Die Welt in Russlands Medien: Alte Gasrechnungen, neue Bündnisse gegen den IS

Russland wird möglicherweise mit der Türkei im Kampf gegen den IS kooperieren, schreibt die Zeitung „Nesawisimaja gaseta". Foto: AFP/East News

Russland wird möglicherweise mit der Türkei im Kampf gegen den IS kooperieren, schreibt die Zeitung „Nesawisimaja gaseta". Foto: AFP/East News

Russlands Medien berichten am 22. Oktober von der jüngsten Verhandlungsrunde im Gasstreit und neuen internationalen Kooperationen im Kampf gegen den Islamischen Staat.

„Kommersant": Russland will Zahlungsgarantien im Gasstreit

Der „Kommersant" berichtet über das Ergebnis der jüngsten trilateralen Gespräche zwischen Russland, der Ukraine und Vertretern der EU-Kommission im Gasstreit. Laut Zeitung konnte dabei keine Einigung über die Finanzierungsfrage russischer Gaslieferungen in die Ukraine erzielt werden. Der russische Energieminister Alexandr Nowak habe erklärt, weder die Ukraine noch die Europäische Union hätten Garantien über die Finanzierung einer Liefermenge von vier Milliarden Kubikmetern Erdgas geben können, so „Kommersant". Das ukrainische Energieunternehmen Naftogas beabsichtige, diese Menge bis zum Jahresende von Gazprom zu kaufen. Gazprom verlange allerdings eine Vorauszahlung.

Gleichzeitig verweigert die EU nach Angaben des „Kommersant" Naftogas Finanzhilfen in Höhe von 1,3 Milliarden Euro zum Ausgleich bestehender Schulden. EU-Energiekommissar Günther Oettinger habe angekündigt, bis zum Beginn der nächsten Gesprächsrunde solle geprüft werden, in welcher Höhe der ukrainische Staatshaushalt über eigene Finanzmittel zum Gasankauf verfüge. Oettinger schlug laut „Kommersant" vor, dass das Gas über einen Vermittler gekauft werde, der es an die Ukraine weiterverkauft.

 

„Nesawisimaja gaseta": Russland und die Türkei eint der Kampf gegen den IS

Die Zeitung „Nesawisimaja gaseta" berichtet über eine mögliche Kooperation zwischen Russland und der Türkei in Nahost. Der ehemalige stellvertretende türkische Außenminister Ümit Pamir erklärte laut Zeitung, die Türkei sei bereit, sich aktiver zu beteiligen, wenn ein Flugverbot über Syrien verhängt und eine Sicherheitszone an der türkischen Grenze eingerichtet würde. Die Türkei hätte in diesem Fall die Möglichkeiten, die Zivilbevölkerung im türkisch-syrischen Grenzgebiet zu versorgen.

Memduh Karakullukcu, Präsident der Stiftung für Internationale Beziehungen in Istanbul, betonte, dass beide Länder trotz gegensätzlicher Haltung zur Eingliederung der Krim in die Russische Föderation ein beiderseitiges Interesse an einer stabilen Lage in der Region Nahost hätten und ungeachtet mancher Unstimmigkeiten in dieser Frage miteinander kooperieren sollten, so „Nesawisimaja gaseta". Obwohl die internationale Lage sich verschärft habe, hätten beide Länder den Wunsch nach Kooperation und danach, das Vertrauen ineinander zu stärken, hebt „Nesawisimaja gaseta" hervor.

Die Zeitung berichtet unter Verweis auf den türkischen Außenminister Mevlüt Cavusoglu, dass die Türkei den Einheiten der irakischen Kurden erlauben könnte, die türkische Grenze zu überschreiten. So könnten sie nach Syrien gelangen, um gegen den Islamischen Staat zu kämpfen.

 

„Kommersant": Der Iran leistet dem Irak Schützenhilfe

Der „Kommersant" berichtet über die Iran-Reise des irakischen Premierministers Haider al-Abadi. Im Mittelpunkt der Gespräche mit der iranischen Regierung unter Führung ihres Präsidenten Hassan Rohani

sollen gemeinsame Aktionen Teherans und Bagdads im Kampf gegen die Terrorgruppe Islamischer Staat gestanden haben, schreibt der „Kommersant".

Da die USA und ihre westlichen Verbündeten keine Bereitschaft zeigten, eine Landoffensive gegen die Terrorkämpfer zu starten, hoffe die irakische Führung auf eine aktivere Unterstützung auf regionaler Ebene, schreibt die Zeitung. Der Islamische Staat kontrolliere eine Reihe irakischer Städte an der Grenze zum Iran. Der „Kommersant" erklärt, dass dies die iranische Bereitschaft, dem Nachbarland militärische Unterstützung zu gewähren, erhöhe. Die Zeitung weist darauf hin, dass der Irak als erster Staat Waffen an kurdische Einheiten geliefert habe, die im Nordirak gegen den Islamischen Staat kämpfen.

Nach Ansicht des „Kommersant" will der Iran die Chance nutzen, die amerikanische Vorherrschaft im Irak anzuzweifeln. Der Iran sehe den Plan, eine internationale Koalition gegen die Kämpfer des IS unter Führung der USA an der Spitze zu schmieden, als gescheitert an, meint die Zeitung.

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