Eigentum der Nawalny-Brüder beschlagnahmt

Im Fall „Yves Rocher" drohen dem bekannten Oppositionellen bis zu zehn Jahre Haft. Foto: Reuters

Im Fall „Yves Rocher" drohen dem bekannten Oppositionellen bis zu zehn Jahre Haft. Foto: Reuters

Das Gericht beschlagnahmte das Eigentum des bekannten oppositionellen Politikers Alexej Nawalny und seines Bruders Oleg in Zusammenhang mit dem Fall der Kosmetikfirma Yves Rocher. Zuvor wurde gegen die Brüder Anklage erhoben, ihnen drohen nun bis zu zehn Jahre Haft.

Das Basman-Gericht in Moskau hat auf Anfrage der Ermittlung das Eigentum von Oleg und Alexej Nawalny, die wegen Betrugs und Geldwäsche im Zusammenhang mit der Firma Yves Rocher angeklagt sind, beschlagnahmt. Das berichtete die Pressestelle des Gerichts der Presseagentur „Interfax".

„Die Beschlagnahmung des Eigentums von Alexej und Oleg Nawalny ist eine Sicherstellungsmaßnahme", sagte die Sprecherin des Gerichts Natalja Romanowa und konkretisierte, dass bei Oleg Nawalny Aktien, Konten und sein Anteil an der Kobjakowsker Fabrik für Rebenflechtung beschlagnahmt worden seien.

Welches Eigentum von Alexej Nawalny beschlagnahmt wurde, teilte sie nicht mit. In den Unterlagen des Falls gibt es auch keine Angaben zum Gesamtwert des beschlagnahmten Eigentums.

Nach polizeilichen Angaben ist der Antrag auf Beschlagnahmung des Eigentums der Nawalny-Brüder von Roman Nesterow, dem Chef des Ermittlungskomitees der Russischen Föderation für besonders wichtige Fälle, veranlasst worden.

Nesterow leitet die Ermittlungen, bei denen Alexej Nawalny als Schlüsselfigur gilt. Der Chefermittler gehörte bereits dem operativen Ermittlungsteam zum Fall „Kirowles" an. Damals wurde Nawalny zu einer Haftstrafe von fünf Jahren Straflager verurteilt. Mitte Oktober wurde das Urteil jedoch in eine Bewährungsstrafe umgewandelt.

Der Version der Ermittler zufolge hätten die Brüder Nawalny der Firma Yves Rocher Wostok über 590 000 Euro und einem „spezialisierten, weiterverarbeitendem Unternehmen" rund 91 000 Euro entwendet. Nach dem ersten Anklagepunkt drohen ihnen bis zu zehn Jahre, nach dem zweiten bis zu fünf Jahre Haft. Alexej Nawalny bezeichnete die Anklage als „absurd".

 

Geldwäsche über das Familienunternehmen

Wie „Russkaja sluschba BBC" berichtete, hätte nach Angaben der Ermittlung Alexej Nawalnys jüngerer Bruder Oleg als stellvertretender Leiter einer Postfiliale das Unternehmen "Yves Rocher Wostok" gezwungen, einen Zustellungsvertrag mit der Firma "Glawnoje podpisnoje agentstwo" abzuschließen, die von Alexej Nawalny gegründet wurde. Diese Firma habe jedoch keine Transportdienstleistungen zur Verfügung gestellt und hätte dies auch nicht gekonnt. Stattdessen habe sie die Aufträge an eine andere Firma weitergeleitet, die von einem Bekannten Nawalnys geleitet wurde und bei der die Kosten geringer waren.

Die Ermittler behaupten, dass sie ein ähnliches Schema auch im Fall mit dem „spezialisierten, weiterverarbeitendem Unternehmen" festgestellt hätten. Der Ermittlungsbehörde zufolge habe Oleg Nawalny diese Firma

gezwungen, Verträge mit seinem Unternehmen über den Transport von Rechnungen, Briefbögen und anderen Druckerzeugnissen abzuschließen. Nach Angaben der Ermittler seien diese Dienstleistungen zu überhöhten Preisen erbracht worden und die Brüder Nawalny hätten dem Unternehmen so einen Schaden in Höhe von 86 400 Euro zugefügt.

Dabei behauptete man in den anfänglichen Ermittlungen, dass die Brüder Nawalny im Fall des Unternehmens Yves Rocher 1,3 Millionen Euro entwendet und einen Teil dieses Geldes über die Kobjakowsker Fabrik für Rebenflechtung, die den pensionierten Eltern von Oleg und Alexej gehört, gewaschen hätten. Es war der Unternehmensanteil von Oleg Nawalny, der am Dienstag vom Basman-Gericht beschlagnahmt wurde. Die Fabrik stellt geflochtene Körbe und Gartenfiguren in Form von Tieren her.

Nach Materialien von BBC und Newsru.com

Alle Rechte vorbehalten. Rossijskaja Gaseta, Moskau, Russland