Uno-Bericht: Mehr als 3 000 Tote im Ukraine-Konflikt

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Im Ukraine-Konflikt gehen beide Seiten hart gegen die Gegner und die Zivilbevölkerung vor. Über 3 000 Menschen starben bisher nach Angaben der Ukraine. Russische Experten schätzen, dass der Krieg deutlich mehr Opfer gefordert hat.

Der bewaffnete Konflikt in der Ukraine hat bisher mindestens 3 360 Menschen das Leben gekostet, mindestens 8 446 sind verletzt worden. Diese Zahlen veröffentlichte die Uno in ihrem sechsten Bericht zur Monitoring-Mission in der Ukraine. Artilleriebeschüsse von Ortschaften im Südosten des Landes seien sowohl durch die regulären Streitkräfte der Ukraine als auch vonseiten der Volksmilizen durchgeführt worden. „Einige der Berichte über wahllose Artilleriebeschüsse von Wohngegenden können den ukrainischen Streitkräften zugeordnet werden", heißt es in dem Bericht. Die Experten der Uno wiesen darauf hin, dass diese Artilleriebeschüsse sowie der Einsatz schwerer Geschütze die meisten Opfer gefordert hätten. In Wohngebieten suchten die Aufständischen Schutz und gefährdeten so die Zivilbevölkerung.

 

Vorwürfe an alle Konfliktparteien

Der Bericht weist auf Verbrechern gegen die Menschlichkeit hin, die im Osten des Landes von ukrainischen Freiwilligenbataillonen und Söldnern begangen worden seien. Laut Bericht gebe es immer häufiger Meldungen über Menschenrechtsverletzungen. Die Freiwilligenbataillone befänden sich unter dem Kommando der ukrainischen Regierung und würden im Kampfgebiet polizeiliche Aufgaben wahrnehmen, heißt es im Bericht der Vereinten Nationen.

Namentlich erwähnt wurden die Bataillone Ajdar, Dnepr-1, Kiew-1 und Kiew-2, die von ukrainischen Oligarchen kontrolliert werden sollen. Sie werden beschuldigt, willkürliche Verhaftungen durchzuführen, als Geldeintreiber aufzutreten, bei ihren Handlungen besonders hart vorzugehen, und sogar Morde werden ihnen vorgeworfen. „Die Regierung muss ihre eigenen Einheiten, einschließlich der Freiwilligenbataillone, besser kontrollieren und Verbrechen verfolgen" wird im Uno-Bericht gefordert. Den Volksmilizen wird unterstellt, die Bevölkerung in den durch sie kontrollierten Gebieten zu terrorisieren und auch ihnen werden ein hartes Vorgehen, Entführungen, Folter, die Zerstörung von Wohnungen, Raub und ebenfalls Morde zur Last gelegt.

Andrej Jurow, Mitglied im Rat für die Entwicklung der Zivilgesellschaft und Menschenrechte beim Präsidenten der Russischen Föderation, hält den Uno-Bericht zur Ukraine für ausgewogen, wie der Russische Nachrichtendienst (Russkaja sluschba nowostej) meldet. Demnach wies Jurow darauf hin, dass nur eine kleine Zahl von UN-Beobachtern vor Ort in der Ukraine sei. Daher sei eine vollumfängliche Einschätzung der Lage nicht möglich. Der Bericht zeichne sich zwar nicht durch „Objektivität, aber durch eine angemessene Balance" aus, erklärte Jurow. Im Bericht würden beide Konfliktparteien Berücksichtigung finden, das wertet er als „positives Zeichen".

 

Experte: Uno-Beitrag unvollständig

Der unabhängige Militärexperte Wiktor Litowkin meint, der UN-Bericht sei unvollständig. Er beruhe auf den Angaben der Ukraine, die die Zahlen ziviler Opfer beschönige, um „vor der Weltöffentlichkeit nicht in einem schlechten

Licht" zu erscheinen, sagt Litowkin. Bei einem nächsten Bericht sollten die Angaben der OSZE-Beobachter im Osten der Ukraine berücksichtigt werden, fordert er. Auch sollten die Volksmilizen und die Zivilbevölkerung befragt werden. Alle, die Zeuge von „bestialischen Verbrechen", wie Litowkin sagt, gewesen und die vor Ort im Kampfgebiet gewesen seien, müssten zu Wort kommen, so der Militärexperte. Doch auch dann sei das ganze Ausmaß der Tragödie kaum nachvollziehbar, sagt Litowkin.

Noch seien nicht alle Gräber entdeckt worden, in denen zivile Opfer begraben wurden, betont er. Im zentralen Leichenschauhaus von Donezk lägen 400 bisher nicht identifizierte Leichen. Das seien Tatsachen, die einer gesonderten Untersuchung bedürften, findet Litowkin. Für ihn steht fest: „Wenn wir die Wahrheit über die Opfer des Kriegs in der Ukraine erfahren, dann werden wir nicht umhinkommen, hier einen Genozid an der Bevölkerung des ukrainischen Ostens festzustellen."

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