Millionendeals: Russland und China planen Megaprojekte

Gazprom und CNPC haben einen Erdgas-Kaufvertrag unterzeichnet. Foto: AP

Gazprom und CNPC haben einen Erdgas-Kaufvertrag unterzeichnet. Foto: AP

Im Rahmen des Besuchs einer russischen Delegation in China wurden zahlreiche Wirtschaftsabkommen unterzeichnet. Zu den Vereinbarungen gehören unter anderem die Gründung eines Konkurrenten für Boeing und Airbus, der Bau einer Brücke und die Lieferungen von Energieträgern.

Gemeinschaftsproduktion

Das spektakulärste Gemeinschaftsprojekt zwischen Russland und China ist die Entwicklung und Produktion eines gemeinsamen Langstrecken-Passagierflugzeugs, das in Zukunft eine Konkurrenz für Boeing und Airbus darstellen soll. Nach Angaben von Verhandlungsteilnehmern benötigt das Projekt Investitionen in Höhe von über sieben Milliarden Euro. Zurzeit befindet es sich jedoch noch in der Startphase der Entwicklung. Die vorläufigen Ausgangsdaten des Projekts werden in den Wirtschaftsministerien beider Länder im Sommer 2014 vorgestellt. Es ist vorgesehen, das Passagierflugzeug im Rahmen eines Gemeinschaftsbetriebes zu entwickeln. Die Anteile an dem Unternehmen sollen paritätisch zwischen Russland und China aufgeteilt werden. Russland verfügt mit der Entwicklung des neuen Mittelstrecken-Passagierflugzeugs Suchoj SuperJet 100 bereits über eine gewisse Erfahrung bei der Zusammenarbeit mit ausländischen Firmen – an der Entwicklung des Suchoj SuperJets ist zum Beispiel der italienische Konzern Finmeccanica beteiligt.

Ein weiteres Gemeinschaftsprojekt zwischen Russland und China sieht die Produktion von Personenkraftwagen in Russland vor. 2017 soll der chinesische Geländewagen-Hersteller Great Wall Motors ein Werk im europäischen Teil Russlands, im Gebiet Tula, eröffnen. Die Investitionen in das Projekt betragen 18 Milliarden Rubel (etwa 360 Millionen Euro). Jährlich sollen bis zu 150 000 Fahrzeuge der Marke Haval produziert werden. Durch die Aufnahme der neuen Produktion sollen bis zu 2 500 zusätzliche Arbeitsplätze geschaffen werden.

Im Rahmen eines weiteren Projekts ist der Aufbau einer neuen Produktionsstätte in China vorgesehen. Unter anderem beabsichtigen das russische Chemieunternehmen Sibur und das chinesische Erdöl- und Erdgasunternehmen Sinopec, in Schanghai ein Werk zur Kautschuk-Produktion mit einer Kapazität von 50 000 Tonnen pro Jahr zu errichten. Der Hauptanteil an dem Projekt mit 74,9 Prozent soll der Firma Sinopec gehören, die restlichen 25,1 Prozent wird Sibur übernehmen. Das russische Unternehmen soll im Rahmen des Gemeinschaftsbetriebs vor allem seine Technologie zur Verfügung stellen. 2013 eröffneten die Partner bereits ein Joint Venture in der Stadt Krasnojarsk zur Produktion von Kautschuk: Der Anteil Sinopecs an der Firma betrug 25 Prozent plus eine Aktie. Inzwischen wird der dort gefertigte Kautschuk nach China exportiert.

 

Lieferungen nach China

Die wichtigsten Produkte, die die russische Seite im Ergebnis der Verhandlungen nach China liefern wird, sind auch weiterhin – wen wundert es – Energieträger. Gegenwärtig ist China der wichtigste Abnehmer für russisches Erdöl. Im Rahmen des Besuchs der russischen Delegation in Schanghai wurde vereinbart, dass Rosneft, das weltweit größte börsennotierte Unternehmen im Bereich der Erdölförderung, zwischen 2009 und 2038 ungefähr 665 Millionen Tonnen Erdöl nach China liefern soll. Die Erdölexporte sollen zudem durch Erdgaslieferungen ergänzt werden. Weiterhin haben Gazprom und CNPC während des Delegationsbesuchs einen Erdgas-Kaufvertrag unterzeichnet. Die Erdgaslieferungen könnten infolgedessen 2018 mit einem Volumen von 38 Milliarden Kubikmeter pro Jahr aufgenommen werden.

