„Legendäres Sewastopol, unangreifbar für die Feinde“

Foto: Sergej Sawostjanow/Rossijskaja Gaseta

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Warum ist der Hauptstützpunkt der Schwarzmeerflotte auf der Krim so wichtig für Russland?

Der Titel dieses Beitrags bezieht sich auf die Worte der Hymne Sewastopols, die auch die „Stadt des russischen Ruhms" genannt wird. Die Stadt wurde 1783 auf der südwestlichen Küste der Halbinsel Krim durch einen Erlass von Katharina der Großen an der Stelle der altgriechischen Stadt Chersonesos gegründet. Die Archäologen graben bis heute nach den Ruinen des altertümlichen Städtchens.

Es war Katharina die Große, die der Stadt den Namen gab, der sich mit „hochverehrt", „heilig", „majestätisch" oder „die Stadt des Ruhms" übersetzen lässt. Die Gegend war vor allem aus einem Grund für die Kaiserin und ihre Kriegsherren sehr attraktiv: Um die Halbinsel herum liegen 30 windfeste, tiefgreifende Buchten. Manche ziehen sich über acht Kilometer ins Landesinnere und geben Schiffen Schutz. Sewastopol wurde Russlands Hauptstützpunkt im Schwarzen Meer.

Die Stadt erlebte ihre schwersten Zeiten während des Zweiten Weltkriegs. Von 1941 bis 1942 verteidigten die Soldaten der Roten Armee und die Seeleute der Schwarzmeerflotte 250 Tage lang die Stadt gegen die deutschen Truppen. Nachdem sie die Stadt übergeben mussten, führte die Untergrundbewegung ihren Kampf um Sewastopol weiter.

Seit 1948 genoss die Stadt einen Sonderstatus und wurde direkt von der Republik Russland verwaltet, die damals zu der Sowjetunion gehörte. Im Jahr 1954 wurden Sewastopol und die Krim auf Initiative des ersten Parteisekretärs der KPdSU, Nikita Chruschtschow, der Ukraine übereignet, dennoch hatte Kiew nach wie vor wenig Einfluss auf die Krim. Die Stadt und der Hafen Sewastopols, einer der Hauptstützpunkte der Marine der Sowjetunion, wurden direkt Moskau und dem sowjetischen Verteidigungsministerium unterstellt.

Anfang der 90er-Jahre kam es dann zu einer dramatischen Veränderung: Die Ukraine wurde zu einem unabhängigen Staat und die Stadt Sewastopol und die Krim wurden ukrainisch. Laut dem russisch-ukrainischen Vertrag über Freundschaft, Zusammenarbeit und Partnerschaft, der 1997 unterzeichnet wurde, wurde die Angehörigkeit Sewastopols zu der Ukraine sowie auch die Unverletzlichkeit der ukrainischen Grenzen anerkannt. Die Ukraine bewilligte seinerseits den Erhalt des russischen seemilitärischen Stützpunkts und den Verbleib der russischen Schwarzmeerflotte auf der Krim bis 2017.

 

Stationierungsabkommen läuft 2017 aus

Die russischen Seestreitkräfte am Schwarzen Meer verfügen über eine große Bandbreite an Einheiten. Zu nennen sind der Stab und die Führung der Flotte in Sewastopol, die 68. Bewachungsbrigade des Marineabschnitts, der 17. Marinearsenal, das 810. Sondermarineinfanterieregiment, das 247.

U-Boot-Bataillon, das 854. Sonderküstenraketenregiment, das Sondermarinepionierbataillon, die Meldezentrale, die 30. Kriegsschiff-Division, der Lenkwaffen-Kreuzer „Moskau", die Luftkissenlenkwaffenschiffe „Bora" und „Samum", die Brigade der Versorgungsschiffe, die Brigade der Landefahrzeuge, die Brigade der Lenkwaffenschnellboote, das Sonderschlachtgeschwader, das gemischte Fliegergeschwader, die Sonderbrigade für Funknavigation, Marinearsenale und Munitionskammern, Marineinstandsetzungswerke und Marineunterführerschulen. Insgesamt macht die Zahl der stationierten Soldaten 25 000 aus, dazu zählen auch Arbeiter und Angestellte, die in den Unternehmen und Einrichtungen der Flotte tätig sind. Mit allen Familienmitgliedern beträgt diese Zahl mehr als 100 000 Menschen.

Laut dem Abkommen über die Stationierung der russischen Schwarzmeerflotte in Sewastopol, das am 31.Mai 1997 unterzeichnet wurde, darf die Gesamtstärke der Gruppierungen der russischen Schiffe in den ukrainischen Territorialgewässern und zu Lande bis zu 388 Einheiten, darunter auch 14 Diesel-U-Boote, betragen. 161 Fluggeräte können auf den Flugfeldern in Gwardejskoje und Sewastopol stationiert werden.

Das Abkommen wurde für 20 Jahre unterzeichnet. Sollte eine Partei die andere über die Kündigung des vorliegenden Abkommens spätestens ein Jahr vor dem Ablauf seiner Gültigkeitsfrist nicht schriftlich benachrichtigen,

wird das Abkommen automatisch um weitere fünf Jahre verlängert.

Das zweite Abkommen, das in Charkow im April 2010 unterzeichnet wurde, verlängerte die Stationierung der russischen Schwarzmeerflotte in Sewastopol bis 2042. Die Miete des Marinemilitärstützpunkts auf der Krim beträgt 71 Millionen Euro pro Jahr. Außerdem erhält die Ukraine laut dem Charkow-Abkommen einen Rabatt auf den Gaspreis: 72 Euro für jede Tonne.

Russland braucht Sewastopol als Stützpunkt. Der Hafen in Noworossijsk ist nicht tief genug und verfügt nicht über die nötige Infrastruktur. Die Lage der Flotte an der Südspitze der Krim löst auch eine strategische Aufgabe: Die Flotte schützt den Süden des Landes, indem sie den Aufmarsch von Flottenverbänden und Flugzeugträgern eines potenziellen Gegners im Schwarzen Meer verhindert.

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