Tod russischer Journalisten: Beweise belasten ukrainische Pilotin

Nadeschda Sawtschenko.Foto: ITAR-TASS

Nadeschda Sawtschenko.Foto: ITAR-TASS

Russische Ermittler haben Beweise für eine Beteiligung der inhaftierten ukrainischen Pilotin Nadeschda Sawtschenko am Tod zweier russischer Journalisten gefunden. Sawtschenko erklärte unterdessen in einem Interview eine Beteiligung der Volksmilizen am Absturz von Flug MH17 für unwahrscheinlich.

Die ukrainische Hubschrauberpilotin Nadeschda Sawtschenko wurde am Freitag vergangener Woche unter dem Verdacht festgenommen, für den Tod der Journalisten Anton Woloschin und Igor Korneljuk verantwortlich zu sein. Die Mitarbeiter des Staatssenders Rossija-24 waren am 17. Juni nahe der Ortschaft Lugansk unter Beschuss geraten und dabei ums Leben gekommen.

Sawtschenko wird verdächtigt, den Standort der Journalisten und sich in der Nähe aufhaltender Flüchtlinge per Mobiltelefon an Soldaten der ukrainischen Armee weitergegeben zu haben. Das hätten die Verbindungsdaten ihres von russischen Ermittlern sichergestellten Mobiltelefons ergeben, erklärte Aleksandr Drymanow, Leiter des Komitees zur Untersuchung von Verbrechen unter Einsatz verbotener Mittel und Methoden der Kriegsführung in einem Interview mit der Zeitung „Kommersant". Daraufhin hätte die ukrainische Armee gezielt Granaten in dieses Gebiet gefeuert. Bei Sawtschenko sei zudem eine Landkarte gefunden worden, auf der unter Granatbeschuss geratene Gebiete markiert worden waren.

Drymanow erklärte, dass das Untersuchungskomitee in Abwesenheit Anklage gegen Sergej Melnitschuk, Kommandeur des ukrainischen Bataillons „Ajdar" im Südosten der Ukraine erheben werde. „Seine Soldaten haben die Granaten abgefeuert, die zum Tode der Journalisten geführt haben", sagte Drymanow.

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko versprach unterdessen via Twitter, sich mit allen Kräften für die Freilassung Sawtschenkos einzusetzen. Sie gebe allen Männern ein gutes Beispiel, twitterte er. Sawtschenko sitzt zurzeit in einem Gefängnis im an die Ukraine grenzenden Verwaltungsgebiet Woronesch.

 

Sawtschenko gibt Interview zu MH17

In dieser Woche gab Nadeschda Sawtschenko dem russischen Sender Life News ein Interview, das erste nach ihrer Festnahme. Sie äußerte sich darin zum Absturz der malaysischen Passagiermaschine in der vergangenen Woche.

Sie erklärte, dass die Volksmilizen ihrer Meinung nach nicht verantwortlich für den Absturz gewesen sein könnten. Unter den Aufständischen gebe es zwar fähige Soldaten, sagte sie. Die Bedienung eines Buk-Raketenwerfers,

mit dem Flug MH17 abgeschossen worden sein soll, erfordere jedoch Spezialwissen, insbesondere, wenn ein Ziel in so großer Höhe anvisiert werde. Das fehle den Volksmilizen. Zudem hätten sie das Abschuss-Szenario intensiv trainieren müssen, so Sawtschenko. „Da müsste schon ein Spezialist zu den Volksmilizen übergelaufen sein", erklärte die ukrainische Soldatin.

Sawtschenko forderte dazu auf, die Kampfhandlungen so schnell wie möglich einzustellen: „Ich denke, es ist an der Zeit, alles zu beenden und in verschiedene Richtungen zu gehen", sagte sie. Die ukrainischen Streitkräfte sollten sich aus dem Donbass zurückziehen, denn die Menschen in der Region würden „an ihr Recht glauben und niemals aufgeben", so Sawtschenko.

 

Wie es zur Verhaftung kam

Nadeschda Sawtschenko erklärte, sie sei am Tag nach dem Tode der beiden russischen Journalisten von Aufständischen im Verwaltungsgebiet Lugansk verhaftet worden, als sie ukrainischen Soldaten bei der Evakuierung von Verletzten half. „Ich wurde festgenommen, als ich nahe der Ortschaft Metallist um ein Fahrzeug für den Transport von Verletzten bat", wird sie von der russischen Zeitung „Komsomolskaja Prawda" zitiert.

Am Tag nach ihrer Verhaftung kursierte bei Youtube ein Video, das Sawtschenko in Handschellen bei einer Vernehmung durch Unbekannte

zeigte. Sawtschenko weigerte sich, auf Fragen nach der Truppenstärke oder Standorten der ukrainischen Armee zu antworten. Ihre Beteiligung an den Kampfhandlungen im Südosten der Ukraine gibt sie zu. Sie kämpfe freiwillig im Bataillon „Ajdar". Mit dem Tode der beiden russischen Journalisten habe sie jedoch nichts zu tun, wie sie immer wieder betont.

Die 31-jährige Nadeschda Sawtschenko ist Angehörige der ukrainischen Streitkräfte und fliegt Einsätze als Kampfpilotin mit einem Hubschrauber vom Typ Mi-24. Sie hat eine Militärschule der Luftlandetruppen besucht und 2009 ein Studium an der Charkower Iwan-Koschedub-Luftwaffen-Universität abgeschlossen. Sie war mit ukrainischen Friedenstruppen im Irak im Einsatz.

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