Wie denken die Syrer über den russischen Militäreinsatz?

Die Einwohnern der syrischen Stadt Latakia, wo sich ein russischer Stützpunkt befindet, sprechen über den russischen Kampfeinsatz.

Die Einwohnern der syrischen Stadt Latakia, wo sich ein russischer Stützpunkt befindet, sprechen über den russischen Kampfeinsatz.

Reuters
Russland hat in Syrien eine Militäroperation begonnen und dafür international zum Teil Kritik geerntet. Wie denken die Bürger Syriens über den russischen Kampfeinsatz? RBTH hat mit Einwohnern der syrischen Stadt Latakia gesprochen, wo sich ein russischer Stützpunkt befindet.

Minos Asaad, Ingenieur:

„Ich bin für das militärische Engagement Russlands in Syrien und halte es für legitim, weil der Militäreinsatz auf Anfrage der legitimen Regierung erfolgt. Ich begrüße die Russen. Denn Russland war schon immer ein Freund des syrischen Volkes und des syrischen Staates. Unserer Gesellschaft ist Russland nicht fremd. Die russische Luftwaffe wird die syrische Armee im Kampf gegen die Terroristen unterstützen. Und die Einmischung anderer Staaten, die vorgeben gegen den Terror vorzugehen, wird durch die russische Präsenz unterbunden. Es ist das gemeinsame Ziel des russischen und des syrischen Militärs, dem Terrorismus ein Ende zu setzen und die Ausbreitung des Extremismus zu verhindern, die von verschiedenen Staaten unterstützt wird.“

Dschamal Ibragim , Biologieprofessor:

„Trotz der massiven politischen Unterstützung, die Russland der syrischen Regierung in der Krise erweist, sehe ich hinsichtlich der russischen Intervention keinen Grund für Optimismus. Ich denke nicht, dass Russland ohne Absprachen mit den Vereinigten Staaten agieren kann – ich habe eine Mitteilung gesehen, die die Absicht Russlands enthielt, den Vereinigten Staaten einen Handlungsplan russischer Truppen auf syrischem Territorium vorzulegen. Zudem wissen wir, dass die USA terroristische Vereinigungen in unserem Land unterstützen. Dies alles könnte den blutigen Konflikt in die Länge ziehen.“

Malak Salech, Hausfrau:

„Ich glaube, Russlands Einsatz kommt etwas spät. Um denen Widerstand zu leisten, die sich „syrische Opposition“ nennen, brauchen wir mehr als politische Unterstützung. Der Terrorismus in Syrien ist organisiert und geplant. Doch ich fühle mich erleichtert und bin froh, russische Kampfjets über unserer Stadt zu hören.“

Chalid Muchammad, Jurist:

„Als syrischer Staatsbürger möchte ich, dass Syrien ein einheitlicher, säkularer und demokratischer Staat bleibt. Ich hoffe, dass Russlands Einsatz der Zukunft des syrischen Staates dienlich sein und es den Syrern ermöglichen wird, sich von einer militaristischen und islamistischen Macht zu befreien. Daher rechne ich damit, dass Russland auch die Al-Nusra-Front in die Liste seiner Ziele aufnimmt. Schließlich stuft Moskau diese Vereinigung als terroristische Organisation ein. Es ist bekannt, dass sie al-Qaida angehört und dem Befehl ihrer Anführer untersteht. Ich denke nicht, dass die Bedrohung für die Zukunft des syrischen Staates allein vom Islamischen Staat ausgeht. Ob Russland gegen andere Organisationen außer den IS kämpfen oder sich das ohne ein Einverständnis der USA nicht trauen wird, wird das zukünftige Vorgehen zeigen.“

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