Kämpfe in Grosny: Terroristen stürmen Pressehaus und Schule

Den Familien der getöteten Einsatzkräfte stellte Kadyrow eine Entschädigung in Höhe von einer Million Rubel (etwa 15 000 Euro) in Aussicht. Foto: Reuters

Den Familien der getöteten Einsatzkräfte stellte Kadyrow eine Entschädigung in Höhe von einer Million Rubel (etwa 15 000 Euro) in Aussicht. Foto: Reuters

In der Nacht zum Mittwoch töteten in Tschetscheniens Hauptstadt Grosny Terroristen drei Verkehrspolizisten und besetzten anschließend mutmaßlich mehrere Gebäude. Sondereinsatzkräfte unter Leitung von Präsident Kadyrow beendeten den Anschlag. In Tschetschenien werden weitere Terrorakte befürchtet.

Nur wenige Stunden bevor in Russland Präsident Putin seine Rede an die Nation richtete, erschütterte in der Nacht zum Mittwoch ein Anschlag die tschetschenische Hauptstadt Grosny. Der Verlauf ist noch unklar, es gibt widersprüchliche Berichte.

Wie der tschetschenische Präsident Ramsan Kadyrow gegenüber der Nachrichtenagentur Interfax berichtete, überfielen die Rebellen zunächst einen Verkehrsposten und töteten drei Polizisten. Die Angreifer sollen als Polizisten verkleidet gewesen sein, weshalb sie von dem Verkehrsposten angehalten wurden. Die Rebellen hätten umgehend das Feuer eröffnet, die drei Verkehrspolizisten kamen bei dem anschließenden Schusswechsel ums Leben.

Der oppositionelle Fernsehsender Doschd TV berichtet hingegen unter Verweis auf Augenzeugen, dass die Rebellen mit drei Autos zur Moschee „Herz Tschetscheniens“ gefahren seien. Dort sei es dann zu einer Schießerei gekommen. Im Verlauf des Gefechts soll ein Fahrzeug der Verkehrspolizei gesprengt worden sein, wobei die drei Polizisten getötet wurden.

Fest steht, dass nach der Ermordung der Polizisten die Rebellen ein Gebäude stürmten, in dem lokale Medien ihren Sitz haben, und dieses in Brand steckten. Nach Augenzeugenberichten wurden vor dem Pressehaus gepanzerte Fahrzeuge in Stellung gebracht. Sondereinheiten der Föderalen Sicherheitsbehörde und der Polizei rückten an, Rettungskräfte wurden hinzugezogen. Die Sondereinsatzkräfte umstellten das Gebäude. Unter Leitung von Präsident Kadyrow erstürmten sie das Pressehaus.

Um halb acht Uhr morgens trat Kadyrow vor die Presse und berichtete, dass während des Einsatzes sieben Rebellen getötet worden seien. Kadyrow selbst habe sich davon überzeugt, dass keiner der Rebellen mehr am Leben war. Nach Berichten der Nachrichtenagentur Tass hatte es auch unter den Einsatzkräften Tote und Verletzte gegeben. Den Familien der getöteten Einsatzkräfte stellte Kadyrow eine Entschädigung in Höhe von einer Million Rubel (etwa 15 000 Euro) in Aussicht. Zudem wurde das Gebäude durch das Feuer stark beschädigt. Der Präsident versprach den Wiederaufbau des zerstörten Pressehauses, das alte Gebäude werde abgerissen und ein neues gebaut. Er habe daher bereits den Vorsitzenden der Regierung, Abubakar Edelgerijew, angewiesen, den Abriss nach dem Abschluss der Ermittlungen in die Wege zu leiten.

Kadyrow teilte darüber hinaus mit, dass auch eine Schule besetzt worden sei. Medien, darunter auch die Nachrichtenagentur Ria Novosti, meldeten ebenfalls die Erstürmung einer Schule durch die Rebellen. Dabei soll es sich um die Schule Nr. 20 in Grosny gehandelt haben. Diese sei zum Zeitpunkt des Überfalls allerdings menschenleer gewesen, sagte Islam Dschabrailow, stellvertretender Schuldirektor, dem Radiosender Goworit Moskwa.

 

Drohen weitere Anschläge?

In den sozialen Netzwerken verbreiteten sich indes Meldungen über eine angeblich groß angelegte Offensive der Terroristen mit 200 bis 300

Kämpfern. Diese Meldungen kritisierte ein Vertreter der Einsatzleitung laut Interfax scharf: „Das sind Lügen, denen kein Glauben geschenkt werden darf.“ Es seien zehn bis elf Rebellen an den Anschlägen beteiligt gewesen, so der Beamte, die Einsatzleitung hätte nichts zu verbergen, auch nicht was Angaben zur Zahl der getöteten oder verletzten Einsatzkräfte betreffe.

Wie Kadyrow gegenüber den Journalisten außerdem erklärte, gebe es Informationen über geplante terroristische Aktionen am 12. Dezember, dem Tag der Verfassung Russlands. „Dank der Aufmerksamkeit der Polizei haben wir davon Kenntnis erlangt. Wir werden alles tun, um diese Anschläge zu vereiteln“, kündigte Kadyrow an.