Ukraine-Konflikt im Spiegel der russischen Presse

Foto: Reuters

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Wie berichtet die russische Presse über die Ereignisse in der Ukraine? RBTH gibt einen kleinen Einblick und stellt Meldungen aus jüngster Zeit vor.

Wie die Ereignisse in der Ukraine in den russischen Medien ihren Widerhall finden, zeigt RBTH exemplarisch an einigen Auszügen aus Meldungen der vergangenen Tage.

Die Nachrichtenagentur „RBK" meldete:

Michail Chodorkowski hat am Sonntag Donezk besucht. (...) Er sagte, Wladimir Putin müsse die reale Situation im westlichen Nachbarstaat anerkennen: Es gebe keine Bandera-Faschisten im Land. Auf dem Platz vor der von „Selbstverteidigungskräften" besetzten Stadtverwaltung empfing das Volk den gefallenen Oligarchen nicht besonders freundlich: ‚Geh weg! Du hast dein Land ausgeraubt und jetzt kommst du wieder zu uns, um weiter zu rauben!', hörte man einige Rentnerinnen Chodorkowski beschimpfen. Einer der Kämpfer der örtlichen Selbstverteidigung, ein groß gewachsener, muskulöser junger Mann im Marinehemd, sagte: ‚Sie sind hier nicht willkommen, wir haben Sie nicht eingeladen. Gehen Sie lieber wieder.' Nach einem fünfminütigen Gespräch mit dem Ex-Jukos-Chef jedoch lud der Mann ihn jedoch dazu ein, mit ins besetzte Gebäude der Stadtverwaltung zu kommen. Chodorkowski lehnte jedoch ab: ‚Die Zeit war knapp', erklärte er später gegenüber RBK, ‚ich musste zu einem anderen Treffen.'"

 

In einer Reportage von Olga Bobrowa in der Zeitung „Nowaja Gaseta" heißt es:

„Wenn man am Wochenende nach Slawjansk gefahren ist, bemerkte man kaum, dass die Einheiten der Armee gegen die sogenannten ‚Vertreter der Föderalisierung' kämpfen. Obwohl die ukrainische Regierung massive Kräfte in der Umgebung der Stadt zusammengezogen hat, spazieren Mütter mit Kinderwagen durch die Stadt, füttert eine alte Frau Tauben auf dem Platz vor der Stadtverwaltung und der Verwaltungsdienst schneidet die Rosen. Ein Pony arbeitet auf dem Platz und dreht dort seine Runden.

Die weißen Säcke mit Sand, die den Eingang ins Verwaltungsgebäude verbarrikadieren, fallen nicht auf. Die Barrikaden vor der Polizeibehörde und auf der Karl-Marx-Straße, wo sich der Sicherheitsdienst der Ukraine befindet, sind dagegen auffälliger. Vor dem Gebäude des Sicherheitsdienstes steht sogar ein Schützenpanzer, der letzte Woche aus dem Besitz der ukrainischen Armee übernommen wurde. Aber auf den Barrikaden sind nicht viele Kämpfer zu sehen."

 

Georgi Poroshnjak schreibt in der Zeitung „Rossiiskaja Gaseta":

„Am Wochenende seien drei weitere Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes vom ‚Freikorps' verhaftet worden (...), teilte Denis Puschilin, Ko-Vorsitzender der ‚republikanischen Regierung', mit.

Zu den zuvor verhafteten Europäern, den OSZE-Beobachtern, die von der ‚Aktivisten' von Slawjansk der Spionage beschuldigt werden, gehören jetzt auch drei Offiziere des ukrainischen Sicherheitsdienstes. Dabei handelt es sich um Oberstleutnant Rostislaw Kijaschko, Major Sergej Potemski und Kapitän Ewgeni Warinski aus der Alfa-Gruppe der Ukraine.

Die Verhafteten sagten aus, dass sie sich früher an einer Militäraktion im Irak beteiligt hätten. Im Laufe eines Verhörs stellte sich zudem heraus,

dass die Drei mit einem Flugzeug von Kiew nach Isjum in den Osten der Ukraine gekommen sind. Dann seien die Sonderkämpfer nach Kramatorsk mit einem Militärhubschrauber gebracht worden, von wo aus sie mit dem Auto zum Einsatzort gekommen seien. Die Aufgabe der Gruppe sei gewesen, den Kämpfer der ‚Selbstverteidigung' Igor Besler, der sich schon seit mehr als zehn Tagen im Gebäude der Verwaltung für innere Angelegenheiten Gorlowka verschanzt hatte, zu entführen. Die Indizien weisen darauf hin, dass die Verhafteten über illegale Waffen verfügten."

 

In einer Reportage von Ilja Barabanow in der Zeitung „Kommersant" heißt es:

„Während die ukrainische Armee ihre Manöver um die Stadt Slawjansk im Rahmen einer Anti-Terror-Operation weiterführt, machen die selbsternannten Machthaber der Stadt Gefangene. Diese werden der Spionage verdächtigt und sollen gegen von der Ukraine inhaftierte Mitstreiter eingetauscht werden.

Augenzeugen berichteten von einem Schusswechsel in der Nacht zum Sonntag an den Blockposten nicht weit von Slawjansk, unweit der Städte Artjemowsk und Soledar. Vertreter der sogenannten ‚Donbasser

Volksarmee' behaupteten, dass ukrainische Soldaten einen der Blockposten zerstört und versucht hätten, die Kontrolle über die Waffenarsenale in der Stadt zu übernehmen. Der ukrainische Innenminister Arsen Awakow bestritt die Vorfälle. ‚Es gibt keinen Kampf', sagte er. Der Minister sagte, die hiesigen ‚Aktivisten' strebten die Kontrolle über die Waffenarsenale an.

Auch die Information, dass Slawjansk von ukrainischen Soldaten blockiert worden sei, hat sich nicht bestätigt. Am vergangenen Wochenende konnte man problemlos in die Stadt fahren."