Umfrage: Russen sind mit Putin zufrieden

Laut einer Umfrage sind die Russen mit ihrem Präsidenten hochzufrieden. Foto: Alexej Druschinin/RIA Novosti

Laut einer Umfrage sind die Russen mit ihrem Präsidenten hochzufrieden. Foto: Alexej Druschinin/RIA Novosti

Die meisten Russen sind mit ihrem Präsidenten zufrieden, wie eine aktuelle Befragung durch das Lewada-Zentrum zeigt. Ausschlaggebend dafür seien ein gestiegener Einfluss Russlands in der Welt und Optimismus im eigenen Land. Nicht alle Experten können das verstehen.

Die Russen bewerten Putins Stellung in der Welt und die Verteidigungskraft Russlands wieder besser. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Umfrage zu den Leistungen Wladimir Putins, die das Meinungsforschungsinstitut Lewada-Zentrum unter der russischen Bevölkerung durchgeführt hat.

Der Umfrage zufolge erachten 30 Prozent der Russen als größten Erfolg Putins die Stärkung der Position Russlands in der Welt. Befragungen, die bereits im Vorfeld vom Allrussischen Meinungsforschungszentrum WZIOM durchgeführt wurden, scheinen dies zu bestätigen. Demnach schätzten die Bürger die Kompetenz (21 Prozent) und Zielstrebigkeit (20 Prozent) des Präsidenten hoch ein, auch in der Außenpolitik.

Hauptgründe für den erneuten Anstieg der Popularität Putins sind dem Lewada-Zentrum zufolge die Angliederung der Krim und das Verhalten Russlands in der Ukraine-Krise. Vor der Krise in der Ukraine habe die russische Bevölkerung das entschiedene Auftreten Putins in der Syrien-Krise und seine offene Ablehnung einer militärischen Intervention in diesem Land sowie das konstruktive Verhalten Russlands in den Verhandlungen um das Atomprogramm des Iran positiv aufgenommen. Darüber hinaus sind von 28 Prozent der Befragten die Erhöhung der Kampfkraft der Armee und die Militärreformen positiv bewertet worden.

In den Bereichen Demokratie, politische Freiheit der Bürger und Kampf gegen die Korruption hingegen hat das russische Staatsoberhaupt nach Meinung der Befragten am wenigsten erreicht. Auch die Terrorismus- und Verbrechensbekämpfung sowie die Verbesserung der internationalen Beziehungen seien nicht von besonderem Erfolg gekrönt gewesen. 16 Prozent der Befragten sahen gar keine Erfolge Putins, 15 Prozent konnten oder wollten keine Aussage dazu treffen.

Die wirtschaftliche Entwicklung Russlands wurde ebenfalls vornehmlich positiv bewertet. Demnach ist jeder vierte Russe mit der Entwicklung seines Lebensstandards, dem Anstieg seines Gehalts und seiner Rente zufrieden.

Unzufriedenheit ruft nach wie vor die Korruption hervor, aber auch, dass man es nicht geschafft habe, den Einfluss der Oligarchen einzudämmen. Auch die Bedingungen für Privatunternehmen seien noch immer unannehmbar, kritisieren die Befragten.

Der russische Politologe Andreij Piontkowski versteht den Optimismus hinsichtlich der wirtschaftlichen Lage nicht. „Zurzeit stellen Ökonomen eine Verschlechterung der Wirtschaftsparameter fest. In diesem Jahr beispielsweise gibt es überhaupt kein Wirtschaftswachstum“, sagt der Experte und fügt hinzu: „Auch die Privathaushalte spüren, dass die Entwicklung der Wirtschaft sich verschlechtert. Die Preise, besonders für Lebensmittel, steigen. Das liegt weniger an den Wirtschaftssanktionen der EU als an unseren eigenen Sanktionen.“

 

Putin ist ein Problemlöser und Macher

Zu den Erfolgen Wladimir Putins zählen laut Lewada-Zentrum auch, dass der Optimismus und die Hoffnung auf eine Verbesserung der Situation Russlands gestiegen sind, Moral und Sitten einen höheren Stellenwert einnehmen, die Probleme in Tschetschenien gelöst wurden und allgemein die Zusammenarbeit mit den GUS-Staaten sich verbessert hat.

Sergej Michejew, Direktor des Zentrums für das politische Klima, meint, dass „die starke Außenpolitik Wladimir Putins den Russen gefallen muss“, und erklärt: „In den 1990er-Jahren gab es in Russland keine starke und charismatische politische Figur, die ein Gegengewicht zur internationalen Gemeinschaft hätte bilden können. Doch Putin äußert sich ohne Zögern zu heiklen internationalen Problemen und schlägt Lösungen vor. Das macht ihn so beliebt.“

Wladimir Putin sei ein guter Problemlöser, sagt auch Dmitri Jewstafjew, Politologe und Professor an einer Wirtschaftshochschule. Probleme in der Gesellschaft sehe er als Möglichkeiten. „Was der Präsident sagt, tut er auch. Die Bürger schätzen diese Qualität“, fügt er hinzu. Jewstafjew betont: „Man kann das Staatsoberhaupt für vieles kritisieren, doch für zwei Dinge nicht: Erstens hat Putin alle Projekte, die er persönlich in Angriff genommen hat, auch erfolgreich zu Ende geführt. Und zweitens hat er die Verpflichtungen,

die er auf sich genommen hat, immer erfüllt, auch wenn sie sich nicht mehr gelohnt haben. Das ist zu hundert Prozent die klassische russische Mentalität. Putin ist ein Opportunist im positiven Sinne.“

Daran glaubt Andrei Piontkowski nicht. Der Politologe meint, dass die Beliebtheit des Präsidenten vielmehr auf die Fernsehkanäle des Staatsfernsehens, die 24 Stunden am Tag senden, zurückzuführen sei. „Diesen nicht immer vollständigen und objektiven Informationen aus dem Fernseher glauben die meisten russischen Bürger ohne Wenn und Aber“, sagt Piontkowski. „Wenn die Isolation Russlands in der Welt und die beinahe feindlichen Beziehungen zu den führenden Weltmächten als Erfolg betrachtet werden, dann kann man den Ideologen unserer Fernsehsendungen zu ihren guten Ergebnissen gratulieren.“

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