Ukraine im Medienspiegel: Über den Tod eines Zivilisten

Foto: ITAR-TASS

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Im Zuge des Ukraine-Konflikts ist erstmals ein russischer Zivilist auf russischem Staatsgebiet ums Leben gekommen. Das russische Außenministerium sowie zahlreiche Medien beschuldigen die ukrainische Regierung einer Provokation. Ein Pressespiegel vom 14. Juli 2014.

„Kommersant": Russisch-ukrainische Spannungen verschärfen sich

Die Zeitung „Kommersant" berichtet, dass der Konflikt in der Ukraine erstmals zu Opfern auf russischem Staatsgebiet geführt hat. In Donezk, dem zur ukrainischen Stadt gleichnamigen Ort in der russischen Region Rostow, starb infolge einer Beschießung der ukrainischen Armee ein russischer Staatsbürger. Doch sowohl die ukrainischen Regierungstruppen als auch die Aufständischen bestreiten, am Beschuss des russischen Territoriums beteiligt gewesen zu sein.

„Kommersant" erinnert daran, dass die Kämpfe um den Grenzkontrollpunkt Iswarino schon seit zwei Wochen andauern. Iswarino ist einer der letzten Grenzkontrollpunkte, die durch die Aufständischen kontrolliert werden. „Die Positionen der Aufständischen in diesem Gebiet sind in der letzten Zeit verstärkt worden. Nachdem mehrere Schlüsselpunkte in der Donezk-Region verlassen wurden, ist es zu einer Verstärkung der Grenze gekommen", schreibt die Zeitung. Nach Ansicht von „Kommersant" verschärfte die Tragödie im russischen Donezk die ohnehin schon angespannten Beziehungen zwischen Moskau und Kiew.

 

„Moskowskij komsomolez": Russische Bürger wurden zu Poroschenkos Opfern

„Moskowskij komsomolez" berichtet, dass „die Explosionen, die in der Ortschaft Dwadzatka der Region Rostow zu hören waren, ganz Russland erschütterten". Zum ersten Mal gehören auch russische Zivilisten zu den Opfern, betont die Zeitung. Weiterhin berichtet „Moskowskij Komsomolez", dass die Lage in Dwadzatka und anderen grenznahen russischen Ortschaften äußerst kompliziert sei. „Es kommen laufend Flüchtlinge aus der Ukraine an. Ein Teil von ihnen bleibt in der Zeltstadt unweit der Grenze, ein anderer kommt bei der Bevölkerung unter, die sie kostenlos bei sich aufnimmt", schreibt die Zeitung.

Doch viele fahren nach Angaben der Zeitung weiter ins russische Inland, dorthin, wo es für sie ungefährlich ist. „Der Grund ist simpel: Auf der ukrainischen Seite sind die Explosionen zu hören. Es herrscht ein ohrenbetäubender Lärm, der den Leuten das Leben schwer macht", erklärt die „Moskowskij Komsomolez". Die Zeitung meint, dass die russischen Bürger Opfer des Plans von Poroschenko zur Sicherung der Grenzen zu Russland geworden seien.

 

„Nesawisimaja Gaseta": Kiew provoziert Moskau

Die „Nesawisimaja Gaseta" berichtet, dass Moskau Kiew der Provokation an seiner westlichen Grenze beschuldigt. Unter Verweis auf die Meldung

des russischen Außenministeriums schreibt die Zeitung, dass der Beschuss des russischen Städtchens Donezk in der Region Rostow „von einer gefährlichen Eskalation der Anspannungen im Gebiet der russisch-ukrainischen Grenze" zeuge.

Außerdem meldet die „Nesawisimaja", dass die Ermittlungskommission des Südlichen Föderalbezirks ein Strafverfahren nach Artikel 105 des Strafgesetzbuchs „Gemeingefährliche Tötung zweier oder mehrerer Personen durch eine Personengruppe" eingeleitet hat.

„Der Vorfall könnte eine Provokation der ukrainischen Regierung sein, die das Ziel hat, Russland in einen bewaffneten Konflikt hineinzuziehen, um selbst eine Offensive auf der Krim beginnen zu können", schreibt die „Nesawisimaja".

 

„Wedomosti": Droht ein Gegenschlag?

Die Zeitung „Wedomosti" merkt an, dass parallel zu den Drohungen des russischen Außenministeriums bereits motorisierte Einheiten an der Grenze zur Ukraine stationiert werden. Außerdem zitiert das Blatt die Meldung des stellvertretenden russischen Außenministers Grigorij Karasin, der unterstrich, dass „infolge einer gefährlichen Eskalation an der Grenze eine

qualitativ neue Bedrohung für russische Bürger entstanden ist". Karasin drohte daraufhin mit einer „harten Intervention".

„Auch wenn die Äußerungen des Außenministeriums möglichen Militäraktionen von russischer Seite vorausgehen, so kann man, nach Angaben einer Quelle, die dem russischen Verteidigungsministerium nahesteht, von keiner Gefahr einer Verwendung des Militärs auf dem Gebiet der Ukraine reden", schreibt „Wedomosti". Doch der Gesprächspartner der Zeitung schloss nicht aus, dass Gegenfeuer eröffnet werden könnte, wenn das russische Territorium erneut beschossen wird.

 

„Rossijskaja Gaseta": Flüchtlinge werden umgeleitet

In der „Rossijskaja Gaseta" erschien ein Artikel über die Folgen des Beschusses des russischen Gebiets. Nach Angaben der Zeitung verlagern die Behörden der Region Rostow die Flüchtlingslager weiter von der Grenze weg. „Das dient der Sicherheit der Menschen", versichert die Zeitung. Ein Teil der Bewohner des Donezk-Beckens, die in die grenznahen russischen Gebiete gekommen sind, werden nun in andere Regionen Russlands geschickt, schreibt die „Rossijskaja Gaseta". Außerdem nehmen die Behörden der Rostow-Region ungeachtet der Schließung von Grenzübergängen durch das ukrainische Militär weiterhin Bürger aus den südöstlichen Regionen der Ukraine bei sich auf.