Ukraine im Medienspiegel: Droht der Ostukraine der Super-GAU?

"Kommersant": Poroschenko will durch Maidan-Räumung nächsten Aufstand vermeiden. Foto: Reuters

"Kommersant": Poroschenko will durch Maidan-Räumung nächsten Aufstand vermeiden. Foto: Reuters

Am 11. August berichten die russischen Medien unter anderem über den Beschuss einer Chemiefabrik durch ukrainisches Militär, vergebliche Friedensbemühungen des weißrussischen Präsidenten Lukaschenko und die Angst Poroschenkos, das gleiche Schicksal wie sein Vorgänger zu erleiden.

„Moskowskij komsomolez" - Ukrainische Armee riskiert Umweltkatastrophe

Die Zeitung „Moskowskij komsomolez" berichtet über den Beschuss von „Stirol", einer der größten Chemiefabriken der Ukraine in der Stadt Gorlowka, durch die ukrainische Armee. Wenn das Werk weiter durch Geschosse getroffen werde und Chemikalien austreten würden, drohe der Region eine Umweltkatastrophe, schreibt die Zeitung. In der Fabrik werde Mononitrochlorbenzol gelagert, ein Stoff, der das menschliche Blut schädigen kann. Die Zeitung verweist auf Aussagen von Pawel Brykow, Pressesprecher des Konzerns, dass im Falle eines Austritts der Chemikalie ein Gebiet in einem Radius von 300 Kilometer rund um Gorlowka verseucht werden könnte.

 

„Kommersant" – Poroschenko fürchtet einen neuen Maidan

Die Zeitung „Kommersant" berichtet von der Räumung des Kiewer Unabhängigkeitsplatzes. Am 7. August sei es auf dem als Maidan bekannt gewordenen Platz zu Zusammenstößen zwischen Demonstranten und der Polizei gekommen. Am Sonntag hätte sich die Lage beruhigt, schreibt „Kommersant". Der Kiewer Bürgermeister Witalij Klitschko hätte erklärt, dass mit der sogenannten „Selbstverteidigung des Maidan" eine Einigung hätte erzielt werden können. Ein von „Kommersant" befragter Experte erklärte, weshalb die Dauerdemonstranten nun vertrieben worden seien: Seinen Worten zufolge fürchte der ukrainische Präsident angesichts der bevorstehenden Neuwahlen zur Werchowna Rada das gleiche Schicksal wie sein Amtsvorgänger zu erleiden. Poroschenko wolle daher „das Element der Instabilität" aus der Hauptstadt verbannen, damit sich die Maidan-Bewegung nicht erneut formieren könne, so der Experte.

 

„Nesawissimaja gaseta" - Lukaschenko: „Frieden in der Ukraine braucht niemand"

„Nesawissimaja gaseta" schreibt, dass der weißrussische Präsidenten Alexandr Lukaschenko ein Treffen der Staatschefs der Zollunion Russland-Belarus-Kasachstan mit dem ukrainischen Präsidenten Petro Poroschenko angeregt habe, um dabei einen aus seiner Sicht akzeptablen

Plan zu Beilegung des Konflikts in der Ukraine vorzustellen. Lukaschenko habe erklärt, so die „Nesawisimaja gaseta", diesen Plan auch Vertretern des Westens dargelegt zu haben, doch habe er kein Gehör gefunden. „Einen Frieden in der Ukraine braucht niemand" habe Lukaschenko daraufhin, an den Westen adressiert, erklärt. Experten diskutieren, ob Lukaschenko tatsächlich Einfluss ausüben könnte oder ob es sich bei seiner Aktion nur um Öffentlichkeitsarbeit gehandelt habe, berichtet die Zeitung.

 

„Wedomosti" - Hilfe für Lugansk durch das Rote Kreuz nur nach Poroschenkos Spielregeln

Die Zeitung „Wedomosti" berichtet, dass der ukrainische Präsident Petro Poroschenko am 9. August in Gesprächen mit dem Vizepräsidenten der USA, Joe Biden, und Bundeskanzlerin Angela Merkel erklärt habe, die Ukraine sei nur bereit, für Luhansk Hilfe vom Internationalen Roten Kreuz anzunehmen, wenn diese vom ukrainischen Militär kontrolliert werde. Zudem müsse die Hilfe ohne Beteiligung ausländischen Militärs bereitgestellt werden, soll Poroschenko laut „Wedomosti" gefordert haben.

 

„Nowaja gaseta" –Ukrainische Soldaten nach Hause geschickt

Die Zeitung „Nowaja gaseta" meldet, dass fünf ukrainische Militärangehörige nach Hause geschickt wurden. Die fünf waren zuvor in

der Region Rostow in Russland festgenommen worden. Die Zeitung schreibt, dass sie nicht strafrechtlich verfolgt werden, weil Iwan Wojtenko, Kommandant der 72. Brigade und seine vier Mitstreiter nur Befehle ausgeführt und zudem keine direkten Verbrechen gegen Personen verübt hätten. „Nowaja gaseta" berichtet, die ukrainischen Soldaten seien der Verwendung verbotener Mittel der Kriegsführung, des Beschusses russischen Territoriums sowie der Beteiligung an Verbrechen gegen die Zivilbevölkerung auf dem Gebiet der Regionen Luhansk und Donezk in der Ukraine verdächtigt worden.

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