Ukraine im Medienspiegel: Die Frage nach der Schuld

Laut „Gazeta.ru“ wurde auch in den USA kritisiert, dass als Beweise Mitteilungen in sozialen Netzwerken herangezogen worden seien, ohne diese auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen. Foto: Reuters

Laut „Gazeta.ru“ wurde auch in den USA kritisiert, dass als Beweise Mitteilungen in sozialen Netzwerken herangezogen worden seien, ohne diese auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen. Foto: Reuters

Die russischen Medien sind sich einig: Beweise für eine Beteiligung Russlands am Absturz der malaysischen Passagiermaschine in der vergangenen Woche gibt es nicht, jedenfalls bleiben die USA sie bisher schuldig. In Brüssel sei man mit Vorverurteilungen zurückhaltender, prüfe aber dennoch die Ausweitung von Sanktionen gegen Russland. Der Medienspiegel vom 23. Juli.

Kommersant“: USA halten angebliche Beweise zurück

Die Zeitung „Kommersant“ berichtet, es habe nach dem Absturz des malaysischen Passagierflugzeugs MH17 ein geheimes Briefing von Vertretern der US-Geheimdienste gegeben. Nach Auffassung der USA sei das Flugzeug von einem durch die Volksmilizen kontrollierten Gebiet aus abgeschossen worden, schreibt „Kommersant“. Die USA gingen davon aus, dass die Aufständischen das Flugzeug „aus Versehen“ abgeschossen hätten, verfügten jedoch nicht über nähere Informationen. 

Eine Beteiligung der Russischen Föderation am Flugzeugabsturz hätten die US-Geheimdienste nicht nachweisen können, betont die Zeitung. Die Angaben des russischen Verteidigungsministeriums zum möglichen Ablauf des Unglücks bezeichneten die USA dennoch als „haltlos“, wie „Kommersant“ erklärt. Die auf Seiten der USA Verantwortlichen hätten es allerdings abgelehnt, angeblich dokumentierte Nachweise zur Unterstützung ihrer These an die Presse zu übergeben. „Die US-Geheimdienste trafen ihre Schlussfolgerungen laut eigener Aussage aufgrund von Satellitenbildern, mitgezeichneten Gesprächen und Daten aus sozialen Netzwerken“, schreibt die Zeitung.

 

Nesawissimaja Gaseta“: EU lässt sich von den USA nicht unter Druck setzen

Berichten der „Nesawissimaja Gaseta“ zufolge hat sich der Absturz von MH17 nicht wesentlich auf die Haltung der Europäischen Union im Hinblick

auf Sanktionen gegen Russland ausgewirkt. Nach Angaben der Zeitung hat der Rat für Auswärtige Angelegenheiten der EU zwar den Auftrag erteilt, bis zum Donnerstag weitere natürliche und juristische Personen, die für die Eskalation des Konflikts in der Ostukraine verantwortlich seien, für seine Sanktionsliste vorzuschlagen. Von einem Weckruf für Brüssel, wie die USA behauptet haben, könne allerdings keine Rede sein, erklärt die Zeitung. Die „Nesawissimaja Gaseta“ vermutet, dass Brüssel in Bezug auf Russland in der nächsten Zeit restriktive Maßnahmen im Verteidigungsbereich ergreifen könnte. „Die Europäische Union könnte den Zugang Russlands zu den Finanzmärkten und geheimen Technologien einschränken, wenn die russische Regierung den Forderungen der UN-Resolution vom Montag nicht nachkommen sollte“, schreibt die Zeitung.

In den USA gehe man davon aus, dass die Volksmilizen, die nach US-amerikanischer Sichtweise für den Abschuss der Passagiermaschine verantwortlich seien, von Russland gesteuert werden. Angebliche Beweise für die Schuld der Aufständischen basierten auf Daten aus sozialen Netzwerken und einer allgemeinen Einschätzung zur Lage in der Ukraine sowie auf Geheimdienstinformationen, die bisher jedoch nicht veröffentlicht wurden, so die „Nesawissimaja Gazeta“.

 

Gazeta.ru“: Beweise wurden manipuliert

Die Onlinezeitung „Gazeta.ru“ zweifelt an den angeblichen Beweisen der US-Regierung, die eine Mitschuld Russlands am Flugzeugabsturz belegen sollen. Die amerikanischen Geheimdienste hätten fast eine Woche nach dem Absturz von MH17 keine Beweise gegen Russland vorlegen können, heißt es.

Laut „Gazeta.ru“ wurde auch in den USA kritisiert, dass als Beweise Mitteilungen in sozialen Netzwerken herangezogen worden seien, ohne diese auf ihren Wahrheitsgehalt zu überprüfen. Diese, teilweise gefälschten, Mitteilungen seien auch

von der ukrainischen Regierung ungeprüft verbreitet worden, behauptet „Gazeta.ru“. Die Zeitung führt eine Quelle aus dem Umfeld der amerikanischen Geheimdienste an, die auf ein von der ukrainischen Regierung veröffentlichtes Video hinweist. Es zeige, wie ein Buk-Raketenwerfer, der  ursächlich für den Absturz von MH17 gewesen sein soll, über die Grenze zurück auf russisches Territorium gebracht worden sei. Es habe sich aber herausgestellt, dass dieses Video nicht in Zusammenhang mit den aktuellen Ereignissen gestanden habe. Die Zeitung bemerkt, dass auch der Generalstab des russischen Verteidigungsministeriums der ukrainischen Regierung vorwerfe, Beweise gefälscht zu haben.

Ungeachtet dessen, so schreibt die „Gazeta.ru“ weiter, seien die US-Geheimdienste auch weiterhin der Ansicht, dass „Russland die Voraussetzungen für die Tragödie geschaffen hat, indem Russland die Aufständischen mit Waffen versorgte“. Der Außenminister der USA, John Kerry, habe Russland beschuldigt, direkt am Abschuss von MH17 beteiligt gewesen zu sein, berichtet die Zeitung. Moskau hätte diese Anschuldigungen zurückgewiesen und die USA aufgefordert, die Untersuchungen abzuwarten.   

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