Ukraine im Medienspiegel: Berliner Krisengipfel und der Hilfskonvoi

Der Hilfskonvoi bleibt noch in Russland. Foto: Maxim Blinow/RIA Novosti

Der Hilfskonvoi bleibt noch in Russland. Foto: Maxim Blinow/RIA Novosti

Die russischen Medien berichten am 18. August über die russischen Hilfstransporte, über die Wiederaufnahme der Gespräche zwischen den Außenministern Russlands und der Ukraine, über den Versuch eines ukrainischen Oligarchen, Einfluss auf Poroschenko zu nehmen.

„Kommersant": Putin und Poroschenko müssen direkt miteinander sprechen

Die Zeitung „Kommersant" berichtet über die Wiederaufnahme der Gespräche zwischen den Außenministern Russlands, der Ukraine, Deutschlands und Frankreichs in Berlin, die allerdings ohne konkretes Ergebnis beendet wurden. Die Gespräche seien von der Eskalation des Konflikts im Osten der Ukraine und den wachsenden Kosten für alle Beteiligten geprägt gewesen, heißt es bei „Kommersant". Die Zeitung fordert die politische Ebene zur Lösung des Konflikts auf. Die Ansichten über mögliche Lösungswege gingen bei den Konfliktparteien jedoch radikal auseinander, daher sei man von bedeutenden Fortschritten noch weit entfernt.

„Kommersant" zitiert den ukrainischen Politologen Wladimir Fesenko mit den Worten, dass die diplomatischen Anstrengungen auf ein direktes Treffen der Präsidenten Putin und Poroschenko gerichtet sein müssten, im Zuge dessen die gesamte Bandbreite der aktuellsten bilateralen Fragen diskutiert werden solle. Nach Ansicht Fesenkos, so „Kommersant", würde die Ukraine unter keinen Umständen den Konflikt unter der Bedingung einer Anerkennung der selbsternannten Volksrepubliken im Osten ihres Landes beenden. Jedoch sei sie möglicherweise bereit, dem Donezbecken einen besonderen Status bei dezentralisierter Macht einzuräumen, meinte Fesenko gegenüber „Kommersant".

 

„Expert": Hilfstransporte dürfen die Grenze passieren

Das Magazin „Expert" berichtet, dass Russland und die Ukraine Zollbestimmungen und Prüfregeln vereinbart hätten, damit die Kolonne russischer Lastwagen, die zurzeit an der Grenze aufgehalten werde, als humanitärer Hilfstransport anerkannt werden könne. Der Konvoi soll nach Informationen von „Expert" am Montag oder Dienstag seinen Bestimmungsort in der Ukraine anfahren. „Expert" berichtet außerdem, dass die Kämpfe im Donezbecken fortgesetzt würden und das ukrainische Militär vorrücke und dabei die Städte mit schwerer Artillerie beschieße.

 

„Wsgljad": Ukraine tut alles, um Hilfe hinauszuzögern

Auch die Onlinezeitung „Wsgljad" berichtet über den russischen Hilfstransport. Laut „Wsgljad"-Autorin Marina Baltatschewa sei „zu hundert Prozent die ukrainische Seite" dafür verantwortlich, dass der Transport sein Ziel noch nicht erreicht habe. Die Ukraine tue „alles Mögliche, damit die Güter die Grenze nicht überschreiten", so Baltatschewa.

 

„Gazeta.ru": Rechter Sektor setzt Poroschenko unter Druck

„Gazeta.ru" veröffentlichte einen Artikel zum Konflikt zwischen Dmitrij Jarosch, dem Anführer des sogenannten „Rechten Sektors" und der ukrainischen Regierung. Der Anführer der nationalistischen Organisation habe Petro Poroschenko ein Ultimatum gestellt und mit einem Aufmarsch in Kiew gedroht, falls die Behörden die seiner Ansicht nach illegitimen Verhaftungen und körperlichen Übergriffe auf Aktivisten nicht beenden würden. Jarosch habe eine Reform des ukrainischen Polizeiwesens gefordert, berichtet „Gazeta.ru". Ein Teil seiner Forderungen sei erfüllt worden, daher habe Jarosch das Ultimatum nun aufgehoben. Das Online-Magazin zitiert den ukrainischen Journalisten Anatolij Scharij, der hinter Jaroschs Auftritt Igor Kolomojskij vermutet, einen einflussreichen ukrainischen Oligarchen und Gouverneur von Dnepropetrowsk. Sollte sich Poroschenko dem Druck des Oligarchen beugen, wäre das nach Meinung Scharijs „sein Ende", heißt es bei „Gazeta.ru".

 

„Iswestija": Die Ukraine ist ein „schwankendes Land"

Der Politologe und Journalist Boris Meschujew widmet sich in einer Kolumne für die Zeitung „Iswestija" möglichen Ursachen des Konflikts im

Osten der Ukraine und kommt zu dem Schluss, ihm läge ein „Zusammenstoß der Zivilisationen" zugrunde. Seiner Ansicht nach ist die Ukraine ein „schwankendes Land, das nach dem Zivilisationsprinzip gespalten ist". Die eine Hälfte sei gen Westen und die andere in Richtung Russland ausgerichtet. Meschujew vergleicht die Ukraine mit dem ehemaligen Jugoslawien, einem Staat, der aufgrund des Konflikts zwischen Anhängern ganz unterschiedlicher kulturell-historischer Werte untergegangen sei. Meschujew resümiert, dass in einer modernen Welt die territoriale Integrität von Nationen, die sich zu unterschiedlichen Zivilisationen zugehörig fühlen, immer unbeständig sein würde.

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