeug endlich abgehoben war – als hätte man ihn befreit."

Die Journalistin ergriff die Chance und sprach Snowden an. Anfangs habe sie mit ihm über alltägliche Themen gesprochen. „Mir fiel auf, dass er abgenommen hatte. Ich fragte, ob ihm bewusst sei, dass sein Sohn nie wieder in die USA zurückkehren würde", erzählte Romanowa. „Der Ausdruck ‚für immer' machte ihn nervös. Es war offensichtlich, dass er die Situation sehr gut versteht und in großer Sorge ist. Er wiederholte dabei

ständig, dass die Welt seinen Sohn gar nicht wirklich kenne." Ihrer Ansicht nach betrachte Lon Snowden seinen Sohn „eindeutig als Helden", die Präsenz des Themas in den amerikanischen Medien sei ihm aber „etwas unangenehm".

Als das Flugzeug in Moskau-Scheremetjewo landete, ging Lon Snowden als Letzter von Bord. Vor dem Terminal warteten einige Leute auf ihn, auch Vertreter des Flughafens selbst. Lon Snowden wirkte jetzt wesentlich munterer und sicherer. Dann verschwanden alle in einem Elektrofahrzeug.

In Russland zog der Vater Snowdens natürlich sofort die Aufmerksamkeit der Medien auf sich. Bereits am Flughafen erklärte er, er sei Russland, Präsident Putin und Anatoli Kutscherena für ihre Hilfe in höchstem Maße dankbar. Er kündigte außerdem an, so oft wie möglich nach Russland zu reisen. Probleme bei der Einreise hat er hierbei nicht zu erwarten, da ihm bereits ein mehrfach gültiges Einreisevisum ausgestellt wurde.

 

Snowdens Anwalt wirft den USA Fehlverhalten vor

Der Anwalt Anatoli Kutscherena, mittlerweile zu einem Vertrauten Edward Snowdens geworden, erklärte, bislang lägen keine offiziellen Anschuldigungen der USA gegenüber seinem Mandanten vor. „Bis zum heutigen Tag ist kein Antrag auf Auslieferung bei der Russischen Föderation gestellt worden. Gegen Edward wurde keine offizielle Anklage erhoben", so Kutscherena.

Als Jurist könne er das überhaupt nicht nachvollziehen, sagte der Anwalt. „Snowden wird weiter verfolgt, er ist nach wie vor in großer Gefahr, dabei entbehrt das jeglicher juristischen Grundlage. Die USA wollen, dass wir ihn einfach ausliefern, aber sie vergessen dabei, dass es Verfahrensvorschriften gibt", entrüstete er sich weiter. Doch Kutscherena betonte auch, dass Russland ihn nicht ausliefern werde, da es zwischen

den USA und Russland kein Auslieferungsabkommen gibt.

Anschließend machte der Anwalt einige Angaben zu Edward Snowdens Zukunftsplänen. Demnach verhandle Snowden nicht mit anderen Ländern über Asylgesuche, vielmehr habe er vor, in Russland einen Job anzunehmen. Der flüchtige Amerikaner könnte schon sehr bald eine gut bezahlte Arbeitsstelle antreten, an Angeboten mangele es Kutscherena zufolge nicht. „Arbeitsangebote gibt es eine Menge. Wir prüfen sie gerade. Ich bin sicher, dass Edward einen Arbeitsplatz, und zwar einen lukrativen, finden wird", ergänzte der Anwalt.

„Wir überlegen gemeinsam, ob er bei einem IT-Unternehmen oder im Bereich der Menschenrechte besser aufgehoben wäre", sagte Kutscherena. Snowden wolle arbeiten und sein Geld selbst verdienen, betonte der Anwalt. Er habe nicht vor, seinen Lebensunterhalt aus Spenden zu bestreiten.

 

Zusammengestellt aus Materialien von Life News und RIA Novosti.

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