Kann Chodorkowski in der Ukraine vermitteln?

Michail Chodorkowski: Putin benutzt in der Ukraine seine Macht, um sich für eine persönliche Beleidigung zu rächen. Foto: AP

Michail Chodorkowski: Putin benutzt in der Ukraine seine Macht, um sich für eine persönliche Beleidigung zu rächen. Foto: AP

Michail Chodorkowski diskutierte am Donnerstag und Freitag in Kiew mit Vertretern des ukrainischen und russischen öffentlichen Lebens Lösungen für die Ukraine-Krise. In Russland wird das Engagement kritisiert.

Der Einladung des Ende Dezember von Präsident Putin begnadigten ehemaligen Chefs des Ölkonzerns Yukos Michail Chodorkowski nach Kiew zur Konferenz „Ukraine-Russland: ein Dialog" waren am 24. und 25. April Vertreter des öffentlichen Lebens aus der Ukraine und aus Russland gefolgt. Der Kreml-Kritiker versuchte die anwesenden Intellektuellen, Medienvertreter, Schriftsteller und Politiker für die Ausarbeitung einer Roadmap zur Beilegung der Ukraine-Krise zu mobilisieren. Zu den Mitveranstaltern der Konferenz gehörten unter anderem das russische P.E.N.-Zentrum sowie die politische Bewegung „Dritte ukrainische Republik" des ehemaligen ukrainischen Innenministers Jurij Luzenko (zuletzt 2007-2010).

„Wir wollen hier vor allem zeigen, dass wir mit der Ukraine-Politik des russischen Präsidenten Wladimir Putin nicht einverstanden sind", erklärte Chodorkowski zu Beginn der Konferenz. Weiter sagte er: „Am traurigsten ist für uns, Bürger Russlands, dass Putin keine globalen strategischen Fragen löst. Er benutzt jetzt in der Ukraine seine Macht wieder, um sich für eine persönliche Beleidigung zu rächen." Beleidigt, so Chodorkowski, sei der russische Präsident von der Revolution in der Ukraine und der Vertreibung des korrupten Ex-Präsidenten Janukowitsch und seines Umfeldes.

„Wir sind hierher in die Ukraine gekommen, um uns ein eigenes Bild von den Geschehnissen zu verschaffen, statt der russischen Propaganda zu glauben", begründete die oppositionelle russische Fernsehmoderatorin Ekaterina Gordejewa ihre Teilnahme.

In Russland wurde die Chodorkowskij-Initiative heftig kritisiert. Der kremltreue Journalist Dmitri Olschanskij schrieb in seinem Blog: „In keinem Staat der Welt würde ein ambitionierter Politiker, unabhängig von seiner Einstellung zum amtierenden Machthaber, einen politischen Gegner seines Landes unterstützen."

Der Präsident des Instituts für politische Forschungen und Mitglied der Gesellschaftskammer der Russischen Föderation Sergej Markow ist der Ansicht, dass Chodorkowski mit diesen Aktivitäten versucht, sich politisch zu profilieren. „Sie hassen Russland und die russische Mentalität, weil dies ihre Aufgabe ist, für die sie von außen bezahlt werden. Dies ist gut bezahlter Hass", zog er über die Teilnehmer der Konferenz her. Chodorkowski versuche den Ukrainern nahe zu bringen, dass es „neben dem autoritären und verhassten Russland" auch ein anderes Russland gebe. „Sie werden

ihn nur aufnehmen, wenn er Russland verrät", analysiert Markow. Wenn Chodorkowski Russland mit der amtierenden Kiewer Regierung versöhnen wolle, werde er daran scheitern, weil dies unmöglich sei, so das Fazit des Experten.

Die Initiative Chodorkowskis zur gemeinsamen ukrainisch-russischen Konferenz in Kiew war nicht von allen Vertretern der russischen Opposition unterstützt worden. So teilte der Vorsitzende der Partei „Demokratische Wahl" Wladimir Milow mit, dass er ursprünglich nach Kiew reisen wollte, um über die Ukraine zu diskutieren, sich nun aber freue, dass „dieser Zirkus ohne uns stattfindet". Seiner Ansicht nach, kann die russische Opposition ihr Verhältnis zur Ukraine selbst klären, „ohne die sich selbst diskreditierenden liberalen Politiker miteinzubeziehen."

 

Zusammengestellt aus den Materialen von RBC, Forbes und Wsgljad.

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