Partnerschaften: Lateinamerika begrüßt Putin

Teilnehmer des BRICS-Gipfels in Brasilien. Foto: Pressebild

Teilnehmer des BRICS-Gipfels in Brasilien. Foto: Pressebild

Präsident Wladimir Putin hat kürzlich seine sechstägige Rundreise durch Lateinamerika beendet. Bei zahlreichen Treffen wurden Projekte im Bereich der Energiewirtschaft, des Transportwesens, der Zivilluftfahrt sowie der friedlichen Erforschung des Weltraums erörtert.

Nach Abschluss einer sechstägigen Rundreise durch Lateinamerika erklärte Präsident Wladimir Putin, dass Russland seine „Präsenz in dieser außerordentlich interessanten und sehr aussichtsreichen Region der Welt wiederherstellen" müsse. In diesem Sinne zeugt der Besuch des russischen Staatsoberhauptes in Südamerika davon, dass sich Russland der wachsenden Bedeutung dieser Region für die Weltwirtschaft und -politik bewusst ist.

„Dass sich Wladimir Putin eine ganze Woche lang Zeit für die Reise in diese Region genommen hat, ist höchst bemerkenswert", sagt Wladimir Dawydow, der Direktor des Lateinamerika-Instituts der Russischen Akademie der Wissenschaften, gegenüber RBTH. „Auf den ersten Blick erscheint diese Reise als unzulässiger Luxus, jetzt, da an der russischen Grenze eine akute Krise zu beobachten ist. Auf den zweiten Blick ist eine solche Tour jedoch so bedeutsam wie nie zuvor. In einer Situation, in der der Westen versucht, Russland in die ‚ukrainische Falle' zu treiben, ist sie ein Beleg dafür, dass das Land durchaus in der Lage ist, alte Bündnispartner zurückzugewinnen und neue zu finden."

Dieser Besuch hat gezeigt, dass Russland und Lateinamerika voneinander abhängig sind. So wurden zum Beispiel dem kubanischen Staat, wo am vergangenen Freitag Putins Reise begann, 90 Prozent der noch aus Sowjetzeiten stammenden Schulden erlassen, insgesamt 31,7 Milliarden US-Dollar (rund 23,5 Millionen Euro). Die restlichen zehn Prozent sollen innerhalb der nächsten zehn Jahre getilgt und in die kubanische Wirtschaft reinvestiert werden. Russische Unternehmen sollen zu geologischen Erkundungsarbeiten auf dem kubanischen Schelf, zum Bau eines Wasserkraftwerksg sowie eines Verkehrsknotens hinzugezogen werden. Zudem sollen russische Experten bei der Modernisierung eines Hochseehafens und der Schaffung einer Sonderwirtschaftszone mitwirken.

In Nicaragua, wo Putin zu einem spontanen Besuch eintraf, wurden die möglichen Aussichten für eine zukünftige Zusammenarbeit erörtert. Präsident Daniel Ortega übertrieb keineswegs, als er den Blitzbesuch seines russischen Kollegen ein historisches Ereignis nannte. Putin versprach Ortega, die Frage der Lieferung von Weizen aus Russland „zur Befriedigung der Grundbedürfnisse" zu prüfen. Außerdem wird Russland Nicaragua mit Landwirtschaftstechnik und der entsprechenden Instandhaltungs- und Reparaturinfrastruktur versorgen sowie möglicherweise auch Bodenstationen des Navigationssystems Glonass installieren. Das Wichtigste sei jedoch, Nicaragua bei der Errichtung des großen interozeanischen Kanals zu unterstützen, der eine Alternative zum Panamakanal werden soll.

 

Strategische Partner in Südamerika

Die Begegnung des russischen Präsidenten mit den Staatsoberhäuptern Argentiniens und Brasiliens hatte einen sehr komplexen Charakter. Putin zufolge ist das heutige Argentinien einer der wichtigsten Partner Russlands in Lateinamerika. „Unsere Länder vertreten vergleichbare Positionen zu den größten globalen Problemen. Wir haben gemeinsame Prinzipien hinsichtlich einer polypolaren Welt, die von Gleichberechtigung, gegenseitiger Achtung und der Unteilbarkeit der internationalen Sicherheit geprägt ist", bemerkte das russische Staatsoberhaupt in Buenos Aires. Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner bekundete ihre Solidarität mit Russland in der Krim-Frage. Sie warf dem Westen eine Doppelmoral bezüglich der beiden Referenden auf der Krim und den Falklandinseln vor.

Bei den Gesprächen in Buenos Aires wurden gemeinsame Projekte im Bereich der Energiewirtschaft, des Transportwesens, der Zivilluftfahrt, der friedlichen Erforschung des Weltraums und des Gesundheitswesens erörtert. Es wurden Regierungsvereinbarungen auf den Feldern der Atomenergie und der Rechtsprechung sowie ein bilateraler Vertrag im Bereich der Massenmedien unterzeichnet.

Neben der Übergabe des „Staffelstabs" an Russland als Veranstalter der Fußball-Weltmeisterschaft 2018 sah die brasilianische Tagesordnung auch die Teilnahme an dem zweitägigen BRICS-Gipfel vor, der ebenfalls eine umfangreiche wirtschaftliche Agenda hatte: Es wurde ein ganzes Paket an

Dokumenten aus den Bereichen der Energiewirtschaft, Luftfahrt, militärtechnischen Zusammenarbeit sowie der Zollabfertigung unterzeichnet. Zusätzlich wurde ein Memorandum zur Errichtung von Bodenstationen des Navigationssystems Glonass verabschiedet.

Unzufriedenheit äußerten Putin und seine Amtskollegin Dilma Rousseff jedoch hinsichtlich der russisch-brasilianischen Handelsbeziehungen, obgleich der Warenumsatz Russlands mit Brasilien jenen mit anderen Ländern der Region übersteigt. Russische Unternehmen sind in Brasilien noch nahezu unbekannt und sowohl der Import als auch der Export sind kaum diversifiziert. Zudem sind das Verrechnungssystem sowie die Investitions- und die wissenschaftlich-technische Zusammenarbeit noch nicht genügend ausgeprägt.

Im Laufe seines Brasilien-Besuchs traf sich Präsident Putin zudem mit den Präsidenten von insgesamt elf südamerikanischen Staaten. Mit drei von ihnen – den Staatsoberhäuptern Venezuelas (Nicolas Maduro), Uruguays (José Mujica) und Boliviens (Evo Morales) – führte Putin bilaterale Gespräche. Die Ergebnisse der Treffen bestätigen noch einmal, dass sowohl Russland als auch Lateinamerika an einer Vertiefung der Zusammenarbeit interessiert sind.

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