Dmitri Medwedjew: Olympia in Sotschi ist sicher

Dmitri Medwedjew: Die Gefahrenlage bei den Olympischen Spielen in Sotschi ist nicht anders, als sie es bei anderen Großveranstaltungen war. Foto: Reuters

Dmitri Medwedjew: Die Gefahrenlage bei den Olympischen Spielen in Sotschi ist nicht anders, als sie es bei anderen Großveranstaltungen war. Foto: Reuters

Der russische Premierminister Dmitri Medwedjew berichtet in einem Interview mit „CNN“, wie die Sicherheit bei den Olympischen Spielen in Sotschi gewährleistet wird, und warum es heißt, dass die Kosten für die Organisation der Spiele 36,5 Milliarden Euro erreicht haben.

CNN: Nach Aussage der Regierung und der Sicherheitsdienste besteht bei den Spielen eine ernste Gefahrenlage. Könnten Sie hierzu ein paar Details geben?

Medwedjew: Die Olympischen Spiele sind ein riesiges Sportereignis. Wir erwarten eine große Anzahl an Gästen aus dem In- und Ausland, die die Spiele live miterleben wollen. Es wurden insgesamt 1,2 Millionen Eintrittskarten verkauft – eine stattliche Zahl für Winterspiele. Und wenn man die Fernsehzuschauer mit einrechnet, werden drei Milliarden Menschen die Olympischen Spiele verfolgen. Wir haben es also mit einem sportlichen Großereignis zu tun und werden natürlich alles unternehmen, um sein Gelingen zu gewährleisten. Alle Arbeiten sind abgeschlossen, alle Sportobjekte fertiggestellt und alles ist nach Plan gelaufen, auch wenn der Weg dahin schwierig und langwierig war.

Und was die Gefahrenlage angeht, so bestehen bei jeder öffentlichen Veranstaltung immer Risiken, das gilt nicht nur für unser Land. Aber in unserem Land gibt es ganz spezifische Bedrohungen. Und diese wurden und werden bei der Vorbereitung auf die Spiele natürlich berücksichtigt. Das betrifft sowohl die übliche Mobilisierung der Polizeikräfte als auch den Einsatz einer großen Anzahl an Polizisten zur Überwachung der Spiele. Bei Bedarf werden weitere Kräfte hinzugezogen. Zu den Maßnahmen gehörte auch die Kontrolle der Objekte selbst während der Bautätigkeiten. All dies war von Anfang an so vorgesehen, und wir haben kontrolliert, wer was wie baut.

Und schließlich gehört eine umfassende Kooperation dazu, die bei solchen Veranstaltungen unverzichtbar ist, da es in der Geschichte leider die verschiedensten Vorfälle gegeben hat. Wir bauen darauf, dass wir bei der Durchführung der Spiele mit unseren Partnern zusammenarbeiten werden, zu denen übrigens auch die US-Amerikaner gehören, mit denen entsprechende Vereinbarungen getroffen wurden, um alle potenziellen Gefahren abzuwenden. Insgesamt jedoch bin ich sicher, dass alles glatt laufen und diese Olympischen Spiele ein hervorragendes Niveau erreichen werden. Wir laden alle ein, sich die Wettkämpfe anzusehen, und diejenigen, die Tickets haben, nach Russland zu kommen und alles live mitzuerleben.

Wie Sie wissen, haben einige Sportler aus anderen Ländern das Video und die Warnung der islamischen Extremisten gesehen und machen sich große Sorgen.

Ganz offen gestanden bin ich der Ansicht, dass die Gefahrenlage bei den Olympischen Spielen in Sotschi nicht anders ist, als sie es bei anderen Großveranstaltungen war. Die heutige Welt ist globalisiert. Wir wissen, zu welch traurigen Ereignissen es bei Sportveranstaltungen in anderen Ländern gekommen ist, so auch in den Vereinigten Staaten. Deshalb wäre es auch unfair und unangebracht, zu behaupten, dass sich heute alle Bedrohungen auf Sotschi konzentrieren.

Sie sprechen vom Boston-Marathon?

Richtig, genau darauf habe ich mich bezogen. Deshalb sollte man auch nicht glauben, dass die amerikanischen Athleten gerade jetzt besonderen

Gefahren ausgesetzt sind. Aber jeder Mensch, jeder Senator hat natürlich das Recht auf seine eigene Meinung. Wir sind absolut überzeugt, dass wir alle Olympiateilnehmer schützen können, und ich sage noch einmal, dass wir uns bemühen werden, wunderbare Olympische Spiele zu veranstalten.

Können Sie den Vereinigten Staaten bestätigen, dass Sie zu einer uneingeschränkten Zusammenarbeit bereit sind?

Es gibt immer etwas zu verbessern. Wir sind selbstverständlich der Ansicht, dass unsere Zusammenarbeit noch verbessert werden könnte – dem ist wahrscheinlich auch wirklich so. Insgesamt jedoch hat die Zusammenarbeit zwischen den Sicherheitsdiensten, also zwischen dem FBI einerseits und dem FSB andererseits, ein hohes Niveau erreicht, besonders, was die Spiele betrifft.

Die russische Regierung behauptet, dass die Organisation der Spiele 4,7 Milliarden Euro gekostet habe. Stimmt diese Zahl? Ich frage deshalb, weil alle anderen Quellen von 36,5 Milliarden Euro sprechen.

Lassen Sie mich erklären, wie diese Zahlen zustande kommen. Die Situation ist folgende: Als wir das Projekt Sotschi in Angriff nahmen, war uns klar, dass wir Olympische Winterspiele an einem Ort veranstalten müssen, an dem noch keinerlei Voraussetzungen hierfür gegeben waren. Die Wettkämpfe finden weder in Mitteleuropa noch in einer gut entwickelten russischen Stadt oder in den USA statt. Wir sprechen von einem Urlaubsort

am Meer, an dem wir Olympische Winterspiele veranstalten. Und das unter äußerst schwierigen Gebirgsbedingungen, sodass uns klar war, dass die Gesamtkosten für die Durchführung der Spiele erheblich sein werden.

Ich möchte jedoch einerseits zwischen den Kosten für die Vorbereitung der Spiele selbst, also Sportstätten und eine ganze Reihe von Infrastrukturobjekten, und andererseits den Kosten für die Entwicklung der Stadt Sotschi unterscheiden. Diese beiden Zahlen sollte man nicht vermischen, da die Olympischen Spiele vorbeigehen und die Wettkämpfe enden werden, Sotschi jedoch dauerhaft von der verbesserten Infrastruktur profitieren wird.

Die Kosten für die Olympiade selbst belaufen sich auf etwas über 200 Milliarden Rubel, was in etwa der Zahl entspricht, die sie in Euro genannt haben. Wenn wir jedoch von den Gesamtkosten für die Stadtentwicklung in Sotschi, den Straßenbau, den Bau von Hotels und Eisenbahnverbindungen sowie die Lösung sehr komplexer infrastruktureller Probleme, die sich in Sotschi über Jahrzehnte angestaut haben, sprechen, dann ergeben sich natürlich wesentlich größere Summen. Es gab kein vernünftiges Wasserleitungsnetz und die Stromversorgung war miserabel, ständig gab es Stromausfälle. Aber dabei handelt es sich letztlich um Ausgaben zugunsten der Entwicklung einer unserer Regionen.

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