Russland beabsichtigt zudem, Flüssigerdgas nach China zu liefern. Das Unternehmen Jamal LNG unterzeichnete mit CNPC einen Vertrag über die Lieferung von drei Millionen Tonnen Flüssigerdgas pro Jahr. Dieses Projekt sieht den Bau eines Werks zur Produktion von Flüssigerdgas mit einer Kapazität von 16,5 Millionen Tonnen im Norden Russlands vor. Zudem soll

das Gasfeld Juschno-Tambejskoje auf der Jamal-Halbinsel erschlossen werden. Preislich orientiert sich Gazprom an einer Vereinbarung, laut der das Flüssigerdgas über die Pipeline Sachalin-2 nach Japan geliefert wird – im vergangenen Jahr betrug der Preis für Flüssigerdgas für Japan ungefähr 512 US-Dollar (375 Euro) pro tausend Kubikmeter Gas.

Darüber hinaus bot Gazprom dem chinesischen Unternehmen einen Anteil an Wladiwastok LNG, einem anderen ähnlichen russischen Projekt, und einen Vertrag für den Kauf von Flüssigerdgas an. Wie der russische Ministerpräsident Dmitrij Medwedjew in einem Interview mit dem Fernsehsender „Bloomberg TV" erklärte, könnten chinesische Investoren sich auch an der Privatisierung des Staatsunternehmens Rosneft beteiligen. Über die Größe des Aktienpakets, das zum Kauf angeboten wird, ist allerdings noch nichts bekannt. Chinesische Investoren sind übrigens bereits an Rosneft beteiligt: 2006 erwarb CNPC im Rahmen des Börsengangs 0,6 Prozent der Aktien des russischen Unternehmens.

 

Brücke und Straßen

Eine der wichtigsten Eckpfeiler der Zusammenarbeit mit China ist die Beteiligung chinesischer Unternehmen bei der Umsetzung von Infrastrukturprojekten. 2013 stieg das Transportvolumen zwischen Russland und der Chinesischen Volksrepublik im Vergleich zum Vorjahr um acht Prozent auf 30,5 Millionen Tonnen an. Bereits in den kommenden Monaten wird der Bau der ersten Brücke über den Fluss Amur zwischen Russland und China beginnen. Bis jetzt gibt es überhaupt noch keine Brücken zwischen den beiden Ländern – weder Auto- noch Eisenbahnbrücken. Nach Einschätzung der russischen Seite ermöglicht die neue Brücke bis zu 21 Millionen Tonnen Fracht pro Jahr über den Fluss zu befördern. Zusätzlich wird der Transportweg um 700 Kilometer verkürzt. Der russische Monopolist auf dem Gebiet des Eisenbahnfrachtverkehrs, das Unternehmen Russkije schelesnyje dorogi, und der staatliche chinesische Eisenbahn-Carrier China Railway Corporation vereinbarten ihrerseits den Bau eines Logistikzentrums, den Ausbau des Passierverkehrs und die Senkung der Flugpreise.

China wird Russland außerdem dabei helfen, die Abhängigkeit vom US-Dollar zu verringern: Die Länder planen, den Anteil der Zahlungen in

nationaler Währung zu erhöhen – ein entsprechendes Abkommen unterzeichneten die russische Bank WTB und das chinesische Finanzunternehmen Bank of China. Gegenwärtig erteilen die chinesischen Banker dem russischen Unternehmen Rosneft bereits Kredite in Rubel, was die Abhängigkeit der russischen Wirtschaft von Valuta-Kursschwankungen mindert. Nach einer Einschätzung des russischen Präsidenten Wladimir Putin beträgt das Volumen der gemeinsamen russisch-chinesischen Projekte in den vorrangigen Arbeitsfeldern ungefähr 30 Milliarden Euro. Die Länder planen jedoch, diesen Wert bis zum Jahr 2020 Jahr auf 150 Milliarden Euro zu erhöhen.

Alle Rechte vorbehalten. Rossijskaja Gaseta, Moskau, Russland