Die Welt in Russlands Medien: Machtkampf im Jemen, Milliardeninvestitionen in der Ukraine

Saudi-Arabien startet eine Militäroffensive gegen die Schiiten im Jemen. Foto: Reuters

Saudi-Arabien startet eine Militäroffensive gegen die Schiiten im Jemen. Foto: Reuters

Russische Medien berichten über eine saudi-arabische Militäroffensive im Jemen und erste Fortschritte bei den Verhandlungen zum iranischen Nuklearprogramm. Außerdem schreiben sie über geplante Milliardeninvestitionen der Chinesen in der krisengeschüttelten Ukraine.

„Wedomosti": Für Saudi-Arabien ist der Iran gefährlicher als al-Quaida

Die Zeitung „Wedomosti" berichtete über eine Militäroperation Saudi-Arabiens gegen die Huthi-Rebellen im Jemen. Es sollen Luftangriffe auf Objekte in Sana, der Hauptstadt des Jemen, geflogen worden sein. Laut „Wedomosti" haben rund ein Dutzend Staaten, darunter die Golfstaaten, Jordanien, Ägypten, Marokko, Pakistan und der Sudan, Saudi-Arabien Unterstützung zugesagt. Die schiitischen Huthi-Rebellen hingegen würden vom Iran finanziell und personell unterstützt und mit Waffen beliefert, schrieb die Zeitung.

„Für den Iran ist der Jemen der Schlüssel zur Kontrolle des Roten Meers, über das die Transportwege für Erdöl aus dem Persischen Golf nach Europa und in die USA verlaufen", erklärt Wladimir Saschin, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Instituts für Ostkunde an der Russischen Akademie der Wissenschaften in der „Wedomosti". Er sieht einen Machtkampf um die Vorherrschaft in der Region zwischen den Saudis und Teheran. Der Iran habe seinen Einflussbereich bisher schon erfolgreich auf den Libanon, Syrien und den Irak ausgedehnt, so Saschin zu der Zeitung.

Nikita Smagin, Politologe und Experte für den Nahen Osten, warnt in der „Wedomosti" vor einer Destabilisierung der Lage im Jemen durch die Einmischung der Saudis und ihrer potenziellen Verbündeten. „Die Huthi-Rebellen sind im Moment eine starke und in sich geschlossene Kraft, die das Land vereinen könnte. Die Kampfhandlungen werden sie stark schwächen, obwohl sie sie wohl kaum werden vernichten können", zitiert die Zeitung Smagin. Für die Saudis gehe es seiner Meinung nach vor allem darum, zu verhindern, dass an den Grenzen ein weiterer schiitischer Staat entstehe. Dafür nehme das Land sogar eine Stärkung der al-Quaida in Kauf. Das zeige, dass der Iran von den Saudis als größere Bedrohung betrachtet werde als der radikale Islam, so Smagin in der „Wedomosti".

 

„Nesawisimaja gaseta": Kleine Fortschritte auf dem Weg zu einer Einigung im Atomstreit mit dem Iran

Die Zeitung „Nesawisimaja gaseta" schrieb über die Fortsetzung der Gespräche über das iranische Atomprogramm. Die Verhandlungen zwischen dem Iran und den USA sowie zwischen dem Iran und der E3+3-Gruppe (das sind Großbritannien, Frankreich, Deutschland, die USA, Russland und China, Anm. d. Red.) seien in einem entscheidenden Stadium, so die „Nesawisimaja gaseta". Ein positives Signal war für die Zeitung das Treffen

der Außenminister der E3+3-Staaten im schweizerischen Lausanne.

Unklar sei, welche Vereinbarungen bislang getroffen worden seien, berichtete die Zeitung weiter. Noch stehe nicht fest, wie detailliert ein Abkommen sein werde. Außer den Gegensätzen zwischen dem Iran und den internationalen Vermittlern gebe es auch Reibereien innerhalb der E3+3-Gruppe, betonte die Zeitung und erinnerte daran, dass am 20. März eine Pause vereinbart worden sei, damit die Staaten ihr weiteres gemeinsames Vorgehen abstimmen konnten. Frankreich zeigte sich besonders kritisch in der Haltung gegenüber dem Iran. Quellen aus Diplomatenkreisen berichten laut der „Nesawisimaja gaseta", dass die USA gegenwärtig viel Überzeugungsarbeit bei den Franzosen leisten müssten, damit diese ein Abkommen unterstützen.

 

Gazeta.ru: China investiert Milliarden in die Ukraine

Die Onlinezeitung Gazeta.ru berichtete, dass China milliardenschwere Investitionen in der Ukraine plane. Ein entsprechendes Memorandum sehe die Vergabe eines Kredits in Höhe von 15 Milliarden US-Dollar (elf Milliarden Euro) vor, mit einer Laufzeit von 15 Jahren mit Verlängerungsoption und zu minimalen Zinssätzen. Laut Gazeta.ru soll das Geld in Programme zur

Wohnraumentwicklung fließen. Schwerpunkte sollen dabei der soziale Wohnungsbau und die Entwicklung des ländlichen Raums sein. Zudem soll in Infrastrukturprojekte investiert werden, heißt es in dem Bericht.

Alexej Maslow, Leiter der Ostkundeabteilung der Higher School of Economics in Moskau, erklärte der Gazeta.ru, dass die Chinesen häufig große Investitionsvorhaben verkündeten, diese jedoch nicht immer realisierten. Für China sei dieses Vorgehen oft ein Einstieg in den Markt von Ländern, deren wirtschaftliche Entwicklung turbulent verlaufe, das hätte sich zum Beispiel in Lateinamerika und Zentralasien gezeigt. „Später wird China dann fordern, dass chinesische Unternehmen vor Ort präsent sind. Das Interesse der chinesischen Investoren könnte dann aber einem ganz anderen Wirtschaftszweig gelten", zitiert Gazeta.ru Maslow.

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