Medienspiegel: Welche Ziele verfolgt Russland in Syrien?

Außenminister Sergej Lawrow weist Vorwürfe der USA über angeblich falsche Angriffsziele zurück, schreibt die Zeitung „RBK“.

Außenminister Sergej Lawrow weist Vorwürfe der USA über angeblich falsche Angriffsziele zurück, schreibt die Zeitung „RBK“.

Verteidigungsministerium der Russischen Föderation
Russische Medien berichten über die Luftangriffe russischer Streitkräfte in Syrien. Ein militärischer Erfolg könnte Russlands internationales Image stärken. Zudem könnte durch Angriffe auf Ölpipelines eine wichtige Finanzierungsquelle des IS vernichtet werden.

„Kommersant“: Defensiv und offensiv zugleich

Der „Kommersant“ geht davon aus, dass die Luftangriffe russischer Streitkräfte in Syrien sowohl defensiven als auch offensiven Charakter haben. Zum einen sollen die Regierungstruppen von Syriens Präsident Baschar al-Assad Unterstützung bekommen, um die Kontrolle über die Mittelmeerküste und die angrenzende Region zu behalten, so „Kommersant“. In diesem Gebiet leben Alawiten, Glaubensgenossen des syrischen Präsidenten, von denen er sich ebenfalls Unterstützung erhoffe. Ebenso lägen dort die beiden wichtigen Hafenstädte Latakia und Tartus. Tartus ist ein Stützpunkt der russischen Kriegsmarine. Gleichzeitig könnten die russischen Truppen offensiv vorgehen, was jedoch deutliche Risiken für Russland berge. Damit könne Russland jedoch sein internationales Image verbessern, etwa, wenn es gelänge, die Stadt Palmyra und ihre antiken Ruinen von der Herrschaft der Terroristen des Islamischen Staates (IS) zu befreien, schreibt die Zeitung. Experten halten es für möglich, dass russische Kampfeinheiten durch die Luftangriffe und mit der Unterstützung durch syrische Truppen erfolgreich sein könnten. Der „Kommersant“ bezieht sich auf Informationen der operativen Militärverwaltung und berichtet auch über die Zusammensetzung der russischen Kampfeinheiten in Syrien. Laut der Zeitung seien auf dem Flughafen von Latakia Angriffsbomber Su-24M und Su-34, Tiefflieger Su-25SM und Mehrzweckjäger Su-30SM sowie Kampfhubschrauber Mi-24 und Mehrzweckjäger Mi-8 stationiert. Diese gehörten den Streitkräften der Russischen Föderation.

„RBK“: Lawrow weist Kritik an Zielen der Luftangriffe zurück

Die Zeitung „RBK“ berichtet über Vorwürfe der USA, Russland würde in Syrien die syrische Opposition anstelle des IS bombardieren. Das Verteidigungsministerium der USA hatte erklärt, im Zielgebiet gebe es keine IS-Terroristen. Der russische Außenminister Sergej Lawrow habe von den USA Beweise für diese Unterstellungen verlangt, schreibt die Zeitung.

„Unsere US-amerikanischen Partner äußern sich besorgt und haben Zweifel an den Zielen unserer Luftangriffe. Sie hätten Beweise. Wir haben nach Beweisen gefragt, weil wir für unsere Handlungen Verantwortung tragen“, zitiert „RBK“ den Außenminister. Lawrow habe betont, Russland bombardiere nur Ziele, die in Verbindung mit den Terroristen des IS stünden. „Ich habe den US-amerikanischen Kollegen darauf hingewiesen, dass diese Besorgnisse unbegründet sind“, soll Lawrow gesagt haben.   

 „Nowaja Gazeta“: Pipelines des IS sind Ziel der Luftangriffe 

Die Zeitung „Nowaja Gazeta“ schreibt, dass durch Luftangriffe russischer Streitkräfte in Syrien mit dem illegalen Ölhandel auch eine wichtige Finanzierungsquelle des IS zerstört werden solle. Dabei sollen Pipelines der Islamisten bombardiert werden. Zuvor hatte die Zeitung berichtet, die Bordcomputer der Tiefflieger und Angriffsbomber hätten nicht nur die Koordinaten der Stützpunkte der Terroristen einprogrammiert, sondern auch die der Pumpstationen, die den Druck in den Pipelines aufrechterhalten. „Nowaja Gazeta“ meldet, dass es Treffen zwischen Militärexperten und Erdölfachleuten gegeben habe. „Die Vertreter des Verteidigungsministeriums waren besonders daran interessiert, welche Teile der Pumpstationen außer Betrieb gesetzt werden müssten, damit kein Öl mehr fließen kann. So soll der illegale Ölhandel gestoppt werden“, meldet das Blatt.   

„Gazeta.ru“: Konkurrenz für russisches Gas nach Machtwechsel in Syrien?

Bei einem Machtwechsel in Syrien sieht die Zeitung „Gazeta.ru“ die Vormachtstellung Russlands auf dem weltweiten Gasmarkt in Gefahr. Katar könnte in diesem Fall eine Gaspipeline durch Syrien direkt in die Türkei bauen. Schon jetzt gehöre Katar zu den größten Gaslieferanten nach Europa. Daher wäre eine Stärkung Assads für Russland von Vorteil, was  die Konkurrenz auf dem europäischen Gasmarkt anbelange. Politikwissenschaftler meinen jedoch, dass der IS derzeit sehr unabhängig von internationaler Unterstützung sei. Deshalb sei der Bau einer Gaspipeline durch Syrien sehr riskant, selbst wenn Baschar al-Assad den Kampf verliere.

Syrien-Krise: Was Putin und Obama an einer Einigung hindert

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