Russische Medienberichte nach der Tragödie von Odessa

Der freigelassene OSZE-Beobachter Alex Schneider. Foto: RIA Novosti

Der freigelassene OSZE-Beobachter Alex Schneider. Foto: RIA Novosti

Am vergangenen Freitag gab es einen verheerenden Brandanschlag auf ein von prorussischen Regierungskritikern besetztes Gewerkschaftsgebäude in Odessa. Vierzig Menschen starben in den Flammen und es gab über 150 Verletzte. Ukrainische Sicherheitskräfte sahen tatenlos zu. RBTH fasst die Berichterstattung russischer Medien nach der Katastrophe zusammen.

Die Zeitung „Iswestija" berichtet, dass die Stadtverwaltung von Odessa eine dreitägige Trauerzeit angeordnet hat. Vom 3. bis 5. Mai soll an die Opfer des Brandanschlages auf ein Gewerkschaftsgebäude in Odessa am vergangenen Donnerstag erinnert werden. Mehr als 40 Menschen kamen ums Leben, als das Gebäude, in dem sich prorussische Aktivisten aufhielten von radikalen Anhängern des Rechten Sektors vorsätzlich in Brand gesetzt wurde. Der Brandanschlag forderte mindestens 174 Verletzte, die auf die Krankenhäuser der Stadt verteilt wurden. Davon befinden sich 25 Personen in einem kritischen Zustand. Der russische Föderationsrat fordert, eine unabhängige internationale Kommission zur Untersuchung der Ereignisse einzusetzen.

Im Gedenken an die Opfer des Brandanschlages und der gewaltsamen Auseinandersetzungen in den Städten Kramatorsk und Slawjansk legten Moskauer am Freitag vor der ukrainischen Botschaft Kerzen und Blumen nieder, berichtet Life News.

 

Nach Berichten der russischen Tageszeitung „Kommersant" schließt Andrej Sentschenko, der stellvertretende Leiter der ukrainischen Präsidialverwaltung nicht aus, dass Mitglieder der Polizeiführung infolge der Ereignisse verhaftet werden könnten, wenn sie an der „Vorbereitung der Provokationen" am 2. Mai in Odessa beteiligt waren. „Ich denke, dass das Handeln aller Regierungsmitglieder auf allen Ebenen auf den Prüfstand kommen sollte.", kündigte er in einer Sendung des ukrainischen Senders „Kanal Fünf" an. „Das betrifft diejenigen, die nicht rechtzeitig Maßnahmen zur Verhinderung des Brandanschlages getroffen haben genauso wie die, die während die Tragödie ihren Lauf nahm, tatenlos zugesehen haben", erklärte Sentschenko.


Im Interview mit der Nachrichtenagentur Interfax sagte Putin-Sprecher Dmitrij Peskow: „Präsident Putin spricht den Familien der bei den Auseinandersetzungen Getöteten und der Opfer des Brandanschlages von Odessa sein Beileid aus. Er wünscht allen Verletzten baldige Genesung".

Dmitrij Peskow stellte außerdem fest: „Wie können leider der Kiewer Regierung kein Beileid aussprechen, da es keine offizielle Kiewer Regierung gibt.".

 

„Komsomolskaja Prawda" berichtet, dass die Lage in Slawjansk immer ernster werde. Am Abend waren am Stadtrand Schüsse zu hören. Augenzeugen sprechen von Artilleriegeschossen.

Die Einwohner bereiten sich auf einen Sturm der ukrainischen Truppen vor. Vor den Läden bilden sich bereits lange Schlangen, denn die Bewohner von Slawjansk fürchten, dass es Engpässe bei der Versorgung mit Lebensmitteln geben werde und machen Hamsterkäufe. Das Brot ist schon knapp geworden.

Die Gegend um Slawjansk wird weiterhin von den Befürwortern der Föderalisierung bewacht, die extra Checkpoints eingerichtet haben.

RIA Novosti berichtet, dass die Aktivisten vermuten, dass die Freilassung der internationalen OSZE-Militärbeobachter den Großangriff beschleunigen wird, da die Kiewer Regierung sie für Geiseln hielt.

 

Laut Medien der RBC-Gruppe hat sich der russische Außenminister Sergej Lawrow dafür ausgesprochen, dass nach der Ausreise der OSZE-Beobachter eine neue Offensive in Slawjansk verhindert werden muss. In einem Telefonat mit seinem deutschen Amtskollegen Frank-Walter

Steinmeier soll er sich besorgt gezeigt haben über Berichte, dass die ukrainische Armee offenbar mit Unterstützung der nationalistischen, radikalen Bewegung Rechter Sektor plane, Städte im Südosten der Ukraine zu stürmen. Die Sorge gelte insbesondere Slawjansk.

Der russische Außenminister soll appelliert haben, die Freilassung der europäischen Beobachter nicht als Signal zur Offensive zu verstehen. Er warnte vor einem erneuten Blutvergießen wie in Odessa, teilte das russische Außenministerium mit. Steinmeier soll sich bei der russischen Regierung für ihren Einsatz bei der Freilassung der europäischen Militärbeobachter bedankt haben und besonders das persönliche Engagement von Putins Unterhändler Wladimir Lukin hervorgehoben haben.

 

RIA Novosti berichtet, die Selbstverteidigungskräfte von Kramatorsk kontrollierten nur das Zentrum der Stadt, wie einer der Anführer gegenüber RIA Novosti erklärt habe. Die anderen Stadtteile stünden unter der Kontrolle von Kiewer Sicherheitskräften. Zurzeit gebe es keine Schusswechsel, doch man bereite sich auf einen neuen Angriff vor. Auf Seiten der Anhänger für eine Föderalisierung sei die Opferzahl bisher gering.