Russland verstärkt Militärpräsenz auf der Krim

Russland schickt mehr Soldaten auf die Krim. Foto: Pressebild

Russland schickt mehr Soldaten auf die Krim. Foto: Pressebild

Russland reagiert auf die verstärkte militärische Präsenz der Nato in ihren osteuropäischen Mitgliedstaaten und will mehr Soldaten auf die Krim schicken. Die Ausrüstung der Schwarzmeerflotte wird modernisiert. Die Nato wertet das als Provokation und Gefahr für den Friedensprozess in der Ukraine.

Der Verteidigungsminister der Russischen Föderation, Sergej Schojgu, erklärte am Dienstag anlässlich einer Sitzung des Militär-Kollegiums, dass Russland seine Grenzen militärisch stärker sichern wolle. Das sei notwendig geworden wegen der Eskalation der Ukraine-Krise und der verstärkten militärischen Präsenz durch ausländische Streitkräfte in den Grenzregionen Russlands, erklärte der Minister. Durch die Eingliederung der Halbinsel Krim in die Russische Föderation habe sich zudem der südliche Militärkreis des Landes vergrößert. Dort sollen die zusätzlichen Soldaten stationiert werden.

Angaben zur Truppenstärke machte Schojgu vorerst nicht. Moskau wolle eine „vollständige und autarke Militäreinheit in die Krim-Zone“ entsenden, zitieren zahlreiche Medien den Minister. „Die Situation in der Ukraine hat sich gravierend verschärft, und die ausländische Truppenpräsenz in der unmittelbaren Nähe unserer Grenze hat zugenommen“, sagte Schojgu laut der Nachrichtenagentur Interfax. Der Schritt sei aufgrund der geänderten Sicherheitslage „dringlich“.

Nato-Sprecherin Oana Lungescu warnte, dass eine Aufstockung des Militärkontingents auf der Krim sich nachteilig auf den Friedensprozess in der Ukraine auswirken könnte. „Wir haben die russischen Pläne, die Militärpräsenz auf der Krim zu erhöhen, zur Kenntnis genommen“, sagte sie und merkte an: „Das gefährdet den Waffenstillstand und wird die Spannungen in der Region verstärken.“ Russland trage mit diesen Plänen zu einer weiteren Destabilisierung der Region bei, heißt es bei der Nato.

 

Die Ausrüstung der Schwarzmeerflotte ist ein „Schrotthaufen“

Der Militärexperte Dmitrij Litowkin sieht ebenfalls die Notwendigkeit, auf der Krim stärkere militärische Präsenz zu zeigen. Das betreffe jedoch nicht nur die Zahl der Soldaten, sondern auch die technische Ausstattung. Die Ausrüstung der Schwarzmeerflotte sei auf dem Stand von 1991. „Das ist ein Schrotthaufen“, erklärte Litowkin gegenüber RBTH. Die Ausrüstung müsse komplett modernisiert werden. Die russische Regierung plane daher, neben neuen dieselbetriebenen U-Booten und Schiffen auch Raketensysteme vom Typ „Bal“ in die Region zu liefern. Die Marschflugkörper sollen zum Schutz der Küste beitragen.

Da die ukrainische Regierung den Plan, die Krim in einer Militäraktion zurückzuerobern, noch nicht endgültig aufgegeben habe, so Litowkin, müsse jederzeit mit Provokationen vonseiten Kiews gerechnet werden. Insbesondere vor diesem Hintergrund, dass durch Kiew eine direkte Bedrohung für die Bevölkerung der Halbinsel ausgehe, müsse die Balance von Mensch und Technik auf der Krim wiederhergestellt werden, betonte der Militärexperte. Die Aufstockung russischer Truppen auf der Halbinsel könne zudem als Schutzmaßnahme gegen die Ausweitung der Nato nach Osten durch Militärkontingente in den baltischen Ländern, in Polen, Rumänien und Bulgarien gewertet werden. Litowkin sieht daher in den Plänen Russlands ein klares Signal an den Westen, dass Moskau seine Sicherheitsinteressen unbedingt wahren werde.

 

Gegen wen will Russland kämpfen?

Andere russische Militärexperten teilen die Einschätzung des Verteidigungsministeriums über eine gestiegene Bedrohungslage im Süden des Landes nicht. Alexandr Konowalow, Präsident des Instituts für Strategiebewertungen, äußerte Unverständnis. „Zuerst hat man sich im Norden gegen Bedrohungen aus der Arktis abgesichert, dann folgte eine

Stärkung des östlichen Militärkreises und nun ist der Süden an der Reihe“, erklärte Konowalow und fragt sich, gegen wen alles Russland eigentlich Krieg führen wolle. Er sieht die Gefahr, dass die Fokussierung der russischen Politik ausschließlich auf den militärischen Bereich zu wirtschaftlichem Schaden führen könne: „Meiner Ansicht nach ist das der beste Weg, die eigene Wirtschaft absaufen zu lassen“, konstatierte Konowalow gegenüber RBTH.

Konowalow empfiehlt, die Bedrohungslage einem Realitäts-Check zu unterziehen. Insbesondere die osteuropäischen Mitgliedstaaten der Nato fühlten sich von vermeintlichen russischen Expansionsbestrebungen bedroht, mahnte er. Alle Schritte der Nato in Richtung Osten seien daher als Beruhigung für sie zu verstehen. „Die Nato plant, 3 000 Soldaten in fünf Ländern zu stationieren – das ist weniger als ein Bataillon“, erläuterte Konowalow. Da könne wohl kaum von Militärbasen im Osten die Rede sein, findet der Militärexperte.